Schwarzer Sound im Dutzend

13 Musik-Acts heizten am ersten Weihnachtsfeiertag in der Chemnitzer Stadthalle ein. Zwar war es weniger weihnachtlich, doch trotzdem waren alle in Feierlaune. Zum 22. Mal fand das Dark Storm Festival statt und versetzte auch viele Vogtländer in emotionalen Ausnahmezustand.

Chemnitz - Den Anfang am späten Nachmittag machten Namen wie "Hell Boulevard", "Nachtblut" und "Eisfabrik". Wie immer brechend voll war der kleine Saal bei den elektronischen Klängen des Musikprojektes "Funkervoigt" und der Band "In Strict Confidence".
In ihrer typischen 50er-Jahre Manier traten Alf Behnsen und Hannes Malecki aus der Nähe von Hannover auf die Bühne. Als "Welle:Erdball" sind sie seit 25 Jahren aktiv, polarisierten aber diesmal deutlich, was weniger an den beiden lag, als an den Bewegungs- und Gesangskünsten der beiden Ladies auf der Bühne. Das Publikum war gespalten und zeigte sich daher auch eher eher verhalten.
Mögen muss man auch die theatralischen Auftritte der Band "Goethes Erben" rund um Frontmann Oswald Henke. Der Sänger, der mehr Sprecher zur Musik ist, prägt seit 30 Jahren mit seiner Gruppe musikalisch die Dark-Wave- und Gothic Szene. Mit ihren weißen Anzügen und der besonderen Art zu performen ist die Band nach 13 Jahren Pause zurück in der Szene. Zeitgleich mit der Wiederauferstehung gab es ein neues Album "Am Abgrund" das einmal mehr musikalisch großartig und gesang- bzw. sprechtechnisch gewöhnungsbedürftig ist.
Der Schweden-Export "Covenant" brachte die schwarze Menge in Bewegung. Klänge, die in Ohren und Beine gehen, eine Mischung aus Elektro und Future-Pop, die auch auf dem zuletzt im Jahr 2016 erschienen Album zu hören ist. Im Februar ist "Covenant" in mehreren deutschen Städten, unter anderen in Nürnberg und Leipzig, zu hören.
23.20 Uhr trennten sich dann die Lager eindeutig. Während im kleinen Saal die Berliner Band "Agonoize" begann und die Jungs mit ihrer direkten und unverblümten elektronischen Klappe loslegten, betrat ein Typ ein paar Meter weiter die Bühne, dem sogar Männer schmutzige Wörter als Kompliment zurufen. Alexander Wesselsky, Frontman von Eisbrecher mischte sich bereits am frühen Abend im Foyer unter die Menge, gab am Verkaufsstand Autogramme und grinste böse in die Handykameras für ein Selfie. Um die Box mit insgesamt neun Langspielplatten an den Mann bzw. die Frau zu bekommen bot der aus dem Fernsehen bekannte "Checker" eine Stunde mit dem Verkäufer des Merchandise-Standes und einen Zungenkuss von sich selbst dazu. Resümierte jedoch nach ausbleibendem Ansturm selbst, dass man "wohl nie wieder so eine Box verkaufen" werde.
Für den Auftritt als Hauptband des Abends schlüpfte Wesselsky dann in hautenge Jeans und die Jacke im Uniform-Stil und enterte die Bühne im großen Saal um dort in voller Konzertlänge buchstäblich das Eis zwischen ihm und dem Publikum zu brechen.
Dabei gab es nicht nur aktuelle und ältere Titel zu hören, sondern auch Klassiker wie "Menschenfresser" von Rio Reiser. Die Band ist schwer einer Kategorie zuzuordnen und liegt irgendwo zwischen "Neuer Deutscher Härte" und Rock und Pop mit elektronischen Einflüssen. Bühnenbild und Show hoben sich gewohntermaßen ab und sogar Schnee wurde dem Publikum bei einem Lied präsentiert, das der dunklen Musikszene für ein par Minuten dann plötzlich doch noch weiße Weihnachten bescherte.     Stephanie-Rössel-Conradi