Schwarze Grütze schlägt auf den Magen

Bad Elster - Mit einem echten Gourmet für die Freunde des musikalischen Kabaretts trafen am Sonntag die mehrfach preisgekrönten Kabarettistenduo "Schwarze Grütze" - alias Dirk Pursche und Stefan Klucke - aus Potsdam den Geschmack des Publikums im König Albert Theater.

 

In ihrem neuen Programm "Bühnenarrest" präsentierten sie mit deftigen Wortspielereien, spritziger Musikalität und einer deftigen Prise scharfsinnigem Witz eine äußerst gepfefferte Mischung des Schwarzen Humors. Mit Gitarre, Piano und unerschöpflicher Fantasie erzählten sie in ihren farbenfroh schwarz gefärbten Liedern von dem allgemein Menschlichen und Unmenschlichen dieser Welt, das zuweilen schwer verdaulich im Magen liegen blieb.

Zum Beispiel das vom "Homing"-Trend, der modernen Stubenhockerei, bei dem die fernsehklotzenden Zuschauer per Aboverlängerung entscheiden können, ob das verhungernde somalische Kind eine Schale Reis erhält oder vor der Kamera stirbt. "Schwarzer Humor ist die Abmilderung der Realität bei gleichzeitiger Vorgabe ihrer Überhöhung", erklärten sie prophylaktisch den Zuschauern, bevor sie dann vom Suizid als "Lebens-Aufgabe" eines ruinierten Lottogewinners, der aufs Dach steigt, in ihrem "Hochhauslied" erzählten und nicht nur die gängige Lust aufs Jackpot knacken gnadenlos versickern ließen, nachdem sie die Welt anhand von "Alkohol und Schweinefleisch" interpretiert hatten.

 

Scheinheilig erscheinen ließen sie auch das Nichtraucherschutzgesetz, wonach das Rauchen auf Bahnhöfen außerhalb von gelben Planquadraten eigentlich gesetzwidrig ist, während man auf die Entsorgung geteerter Raucherlungen als Sondermüll verzichtet. Als geniale Geschäftsidee für Hartz IV-Empfänger, die eigenen Köperteile zu verhökern, rückten sie dem Thema Finanzkrise zu Leibe, denn "man fragt sich, wenn man arm ist, wie viel wert wohl so ein Arm ist".

Auf eine kleine Spritztour mit einem unter Helfersyndrom leidenden Feuerwehrmann ging es dann nach Stuttgart, bevor sich die Zuschauer unter anderem nach einem zunächst gewaltigen Schüttelfrust eines potentiellen Muttermörders auch an den geistesmächtigen Echo- und Schüttelreimen des Duos, wie zum Beispiel "Er schwamm zu den Haien raus, nun steht leer sein Reihenhaus" vor Lachen schütteln durfte.

"Beethovens Musik war so laut weil er taub war, bei Heavy-Metal ist das gerade umgekehrt", kündigten die beiden Kabarettisten eine ebenso schrille Version vom borreliosebedrohten "Bett im Kornfeld" an, überzeugten mit "säxistischer" Liebeskunst und dem wunderbar ironischen Song von "Marvins Eltern in der Pubertät", bevor sie sich gleich mit mehreren Zugaben und einem bissigen Schlagermix vom "Eiermann" bis zum Prosit-Hit "Einer geht noch rein" getreu dem Motto "Heute ist mir die Leber wurst" von den Zuchauern verabschiedeten.       Steffen Adler