Schwarz-Weiß mit Zylinder

Freimaurer trinken kein Blut - aber sie sind mit Herzblut bei der Sache: Sie wollen eine bessere Welt. Und die Suche danach beginnt bei jedem selbst. Im Vogtland zählt der Geheimbund 11 Männer und die gehen Samstag an die Öffentlichkeit: Im Komturhof feiern sie "200 Jahre Freimaurerei in Plauen" - mit Frauen.

Plauen - Manche der Freimaurer erscheinen dort fotogen in schwarzem Anzug und weißem Hemd, mit weißer Fliege und weißen Handschuhen, mit Zylinder, Schurz und Klimperschmuck. "Andere wollen nicht erkannt werden, weil sie Nachteile in ihrem Beruf befürchten, weil sie Angst haben, beschimpft zu werden. Aus anderen Städten sind sogar Angriffe von Nazis bekannt geworden", erklärt Dr. Udo Junker, ein Plauener Allgemeinmediziner und Mitglied der Plauener Loge.
Freimaurer? "Die Ersten gab es 1717 in London: Männer, die sich unter dem Siegel der Verschwiegenheit getroffen haben - zum Reden und Saufen im diskreten Rahmen", sagt Junker, der nach eigenem Bekunden unabhängiges Denken liebt und Geselligkeit mag.
Freimaurer seien keine Hüter dunklen Wissens sondern Menschen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, die dabei heutige Probleme diskutieren - ohne Scheu. Der Mythos vom Geheimbund sei befördert worden von den Dombaumeistern des Mittelalters, die ihr Wissen nur in kleinem Kreise weitergegeben hätten. "Damit im Zusammenhang steht das große Motto: Wir bauen den Tempel der Humanität. Und: Wir arbeiten am rauhen Stein."
Junker zufolge ist mit dem rauhen Stein ein jeder selbst gemeint: "Erkenne dich selbst, mehre deine guten Eigenschaften, zügele die schlechten. Wer ein besserer Mensch wird, verbessert die Welt."
Laut Junker leben die Freimaurer Toleranz, Brüderlichkeit und Menschliebe. "Wir orientieren uns bis heute an den christlichen Werten - obwohl wir nicht alles Christen sind."
Die Mitglieder kämen aus unterschiedlichen Schichten, hätten verschiedene Bildungshintergründe. "Doch unser Grundsatz lautet: Alle sind gleich. Und das sieht man an der schwarz-weißen Festkleidung, die manche despektierlich mit Pinguinen vergleichen."
Wie Junker erklärt, sind die Freimaurer englischer Schule reine Männerbünde. Es gebe auch gemischte und sogar welche, die nur aus Frauen bestünden. Die Plauener Loge "Pyramide" wurde 2005 wiedergegründet und besteht nur aus Männern. "Einige unserer Mitglieder sind auch in einer anderen Loge Mitglied. Wir sind ein eingetragener Verein", sagt Junker.
Alle 14 Tage treffen sich die "Brüder" in ihrem Versammlungsraum - in einer Plauener Gaststätte. "Dabei steht immer ein Vortrag im Mittelpunkt zu einem allgemeininteressierenden Thema."
Kern der Freimaurerei sei die "Tempelarbeit". Diese besonderen Treffen finden in der Festhalle der Hofer Loge statt. Die dortigen 80 Freimaurer haben bei der Wiedergründung der Plauener geholfen und bis heute bestehen enge Beziehungen.
Warum sind die Rituale der Freimaurer ein Geheimnis? "Man muss sie selbst erleben, deshalb sprechen wir nicht mit Fremden darüber", erklärt Junker, der jedoch deutlich macht, dass man an neuen Mitgliedern interessiert sei. "Wer sich informieren will, kann zu unseren öffentlichen Veranstaltungen kommen." Wie am morgigen Samstag:
14.30 Uhr beginnt im Komturhof Plauen der Teil der Festveranstaltung, zu dem Gäste willkommen sind. Außerdem sind Landrat und Oberbürgermeister eingeladen (und wollen Vertreter schicken) und , natürlich Freimaurer, die auf Landes- und Bundesebene tätig sind. Es wird zwei Referate geben zur Geschichte der Plauener Loge und der "Freimaurerei heute". Junker: "Wir überreichen zudem Spenden an ,Tafel‘ und ,Lebenshilfe‘ und danach kommen wir ins Gespräch bei Kaffee und Kuchen."
Bereits 10 Uhr beginnt eine interne Veranstaltung der Freimaurer, zu der die Lebenspartner ("die Schwestern" der "Brüder") erwartet werden - egal ob Mann oder Frau. "Jeder ist angehalten nur dann Mitglied bei uns zu werden, wenn sein Partner uns tolerant gegenübersteht", erklärt Junker.
Jeder neue Freimaurer müsse sich einer Aufnahmeprozedur unterziehen, brauche einen Paten und fange als "Lehrling" an. Später werde er "Geselle" und könne es zum "Meister" bringen, ergänzt Meister Junker. ufa