Schutzwall gegen Rechts

Etwa 100 Menschen versammelten sich am Samstagnachmittag auf der rechten Straßenseite des Wartburgplatzes, um ein demokratisches Gegengewicht zu der ebenfalls dort geplanten Aktion der rechtsextremen Partei III. Weg zu schaffen.

Von Stephanie Rössel

Plauen Mitglieder und Sympathisaten des III. Weges hatten zur einer Veranstaltung "Gerechtigkeit für alle Deutschen" eingeladen und zelebrierte das mit Kaffee, Kuchen und Hüpfburg. Anlass war ein Schreiben der Stadt Plauen, das dem Stadtrat Tony Gentsch eine Ordnungswidrigkeit vorwirft. Im September hatte der mit Gesinnungsgenossen aus einem Pkw heraus Lebensmittel, ausschließlich an Deutsche, verteilt. Das habe gegen den "Gemeingebrauch der Straße" verstoßen und sei als Sondernutzung genehmigungspflichtig, hieß es in dem Bescheid der Stadt. Den Redebeiträgen der Neonazis - unter anderem bedankte sich Gentsch für die Unterstützung seitens der AfD - folgten eher wenige konzentriert, da von der Gegenseite des Platzes immer wieder laute Musik und Trillerpfeifen zu hören waren.
Der Runde Tisch hatte einen symbolischen Schutzwall aufgebaut. Daran sammelten sich nach und nach immer mehr Sprüche und Bilder, Meinungen und Aufrufe. Unterstützt wurde die Aktion des runden Tisches von Linken, den Bündnisgrünen und VVN-BdA.
Erst am Freitag wurde die wesentlich größer geplante Aktion aufgrund der aktuellen Lage reduziert. Die Kunstaktion in Zobes fand nicht statt, da der Kongress der NPD-Jugend, der dort in einem Gasthaus stattfinden sollte, aufgrund der Auflagen abgesagt wurde.
"Wir wollen Flagge zeigen und möchten nicht, dass Plauen sich nach außen über den III. Weg definiert. Ignorieren kommt für uns nicht in Frage", sagte der Landtagsabgeordnete Gerhard Liebscher (Bündnis90/Die Grünen), der zusammen mit anderen Demokraten ein Banner mit der Aufschrift "Bunt statt Braun" in die Höhe hielt.
Polizisten der Polizeidirektion Zwickau und Angehörige der sächsischen Bereitschaftspolizei waren vor Ort, um beide Veranstaltungen zu sichern. "Nennenswerte polizeiliche Maßnahmen", heißt es im Polizeibericht von gestern, seien nicht notwendig geworden. Allerdings kam es in einem Fall zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, außerdem wurden zwei Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige gebracht. Festnahmen seien nicht notwendig gewesen. Das Ermittlungsverfahren wurde gegen ein Mitglied des III. Weges eingeleitet.