Schulprojekt in Plauen: Schüler sind Richter und Schöffen

Eine Gerichtsverhandlung an der Schule? Eher ungewöhnlich und doch bildete die Rückertoberschule dieser Tage den Rahmern dafür. Während des Ethikunterrichts erlebten die Schüler der 6. Klassen besondere Schulstunden zum Thema "Wahrnehmung und Wahrheit".

Plauen - Das Projekt nahm zwei Unterrichtstage in Anspruch. "Am ersten Tag wurde die Tat "gespielt". Die Zeugen nahmen das Geschehen wahr", berichtet Schulleiterin Silke Schwerdt. Parallel wurde die "Gerichtsverhandlung" vorbereitet. Die Schüler erhielten ihre Rollen. Die Filmexperten vom SAEK Plauen betreuten eine weitere Schülergruppe, die dann tags darauf das Gerichtsverfahren filmte.

Dort kam zur Sprache: Eine Schülerin soll einer anderen 20 Euro "abgenommen" haben. Zu klären ist, ob das freiwillig geschah, oder ob das Geld gestohlen wurde. Die "Angeklagte" sagte aus, sie sei unschuldig. Die geladenen Zeugen widersprachen sich. Der Staatsanwalt verlas die Anklage. Der Verteidiger versuchte, für seine Mandantin einen Freispruch zu erreichen. Richterin und Schöffen bemühten sich, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

Nach einer Beratung verurteilten sie die Angeklagte zu einer Entschuldigung, zur Rückgabe des Geldes und zu zehn Arbeitsstunden auf dem Schulhof.

"Alle Rollen wurden von Schülern übernommen, die sehr ernsthaft und richtig professionell bei der Arbeit waren", lobte Silke Schwerdt. Ein besonderer

Clou der Aufführung: Das Vogtlandtheater stellte der Schule schwarze und weiße Hemden zur Verfügung, die für die Schüler als Roben dienen und das Gericht authentischer erschienen ließen. Das Ziel des Projekts lautete: Die Schüler sollten erkennen, dass Wahrnehmung und Wahrheit manchmal nicht identisch sind. Sie sahen, wie ein Gericht arbeitet. Die wichtigsten Fragen waren: Was ist gerecht? Was ist Gerechtigkeit?