Schulen dicht - Grenzen dicht: Sachsen im Krisenmodus

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus stellt Sachsen vor große Herausforderungen. Das öffentliche Leben im Freistaat kommt nach und nach zum Erliegen. Ein Ende ist vorerst nicht absehbar.

Dresden/Plauen Sachsen geht wegen des neuartigen Coronavirus in den Krisenmodus über. Auch gestern trafen Schlag auf Schlag neue Hiobsbotschaften ein. Immer mehr Theater, Orchester, Museen und andere öffentliche Einrichtungen kündigten ihre Schließung an, die meist bis nach Ostern dauern soll .- da bildet das Vogtland keine Ausnahme. So sagt beispielsweise die Stadt Plauen sämtliche Veranstaltungen ab. Kulturveranstaltungen in der Region gibt es kaum noch - und das nicht nur an diesem Wochenende.
In Sachsen hatten sich bis Freitagvormittag mindestens 51 Menschen mit dem Virus infiziert. Das sächsische Kabinett wollte am Freitagabend zu einer Sondersitzung zur Corona-Entwicklung zusammenkommen.
Das Kultusministerium hob ab Montag die Schulpflicht auf und ordnete für öffentliche Schulen eine unterrichtsfreie Zeit an. "Die Anordnung gilt bis auf Weiteres. Die Schulen bleiben jedoch geöffnet. Das Lehrpersonal ist anwesend, um die Betreuung für alle Schülerinnen und Schüler sicherzustellen", teilte das Ministerium am Freitagnachmittag mit. Sie könnten aber auch zu Hause bleiben.
Mit der Entscheidung sollen Eltern die Möglichkeit erhalten, sich bis zur Schließung von Schulen auf eine Betreuung ihrer Kinder im häuslichen Umfeld einstellen zu können: "Eine Entscheidung, ab wann Schulen und Kitas bis zum 17. April komplett geschlossen werden, wird im Laufe der kommenden Woche getroffen", hieß es. Die Maßnahme werde ergriffen, um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Man werde die Betreuung für alle Kinder absichern, deren Eltern kein alternatives Betreuungsangebot hätten.

Nach Angaben des Kultusministeriums sind die Prüfungen an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen nach derzeitigem Stand nicht in Gefahr. Die ersten Prüfungen beginnen erst nach Ostern. Klassenfahrten ins In- und Ausland müssen bis zum Schuljahresende abgesagt werden. Für Fahrten innerhalb Sachsens gilt diese Frist zunächst bis zu den Osterferien, danach soll neu entschieden werden.
Im Vogtlandkreis wurden seitens des Landratsamtes Großveranstaltungen mit 1000 und mehr Personen untersagt. Für Veranstaltungen ab 200 Personen sind Auflagen zu beachten. Bis gestern am späten Nachmittag hat es im Vogtland noch keinen "nachgewiesenen Krankheitsfall" gegeben".
Hochbetrieb herrschte in den letzten beiden Tagen an den Grenzübergängen zu Tschechien - beispielsweise in Klingenthal/Kraslice und Eichigt/Hranice. Vogtländer nutzten die vorerst letzte Gelegenheit, um billig zu tanken - und sich mit Zigaretten einzudecken.
Im Linienverkehr der Länderbahn kommt es wegen der Einstellung der grenzüberschreitenden Zugverbindungen in Tschechien zu Behinderungen. In Sachsen sind die Vogtlandbahn sowie der Trilex betroffen, wie Unternehmenssprecher Jörg Puchmüller am Freitag mitteilte. Von Zwickau und Plauen aus fährt die Bahn nur noch bis Zwotental und nicht mehr bis nach Kraslice auf tschechischer Seite. Fahrgäste von Zwickau Richtung Cheb können nur noch bis Bad Brambach fahren.
"Schotten dicht" heißt es bis auf weiteres auch im Tierheim Kandelhof. Aufgrund der angespannten Situation durch das Corona-Virus haben wir uns entschlossen, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Für Notfälle sei man telefonisch erreichbar, die Versorgung der Tiere sei vollumfänglich gesichert. " Damit das auch so bleibt, können wir es nicht riskieren, in Zwangsquarantäne zu müssen", so ist es auf der Facebookseite des Kandelhofes zu lesen.
Mit Schließung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ab Samstag bis vorerst 19. April verliert die Landeshauptstadt Dresden ihren wichtigsten Besuchermagnet. "Alles, was wir tun, tun wir, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Die Situation ist sehr dynamisch und führt dazu, dass wir unsere Entscheidungen jeden Tag neu überdenken", erklärte Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) und bat Künstler wie Publikum gleichermaßen um Verständnis. Auch die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten in Sachsen empfangen keine Gäste mehr.
Die Stadt Chemnitz schloss alle ihre öffentlichen Einrichtungen zunächst bis zum 13. April, dem Ostermontag. Betroffen sind unter anderem das Theater, die Stadthalle, Museen, der Tierpark und das Wildgatter sowie Schwimmhallen und Sporthallen. Vereine sind aufgerufen, den Trainings- und Spielbetrieb vorerst auszusetzen. dpa/red