Schützengilde in Erfolgsspur

Das Fahnenmeer befreundeter Vereine bildete den feierlichen Rahmen zum 10. Geburtstag der 1. Bürgerlichen Schützengilde zu Oelsnitz in der Katharinenkirche. Höhepunkt war die Weihe der neuen Vereinsfahne.

Von Renate Wöllner

Oelsnitz - "Stolz, Ehre, Tradition" hat sich der noch junge Verein zum Leitspruch erkoren. Kein leeres Versprechen, wie auch die Festveranstaltung Samstagnachmittag zeigte. Kirche und Gästetafeln waren einladend bunt geschmückt. Geselligkeit wird hoch gehalten, so der Eindruck. Feierlich gestaltete sich der Einzug von Schützen- und anderen Vereinen aus dem gesamten Vogtland mit ihren Fahnen. Eingefunden hatten sich nicht nur "Schützenschwestern und -brüder", sondern zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen OB Mario Horn. Er würdigte die Schützengilde als Oelsnitzer Vorzeigeverein.
Die neu geschaffene Fahne trugen Aaron Fläschendräger und Danny Nagrodzki nach vorn. Pfarrer Heinz-Claus Bahmann von der Katholischen Herz-Jesu-Gemeinde lud zu Besinnung und Gebet. Besprengt mit Weihwasser und eingehüllt in Weihrauch-Schwaden erhielt die Fahne den kirchlichen Segen. "In Demuth diene einer dem anderen mehr als sich selbst", wünschte Bahmann der Gemeinschaft, die sich hinter der Fahne "in Frieden und Hilfsbereitschaft" versammelt. Die christliche Fahnenweihe ist Bestandteil des jahrhundertealten Schützenwesens. Fahnen waren neben Wappen und Schildern wichtigstes Erkennungszeichen der jeweiligen Kameradschaft, ihre Verteidigung höchste Pflicht. Darauf wies Landesbrauchtumsleiter Martin Kühn hin und wünschte sich den Abbau von Vorbehalten gegenüber dem Schützenwesen in der Gesellschaft. Zwei Jahre lang hatte die Schützengilde ihre Fahne konzipiert. Eine Seite leuchtet Bordeaux-Rot, die andere in Schützengrün. Widergespiegelt werden Vereinslogo und -werte. "Herzblut und viele Gespräche" hängen an dem Werk mit seiner edlen Stickerei, berichtete Sylvia Friedrich, die Geschäftsführerin der Firma "Fahnen-Faßmann" aus Plauen
Vorstandsvorsitzender Björn Fläschendräger hatte zuvor auf eine Zeitreise entführt. Ende 2008 hatten er und sein Bruder Aaron - beide mit Anfängen in anderen Schützenvereinen - die Idee geboren. Am 15. Februar 2009 wurde sie umgesetzt, 14 Frauen und Männer, hoben die Gilde im ebenfalls jungen "Hemingway's" aus der Taufe, "einen Schützenverein modernen und liberalen Charakters", der sich Idealen verschrieb: Gemeinschaft und Sport, Traditionspflege sowie respektvoller Umgang nach innen und außen. Wertvolle Unterstützung habe der neugegründete Verein durch Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius erfahren. Acht der Gründungsmitglieder sind - neben den beiden Brüdern - bis heute aktiv: Alexander Gritzke, René Gräf, Patricia Fläschendräger, Dirk Löffler, Jürgen Fläschendräger und Oliver Kießling. Einen eigenen Schießstand besitzt die 1. Bürgerliche Schützengilde nicht. Genutzt werden moderne Schießstände im vogtländischen Umland mit den klassischen olympischen Disziplinen wie Gewehr und Pistole bis hin zum modernen Licht- und Lasergewehr. Sportlich zählten die Gilde-Sperken schon nach kurzer Zeit zu Sachsens Spitze im Kurzwaffenschützen, spezialisiert auf Revolver und Pistole. 712 Medaillen, davon 154 Landesmeisterschaftsmedaillen zählen zur Bilanz des 10-fachen Landesrekordhalters Sachsens, 2017 folgten die ersten Medaillen auf Bundesebene und der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Jugendförderung, Nachwuchsgewinnung, ständige Qualifizierung im sportlichen wie fachlichen Bereich, ausgeprägte Öffentlichkeitsarbeit und Sponsorengewinnung zählte Fläschendräger zu den Säulen des Erfolgs. Vier Trainer und sechs Kampfrichter gehören zum Verein, der heute mit 60 Mitgliedern der größte unter den sechs Oelsnitzer Schützenvereinen und der viertgrößte im Vogtland ist. 
Der Festakt klang aus mit der von allen gesungenen Nationalhymne und drei donnernden Schüssen aus der Böllerkanone.