Schüler kämpfen für Erhalt ihrer Klassen

"Vier Jahre haben wir miteinander gelernt und es haben sich auch viele Freundschaften gebildet. Deshalb wollen wir auch, dass alle in der Klasse bleiben", sagt Melanie Müller aus der Klasse 8a, in der derzeit nach dem Weggang von vier Schülern noch 24 Mädchen und Jungen lernen. Auch Alexander Werz und Jonathan Mehlis aus der 8c wollen ihr gewohntes Lernumfeld behalten und sehen in vollen Klassenräumen nicht nur schlechtere Bedingungen, sondern auch eine verringerte individuelle Betreuung durch die Lehrkräfte.

Gemeinsam mit weiteren Mitschülern und Eltern hatten sie sich am Dienstagabend in der Schule getroffen, um mobil zu machen. "Warum wird die Zusammenlegung der Klassen gerade jetzt vor Schuljahresende mitgeteilt", war die Frage des Abends und endete mit dem Vorwurf, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. "Doch wir werden uns das nicht einfach gefallen lassen", rief Elke Werz den Schülern und Eltern zu.

Elternsprecherin Ingrid Müller hat am Mittwoch einen Elternbrief verfasst, zur gleichen Zeit gelangte ein Schülerbrief im Gymnasium in Umlauf. In beiden Schreiben wird am Freitag zu einer Kundgebung um 9.35 Uhr auf dem Schulhof aufgerufen. Dazu werden auch Plakate und Transparente entstehen.

"Wir wollen auf die Situation aufmerksam machen, weil sie ein generelles Problem deutlich macht. Weil Geld für die Bildung fehlt und Lehrermangel herrscht, werden die Klassenzimmer mit 28 Schülern vollgestopft, auch wenn sich dadurch die Lernatmosphäre verschlechtert. Sechs Lehrer sollen vom Lessing-Gymnasium in eine andere Schule wechseln. Dabei sind die Kinder unser höchstes Gut, um auch die Zukunft meistern zu können", betont Elke Werz. Aufmerksam wollen die Schüler und Eltern auch bei der Stadtratssitzung am Dienstag machen und hoffen, dass ihre Sorge von den Fraktionen erhört wird.

"Es kann nicht sein, dass wir uns alles gefallen lassen. Mit unserem Protest gewinnen wir auch Demokratie zurück - und zeigen unseren Kindern, dass wir uns wehren können", ermuntert Elke Werz die Eltern, den Kampf um den Erhalt der jetzigen vier Gymnasialklassen in den künftigen Klassenstufen neun und zehn zu unterstützen. Am Donnerstag, 19. Juli, wollen sich 19 Uhr Schüler und Eltern nochmals treffen.

Nach Aussage von Arndt Schubert, Sprecher der Bildungsagentur Zwickau gebe es keinen Bestandsschutz für Klassen. "Seit 1991 gibt es das Schulgesetz des Freistaates Sachsen, das die Klassenstärken regelt. Darin ist verbindlich festgeschrieben, dass 28 Schüler in einer Klasse möglich sind. In der Klassenstufe 5 werden die Klassen nach der vorhandenen Gesamtschülerzahl gebildet.

Das heißt aber nicht, dass bei Weggang von Schülern (Wechsel an Mittelschule, Wegzug o.ä.) die Klassen weiterhin so bestehen bleiben. Die Mindestschülerzahl von 20 Schülern ist das Kriterium. Beispiel: Ein Gymnasium hat 64 Anmeldungen, so muss es drei fünfte Klassen geben. Im Laufe des 6. und 7. Schuljahres wechseln Schüler an die Mittelschule, es verbleiben 55 Schüler in der Klassenstufe.

Es sind drei Klassen nicht gerechtfertigt, da die Obergrenze 28 ist. Bei 3 Klassen wäre mindestens eine Klasse unter 20 Kindern, damit ist die Mindestschülerzahl unterschritten. Die Zusammenlegung von Klassen ist eine konsequente Umsetzung gesetzlicher Vorgaben, und zwar sachsenweit!", betont Schubert. Eine Nachfrage beim Diesterweg-Gymnasium ergab, dass dort keine Klassen zusammengelegt werden, weil sie alle fast vollzählig sind.