Schüler in Neumark machen Druck auf Dresden

Die Proteste gegen den Lehrermangel in Sachsen haben auch im Vogtland eine erste große Protestwelle entfacht. In Neumark gingen am Mittwoch rund 500 Schüler, Eltern und Lehrer der Mittelschule auf die Straße.

Dass die Schüler ihren Forderungen mit einer Demonstration Nachdruck verleihen, fand Doris Kühn von der Sächsischen Bildungsagentur Zwickau "völlig in Ordnung". Sie ist hier für das Referat "Mittelschulen" verantwortlich und versicherte den Neumarkern, auch im kommenden Schuljahr wieder alles dafür zu tun, dass der Unterricht zu hundert Prozent abgesichert werden kann. "Ich bin wild entschlossen, die Rahmenbedingungen voll auszuschöpfen", rief sie den Kindern und Jugendlichen zu.

Sie werde es schwer haben, ihre Versprechen einzuhalten, hielt ihr Eva-Maria Stange von der SPD-Landtagsfraktion entgegen. Schließlich sehen die Pläne der Landesregierung nach ihrer Darstellung auch für das kommende Schuljahr keine Lehrereinstellungen für den Mittelschulbereich im Schulamtsbezirk Zwickau vor. Die Sozialdemokratin, die als Ministerin für Wissenschaft und Kunst selbst mehrere Jahre der Sächsischen Landesregierung angehörte, forderte die Schüler auf, weiterhin Druck zu machen. Ende des Jahres werde im Landtag über die Anzahl der Lehrer für die Jahre 2013/14 entschieden.

Norbert Bläsner von der FDP bezeichnete die derzeitige Bildungspolitik und den massiven Lehrermangel als "eine der größten Baustellen der sächsischen Politik". Seine Partei, die der Koalition in Dresden angehört, wolle sich dafür einsetzen, dass in Sachen Bildungspolitik in Sachsen in Zukunft nicht der vorgegebene Finanzrahmen bestimmend sei sondern die Notwendigkeiten. Deswegen forderte Bläsner "eine neue Ehrlichkeit".

Der letzte der Politik-Vertreter, der ans Rednerpult trat, war Michael Moschke von den Grünen. Er malte ein besonders düsteres Bild der Situation. Denn selbst wenn der Freistaat die Zahl der Lehrer anheben wolle, wäre das Problem nicht gelöst.

"Denn wo sollen die denn herkommen?", fragte er. Sachsen sei für Lehrer wegen niedriger Gehälter und keiner Aussicht auf Verbeamtung einfach zu unattraktiv. Und trotzdem sitzen mehr als 2000 Studienabgänger quasi in den Startlöchern und warten auf eine Referendariatsstelle. "Macht weiter so", forderte der Grünen-Politiker die Jugendlichen zum weiteren Protest auf, "denn so eine Demo hält das Thema in der Öffentlichkeit".

Von der CDU war kein Politiker nach Neumark gekommen, weder Landtagsabgeordneter Alfons Kienzle noch ein Vertreter aus Dresden. Thomas Kolditz, der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, hatte lediglich einen Brief an die Demonstranten geschickt, den Rebekka Flämig aus der 8. Klasse vorlas.

Darin bezeichnet er die Personalsituation an den Schulen als "angespannt" und spricht sich für einen "schrittweisen und zeitnahen Übergang" in eine neue Lehrergeneration aus. Dafür werde er sich im Landtag persönlich starkmachen, versprach er am Ende seines Briefes.

Nach einer guten Stunde löste sich die Versammlung vor dem Neumarker Rathaus langsam wieder auf. Die Schüler gingen zurück zur Mittelschule. Klassensprecher und Elternvertreter hatten noch die Möglichkeit, mit den Politikern ins Gespräch zu kommen.

Dabei beklagte Flämig, dass das Problem Lehrermangel in Dresden doch schon länger bekannt sein müsste und dass bisher niemand darauf regiert habe. "Zu den Prüfungen fragt niemand mehr danach, wie viel Unterricht ausgefallen ist", sagte sie.