Schubert: Wir sind da, weil wir schon mal nicht da waren

Plauen - Gedankengranulat, reflektierendes Gehirnlametta und geistigen Überschuss aus dem zerebralen Endlager (auch Gehirn genannt), das er als Ideen und Visionen gerecht unter den Bedürftigen verteilen möchte, brachte Olaf Schubert auch mit ins Plauener Malzhaus.

 

"Wir sind heute da, weil wir schon mal nicht da waren", begründete er den Ersatztermin, da das eigentliche Krippenspiel im Dezember aufgrund der Wetterbedingungen und einem Stau auf der Autobahn ausfiel. "Wir sind pünktlich um 12 Uhr in Dresden aufgestanden und hatten dort eine Schneeflocke, dann haben wir jemand angerufen der hat noch eine gesehen. Trotzdem sind wir losgefahren und auf der Autobahn war vor uns ein Auto. Das stand vermutlich im Stau. Pünktlich waren wir hier, aber der Champagner war warm, die Garderobe zu kalt und die Löffel hat auch keiner angewärmt, da sind wir wieder nach Hause gefahren", ist seine Art von Erklärung für die entfallene Veranstaltung.

Im Theater hätte das Krippenspiel "ganz normal" stattgefunden, auf der Galeriebühne im Malzhaus jedoch war dies nicht möglich, da das Equipment und die Technik für die Aufführung selbst Pink Floyd in den Schatten stellt und es die vielen Sattelauflieger gar nicht bis in die Plauener Innenstadt geschafft hätten, begründet er die Entscheidung zu einer szenischen Lesung, die eine kulturelle Weltpremiere ist und der Stadt sicher den Unesco-Weltkulturerbe-Stempel einbringt, solange keine neue Brücke gebaut wird.

 

Waren einige Zuschauer vielleicht etwas irritiert, als sie den langen Tisch sahen und feststellten, dass alle Akteure den ganzen Abend sitzen blieben und ihre Texte einfach ablasen, so wurde die Angst bereits nach wenigen Minuten erstickt und für Dauerlachen gab es kein Halten mehr. "Jesus vom Ölberg - technische Fließfette", so der Titel in diesem Jahr, erzählt, wie Oma Maria als Besitzerin einer Bohrinsel eher auf Oliven als Einnahmequelle setzt und mit Josef, seines Zeichens Kampftaucher, im stetigen Autoritätskampf um die Erziehung des Enkels Jesus ist, der wusste, dass es ihm im Blut liegt Heiland zu sein - wegen dem Jesusfaktor positiv.

Das Geschäft soll auf jeden Fall gerettet werden, bevor auf das Sozialamt von Nazareth gegangen werden muss, dem Arbeitsamt, den Katakomben verlorener Träume, um Judas vier zu beantragen. "Du siehst Öl, Lampe, Schalter, Licht - so einfach ist das nicht", sprach?s und haute sogar die drei heiligen Vertreter übers Ohr. Jesus alias Olaf Schubert tat gute Taten tun, salbte sich mit Salbei, zerbrach ein Dreieck um zwei eineinhalb Ecken zu verschenken, suchte für das kalte Buffet der Kannibalen einen Eskimo, schickte die frierende Blondine um die Ecke weil dort 90 Grad sind und verschaffte den Zuschauern Bauchschmerzen vor Lachen. Eine wirkliche Pause im Programm gab es nicht, denn während die Akteure kurz verschnauften, liefen "Doppelhochzeit", "Bauer sucht Gitarre" und verschiedene Werbespots über die Leinwand, bei der sich der eine oder andere ertappte, über wie viel Blödsinn man eigentlich lachen kann. Keine Gruppe von Menschen wurde ausgelassen, keiner blieb von Spott verschont. Sogar Kochen konnte gelernt werden, denn mit der goldenen Regel "Punktkochen geht vor Strichkochen" kann nichts mehr schief gehen. Und wenn es so riecht wie es schmeckt, wird es auch so kochen wie es aussieht. Da kam die Mohrrübe als Maskottchen des Pigmentgesegneten gerade recht als geschmackliche und farbliche Ergänzung.

Und während er sich um Kopf und Kragen redete und alles tat um endlich seinem Ziel, dem Kreuz, näher zu kommen, verhafteten ihn die Römer und sagten: ,,Der Bogen ist überspannt - Jetzt ist Ostern". Typisch Schubert, Schläge über die Gürtellinie, Tritte darunter und trotzdem mit ungebrochener Garantie zum auf die Schenkel klopfen. S. Rössel