Schriftzug leuchtet noch 50 Jahre

Im Schalander, wo einst die Brauer ihr Deputat tranken, weil sie es nicht mit nach Hause nehmen durften, begrüßte Sternquell-Produktmanager Thomas Münzer am Montag die Mitglieder des Wirtschaftsförderungsausschusses. Vor allem aber ging es um die Zukunft des Brauereigeländes.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes ist quasi als Geschenk zum 75. Geburtstag des Initiators des Projektes gedacht: Werner Poller, der mit seiner Idee, die er mit Hilfe seiner Stiftung realisieren möchte, vor wenigen Monaten für außergewöhnliche Aufmerksamkeit sorgte. Auf dem Gelände der Sternquell-Brauerei an der Dobenaustraße soll ein Museum für historische Nutzfahrzeuge entstehen. Und etliches mehr.
Einen Vorgeschmack, wie viele Interessenten das Areal anzuziehen vermag, vermittelte am Wochenende das Treffen eben jener Nutzfahrzeuge, die sich das Gelände als Endziel ihrer hügeligen Vogtland-Tour erkoren hatten.
Nun gab der im Auftrag der Werner-Poller-Stiftung agierende Kay Werner einen Überblick, der im Wortsinne Appetit auf das hier geplante Gesamtprojekt gab. Bereits vor der Geländeübergabe im Sommer 2020 habe sich Sternquell als fairer Verhandlungspartner gezeigt, zollte Werner der Brauerei Respekt. Auf der Habenseite könne man inzwischen die Sanierung großer Teile der einstigen Versandhalle verbuchen. Im Bunde mit engagierten vogtländischen Firmen habe man dort, wo künftig 25 bis 30 historische Fahrzeuge im Wechsel bestaunt werden können, den Fußboden saniert, Elektro- und andere Arbeiten vorgenommen.
Schaubrauerei
im Schalander
Anhand einer detaillierten Karte ließ Werner die Stadträte teilhaben an den folgenden Projekten. So werde das Gebäude neben der Versandhalle komplett entkernt - hier entsteht der Eingang zum "Museumsschiff", wie Werner erklärte. Wie eng sich die Zusammenarbeit mit der Sternquell auch weiterhin gestalten werde, machte Werner am Schalander fest - hier könne beispielsweise eine Schaubrauerei entstehen. Zudem soll die alte Schlosserei abgerissen werden und die Freifläche ebenfalls für gastronomische Zwecke genutzt werden können. "Brauereigeschichte erlebbar machen", dieser Begriff fiel mehrmals, auch um zu dokumentieren, dass hier nicht nur ein simples "Automuseum" entstehen soll.
Für den Besucherparkplatz könne man sich perspektivisch einen kleinen Oldtimerstammtisch vorstellen, über den auch Gäste mit ihren eigenen Oldies rollen können.
Geschichte zum Anfassen soll die Lkw-Werkstatt vermitteln - zum einen als Werkstatt für die Oldies vor Ort, zum anderen als Lehr- und Showwerkstatt, um die alte Technik erlebbar zu machen. Selbst für das alte Kesselhaus bestehe Verwendung als Museumsdepot, avisierte Werner. Doch die Werner-Poller-Stiftung schaut deutlich über den eigenen Tellerrand hinaus. Denn Platz bietet das Areal auch für ein Haus der Vereine - erste Anfragen von Kunsthandwerkern lägen bereits vor, so Werner. Wenn der Umzug der Brauer in drei bis vier Jahren aus dem Verwaltungsgebäude erfolgt sei, soll auch dies saniert werden. Hier könnten sich beispielsweise freie Berufe wie Architekten, Anwälte, Steuerberater ansiedeln. Eine Wohnnutzung werde es nicht geben, bekräftigte Werner, indirekt Bezug nehmend auf einstige Pläne, auf dem Areal ein hochwertiges Wohnensemble zu errichten.
Oberhalb des Festhofes befindet sich ein weiterer Flachbau, der als Bühnenanlage bei Veranstaltungen genutzt werden könnte, avisierte Werner, bevor er auf das Herzstück der Anlage zu sprechen kam. Das Sud- und Malzhaus, erbaut in den 70er Jahren, soll komplett erhalten werden. Im Erdgeschoss will man mit dem Vomag-Museum Plauener Industriegeschichte erlebbar machen, im ersten Obergeschoss werden historische Pkw und Motorräder präsentiert.
Abgesehen von der Realisierung des ersten Bauabschnittes zum Geburtstag des Stiftungsgründers und Firmenpatriarchen Werner Poller, wollte sich Werner mit der endgültigen Fertigstellung noch nicht festlegen. Er erinnerte aber daran, dass die Museumslandschaft der Kulmbacher Brauerei zwei Jahrzehnte in Anspruch nahm. Und natürlich sind die Ambitionen für Plauen vom Geld abhängig. Obwohl man von der Verwaltung unterstützt werde "wie es nur geht", plane man zunächst ausschließlich mit Eigenmitteln, sagte Werner und verwies darauf, dass es sich um eine echte gemeinnützige Stiftung aus ausschließlichem Privatvermögen handele.
Schwimmhalle als
Pavillon nutzen?
Und so waren seitens der Stadträte denn auch ausschließlich Anerkennung und Respekt zu hören. Auf die Anfrage von AfD.-Stadtrat Frank Schaufel, ob die Schwimmhalle in der Hainstraße als Pavillon in die Planungen einbezogen werden könne, informierte Baubürgermeisterin Kerstin Wolf, dass derzeit keine Fördermittel für einen Abbruch zur Verfügung stünden. Sie schlug vor, das Thema zu vertagen und eine weitere Ausschreibung zu initiieren. Dass eine Förderquote für die Pläne der Werner-Poller-Stiftung von bis zu 90 Prozent möglich seien, darauf machte FDP-Stadtrat Andre Bindl aufmerksam.
Auf Anfrage bestätigte Werner, dass der Ausschank von Sternquell für die nächsten 50 Jahre ebenso vertraglich vereinbart worden sei, wie der Erhalt des markanten Schriftzuges auf dem Brauereigelände.