Schönbrunner wollen keine Mauer

Einen 15 Meter hohen Staub- und Sichtschutzwall, der eher die Sicht nimmt und auch nicht vor Staub schützt, lehnten die Schönbrunner am Donnerstag im Bürgerhaus dankend ab.

Schönbrunn - Mit Kommentaren wie: "Wir sind doch keine Schildbürger" oder "Eine Berliner Mauer bekommen wir vor die Nase gesetzt", machte diese Woche ein Dutzend Bürger seinem Ärger Luft. Eingeladen hatte Bösenbrunns Bürgermeister Jürgen Reichelt im Namen von Matthias Wendel, Niederlassungsleiter der Hartensteinwerke.

Kurzfristig hatte der Bürgermeister von Plänen der Hartsteinwerke erfahren, wonach für den Steinbruch Hohe Hut ein 15 Meter hoher Staub- und Sichtschutzwall errichtet werden solle. Obwohl noch nichts entschieden sei, wolle er die Bürger frühzeitig informieren, ließ Reichelt wissen. Den 15 Uhr Termin am Donnerstag konnten allerdings nur wenige Einwohner wahrnehmen. Trotzdem fanden sich nicht nur Rentner ein. Gut vorbereitet und fragemutig stellte sich von der jüngeren Generation die Schönbrunnerin Michaela König den Plänen entgegen, indem sie immer wieder nachhakte.

Die Planungen selbst hatte Niederlassungsleiter Matthias Wendel zuvor knapp umrissen. Auch ließ er Planzeichnungen herumreichen, an denen sich die Bürger orientieren konnten. Man kenne sich ja bereits aus einer ähnlichen Runde vor gut zwei Jahren stellte Wendel fest. Auch damals sei es darum gegangen, Lärm und Staub zu reduzieren. Mit neuer Kehrmaschine und anderen Maßnahmen sei man auf Forderungen von damals eingegangen. Etwa in zehn Jahren nähere sich der Steinbruch Hohe Hut dem Ende. Nun sei es an der Zeit, Erleichterungen zu schaffen in Form eines Staub- und Sichtschutzwalls. Der sei etwa 15 Meter hoch und umschließe den Steinbruch Schritt für Schritt innerhalb der nächsten fünf Jahre vollständig. Der Wall müsse noch genehmigt werden. Nun sei Zeit, Fragen zu stellen.

Es brauchte nicht lange, da stellten die Schönbrunner fest, dass der Wall an besagter Stelle weder vor Lärm noch vor Staub schützen werde, selbst wenn er nach und nach begrünt wird. Eine Mauer bekomme man vor die Nase gesetzt. Das dafür benötigte Material unterschiedlicher Art und von verschiedenen Baustellen werde hingegen mit Lkw herangekarrt. Und Lkw-Verkehr habe man jetzt schon genug im Ort. Das konnte Matthias Wendel nicht entkräften. Rund 250 000 Tonnen Material würden verbaut insgesamt, im Jahr rund 50 000 Tonnen.

Aber er wolle hier nicht über Lkw-Verkehr diskutieren, sondern über den Staubschutzwall. Ein Schildbürger sei, wer beides voneinander trenne, fand Michaela König. "Hat das alles nicht eher Deponiecharakter", fragten andere Bürger kritisch und unterstellten Wendel, man wolle doch nur das große Geld machen mit den Ablagerungen. Auch fürchte man, dass dann Stoffe abgelagert werden, die für Umwelt und Mensch schädlich sind. Das Material werde kontrolliert, so Wendel. Von wem, fragten die Bürger. "Von uns, wie auch bereits am Steinbruch Lauterbach praktiziert."

"Ich sehe das emotionslos" gab sich Matthias Wendel gelassen. Er lege Wert auf gute Nachbarschaft. Er prüfe den Antrag und sage in zehn Tagen Bescheid. Die Hartsteinwerke seien in der glücklichen Lage, auch ohne den Wall Gewinne zu machen und die satte Gewerbesteuer für Bösenbrunn von über einer Million zu zahlen. Zukippen könne man auch das große Loch im Lauterbacher Steinbruch. "Kann es passieren, dass Sie trotzdem alles noch durchziehen", fragten die Bürger besorgt. va