Schnitzeljagd mit Chanson

Sieben französische Chanson-Musiker begeben sich auf historische Schnitzeljagd. Der Autor Laurent Guillet geleitet sie auf die von Leid geprägten Lebensstationen seines Großonkels Joseph Santerre. Der geriet während des Zweiten Weltkrieges in Gefangenschaft und ins Arbeitslager und wurde wahrscheinlich 1945 in Tschechien ermordet.

Von Cornelia Henze

Plauen - Das Tagesprogramm von Musiklehrerin Nelly Burban und deren Kollegen und Schülern ist eng gedrängt. Plauens Stadtführer Friedemann Wendler steht schon parat, als die kleine Delegation der Franzosen noch auf der A 72 im Stau stehen. Eben kommen sie aus Lengenfeld. Am dortigen Rathaus hängt genauso eine von Laurent Guillet initiierte Erinnerungstafel, wie in Plauen und an weiteren Orten: Das ist im französischen Sarrebourg, Santerres Geburtsort Trévelo (Limerzel), den deutschen Städten Bad Liebenwerda, Mühlberg an der Elbe, Hartmannsdorf und in Tschechien Litvínov und Most. Nachdem Laurent Guillet Jahre lang das tragisch endende Leben seines Großonkels recherchierte und seine Erkenntnisse in dem Buch "Er hieß Joseph" veröffentlichte, enthüllte er in Frankreich, Tschechien und Deutschland die Tafeln.
Jede Tafel ist eingebettet in eine der historischen Schnitzeljagden, auf die sich seit dem Jahr 2012 etwa 350 Menschen begeben haben. Selbige Route beschreiten nun die französischen Musiker. Von der Jugendherberge, in der die Delegation für einen Tag Station machen, geht es zum alten und neuen Rathaus, von dort zum Wendedenkmal und über den Postplatz, den Hradschin hoch zur dort neu entstehenden Berufsakademie - und schließlich über den Komturhof in die Matsch, in der die Franzosen Vogtländisches zu kosten bekamen.
Unterwegs erfahren die Gäste von Stadtführer Friedemann Wendler, wie es war, als die Plauener 1989 auf die Straße gingen. Sie hören, dass der kleine Zeiger der Rathausuhr beachtliche 1,35 Meter misst und warum die Plauener jetzt ihr Rathaus umbauen. Oben am ehemaligen Museum übernimmt der umtriebige Autor das Wort und erzählt die erschütternde Geschichte seines Verwandten Joseph. Vor seiner Ermordung in Nordböhmen saß er in einem Arbeitserziehungslager der Gestapo in Plauen. Schon vier Jahre zuvor kam Santerre in deutsche Gefangenschaft,ermusste im Bergbau malochen und Zwangsarbeit leisten. Da die originalen Orte in Plauen, das Straflager Sachsenhof an der Morgenbergstraße 43 und die Arnold-Ritter-Maschnenfabrik am Rinnelberg 14 a nicht mehr existieren, war die Gedenktafel an Joseph Santerre und andere Häftlinge bisher immer an der alten Gefängnismauer am Hradschin angebracht. Wegen des Abrisses der Mauer innerhalb des Umbaus der Schlossterrassen zur BA befindet sich diese sowie zwei weitere Gedenktafeln in einem Keller der Berufsakademie. Dort hinab steigt die Delegation am Freitagvormittag.
Am Abend konnten Plauener den Gästen aus Frankreich noch einmal in er Malzhaus-Galerie begegnen. Dort haben sie die Vogtländer auf eine musikalische Reise durch die Welt des Chansons mitgenommen. In jedem der acht Orte spielen die sieben Musiker auf.
Laurent Guillet selbst verbindet eine lange Freundschaft mit Nelly Burban. Beide stammen aus demselben Ort. Als 2013 eine Tafel an Santerres Geburtsort angebracht wurde, sang Burban die Nationalhymnen der drei Länder in deren Sprachen. Die Idee, auf der Schnitzeljagd zu konzertieren, kam 2018.