Schneeschmelze sorgt für Zwangspause

Oelsnitz - In der Vorsperre der Talsperre Pirk staut sich das Wasser. Das soll es jetzt gerade nicht. Denn die Bagger brauchen trockenen Grund für die Sedimentberäumung. Mit Sorge schauen die Talsperrenfreunde auf die kommende Saison.

"Die Beräumung kann im April 2009 abgeschlossen werden - bei einer Monatsleistung von etwa 50 000 Kubikmeter", hatte Eberhard Jüngel, Betriebsleiter des Bereichs Zwickauer Mulde/Obere Weiße Elster der Landestalsperrenverwaltung, vergangenen Herbst im Oelsnitzer Stadtrat erklärt.

Gearbeitet hat die Firma Scharnagl auch den Winter über, wenn auch nicht mehr 2,5 Tausend Kubikmeter pro Tag an Geröll- und Schlamm bewegt wurden, sondern nur noch etwa 1000 Kubikmeter. Doch die Arbeiten mussten zwischen Ende Februar und Mitte März unterbrochen werden. Durch die Schneeschmelze gab es einen "Zwangseinstau", erklärte Jüngel auf Anfrage des Vogtland-Anzeigers. Zeitgleich ruhen mussten auch die Arbeiten an der Hauptstaumauer. Rund vier Wochen gingen verloren.

Zur Zeit sind rund 350 000 Kubikmeter Erdmassen beräumt. "Wir brauchen noch eineinhalb Monate, um Sedimente zu fahren, die Grundschwelle muss gelegt und die Vogelschutzinsel aufgehaldet werden", sagt der Betriebsleiter.

Oberhalb der Talsperre lagern Schneemassen, die einem Wasservolumen von 15 Millionen Kubikmeter entsprechen. Auch wenn davon nicht alles in das Staugewässer fließt, sondern versickert und verdunstet - der Zufluss wird weiter ansteigen. "Die Beräumung und die Arbeiten an der Hauptstaumauer werden sich weiter verzögern", weiß Jüngel. Können die Baumaßnahmen in dieser und der kommenden Woche ohne Behinderung weitergeführt werden, wären ihr Abschluss Ende Mai und der Wiedereinstau im Juni machbar. "Doch das ist Kaffeesatzleserei", fügt Jüngel an. Bei einem weiteren Zwangseinstau, sollte es stark regnen oder schneien, sei eine verbindliche Aussage nicht möglich.

Beim 1. Spatenstich an der Vorsperre hatte Ulrich Kraus, der Geschäftsführer der Landestalsperrenverwaltung, erklärt, der Abtransport der Stoffe auf eine Deponie scheiterte am hohen Gehalt an Schwermetallen und aromatischen Kohlenwasserstoffen. Demgegenüber stand die Aussage von Eberhard Jüngel im Stadtrat, die Sedimente seien nicht belastet. "Das war ein Missverständnis", sagte Jüngel jetzt. "Zum Ausdruck bringen wollte ich, dass die Schadstoffbelastung nicht so hoch ist, um die Sedimente als Sondermüll zu behandeln." So bestand auch die Option, die Massen zur Verfüllung des Steinbruchs der Hartsteinwerke in Lauterbach zu nutzen. Durch die Lösung, das Material innerhalb der Talsperre umzulagern, habe man zehn Millionen Euro gespart.

Sollte der Einstau im Juni tatsächlich beginnen, wäre eine Bade-, Sport- und Urlaubssaison auch bei halbwegs gefüllter Sperre im Sommer denkbar. Dafür muss es dann aber ausreichend regnen, um einen ausreichenden Zufluss zu garantieren. Im Sommer fließen der Talsperre rund ein Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu - doch 700 Liter Wasser müssen aus ökologischen Gründen für den Unterlauf der Elster an der Staumauer abgegeben werden.

Zum 70. Mal jährt sich dieses Jahr die Einweihung des Pirker Stausees. Daran will auch die Landestalsperrenverwaltung erinnern, gibt Jüngel Auskunft. Voraussichtlich im Zusammenhang mit dem Wiedereinstau sei ein festlicher Tag geplant. Mit einer Ausstellung soll über die Talsperre informiert werden.  R. Wöllner