Schnee-Chaos im Vogtland

Der massive Schneefall hat das Vogtland fest im Griff. Autofahrer sitzen 15 Stunden auf der A 72 fest. Der Bahnverkehr ist unterbrochen, Straßen gesperrt, Bäume knicken um ...

Von Marjon Thümmel

Plauen  -  Der Wintereinbruch mit heftigen Schneefällen hat den Verkehr an vielen Stellen lahm gelegt. Auf der A 72 ging 15 Stunden nichts mehr. Erst gestern Mittag löste sich der Stau, der von der Landesgrenze bis Reichenbach reichte, langsam auf. Seit früh vier Uhr versorgten die Johanniter hunderte Fahrer mit heißen Getränken, Tee und Bockwürsten. Für Familien wurden Decken ausgeteilt. "Ich bin schon 20 Jahre in der Branche, so eine Situation habe ich noch nicht erlebt", sagte Marcel Teichmann, der als Diensthabender des Rettungszweckverbandes Südwestsachsen den Einsatz leitete. "Zum Glück musste nur ein Mann mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus." Bevor die Helfer zu den Fahrzeugen vordringen konnten, musste auf der zweispurigen Autobahn erst einmal eine Gasse gebildet werden. "Nicht dass die Fahrer nicht wollten, aber Lkw kamen ins Rutschen, stellten sich quer oder hingen schon fast im Seitengraben. Platz blieb höchsten für einen kleinen Golf. So kam natürlich auch der Winterdienst nicht voran. Und dabei war es ganz schön glatt. Von der Gegenseite hatten die Rettungskräfte aus Bayern das gleiche Problem", sagte Teichmann und auch, dass besonders den Insassen der Pkw geholfen werden musste: "Es waren auch viele kleine Kinder in den Autos, die stundenlang im Stau standen." Der Rettungszweckverband war mit zahlreichen Mitarbeitern im Einsatz, die auch mit Unterstützung des THW Fahrzeuge, in denen Kinder saßen, gezielt aus dem Stau lotsten. Die letzten Rettungskräfte gingen nach elfstündigem Einsatz nach Hause.


 Rund elf Stunden drehte sich auch auf der A 9 zwischen dem Hermsdorfer Kreuz und Dittersdorf kein Rad. Auf rund 50 Kilometern standen rund 50 Laster quer.
Nichts geht mehr, hieß es gestern auch auf zahlreichen Bahnstrecken. Wegen Bäumen, die unter der Schneelast zusammenbrachen und auf die Gleise fielen, sowie auf Grund von Schneeverwehungen wurde der Zugverkehr auf vielen Strecken eingestellt. Betroffen waren im Vogtland die Strecke Falkenstein-Zwickau, Weischlitz-Elsterberg und Gera-Hof im Bereich Weida-Mehltheuer. Komplett gesperrt waren laut Länderbahn GmbH die Strecken von Falkenstein nach Kraslice und von Adorf nach Bad Brambach. Hier war auch kein Busersatzverkehr möglich.


Die Polizeidirektion Zwickau zählte 46 Unfälle, davon 23 im Vogtlandkreis. Schwerpunkt war Plauen. Bei einem Busunfall in Mülsen wurden auf schneebedeckter Straße zwei Menschen schwer sowie einer leicht verletzt. Der Bus war in einer Kurve auf die Gegenfahrbahn geraten und dort mit einem Lkw zusammengestoßen. Acht Verbindungsstraßen sind derzeit, vor allem im oberen Vogtland, aber auch um Auerbach und zwischen Theuma und Juchöh wegen Schneeverwehungen und umgestürzte Bäume gesperrt. Das Landratsamt warnt auf Grund der Wetterlage vor dem Betreten von Wäldern. In einem Dutzend Schulen im Vogtland fällt auch heute der Unterricht aus, vor allem im Raum Auerbach. Gestern blieben auch in Plauen eine Schule und das BSZ "Anne Frank" geschlossen.