Schmidts Vorsager gibt Ton an

Plauen - Der Wahlkampf hat begonnen. Und das ist gut so, denn am Samstag gibt es "Wahlkampf" im Hotel Dormero in Plauen. Wahlkampf mit Dr. Udo Brömme, alias Ralf Kabelka. Beginn ist 20 Uhr.  "Dr. Brömme" ist eine Erfindung aus der Gagschreiberredaktion von Harald Schmidt. Er ist CDU-Bundestagsabgeordneter, Jurist und Betriebswirt, ehemaliger Chef der Kölner Jungen Union - fiktiv natürlich. Für jenen Herr Schmidt ist er als Gagschreiber tätig - im wahren Leben. Er ist Redaktionsleiter der Sendung. Sozusagen der Mann hinter Schmidt. Auch für Rüdiger Hoffmann und Günther Jauch hat Kabelka schon gearbeitet. Bekannt wurde er aber als "Dr. Brömme".

Politclown Kabelka muss selbst ein Mann der Angstlust sein. Er mischt sich während der Fußball-EM 2000 als Dr. Brömme mit dem Megafon unter englische Schlachtenbummler, kurz vor dem Spiel gegen Deutschland: "Was seid ihr nur für Menschen? Liebe englische Mitbürger, Gewalt ist keine Lösung." Er geht in der größten BSE-Not in eine Kneipe beim Schlachthof und spendiert eine Runde deutsches Rinderhirn. Er reist nach Berlin, um die Love Parade aufzulösen ("Bitte eine Gasse bilden. Und keine Drogen! Meine Herrschaften, hier gibt's nichts zu sehen. Gehen Sie nach Hause.")

Auch seine historische Meisterleistung bietet Brömme in der Hauptstadt. Er steht vor dem Gesetz und kommt natürlich hinein. Erst hält er im Reichstag eine Rede, dann dringt er mit einem geliehenen BMW, auf dessen Dach er eine Partyleuchte geklebt hat, ins Kanzleramt vor ("Kommen Sie nach oben, aber machen Sie die Kamera aus"), zuletzt stellt er die CDU-Chefin: "Angela, man hat mich gerufen, um nach dem Rechten zu sehen. Ich bin jetzt da, wir können reden." Angela ließ den Kerl mit dem spitzen Kinn nach einem fast verzweifelten Handschlag stehen, sah ihm aber aus dem Rückfenster ihrer Dienstlimousine lange und mit zerfurchter Stirn nach.

Wenn er nicht den Dr. Brömme gibt, sitzt Ralf Kabelka von 9 bis 18 Uhr in der Redaktion der Harald Schmidt Show in einem alten Fabrikgebäude in Köln-Mülheim. Er durchforstet die deutsche Presse nach Pointenstoff, versorgt externe Gagschreiber mit Themenvorschlägen und trägt sein Material pünktlich in die Redaktionskonferenzen. Er ist ein uneitler Ideensammler und ein Bewunderer seines Chefs.