Schmalspurlösung oder großes Rad?

So einig waren sich die Stadträte gegen den Verwaltungs-Chef lange nicht. Das letzte Wort zur Standortentscheidung für die Tourist-Info und das Zentrum zur Erinnerung der Friedlichen Revolution 1989 in Plauen sei noch nicht gefallen, beschieden sie am Dienstag. Ralf Oberdorfer nahm es gelassen.

Von Torsten Piontkowski

Plauen "Einen besseren Standort gibt es für mich nicht", eröffnete Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer am Dienstag die Diskussion zum künftigen Standort der Tourist-Info und des Informations- und Dokumentationszentrums (IDZ), und meinte damit die Melanchthonstraße. Damit hatte er sich "geoutet", wohl wissend, dass die vermutliche Mehrheit der Stadträte noch einige Bauchschmerzen mit dieser von ihm präferierten Lösung haben.
Mit der Feststellung, man müsse Besuchern Plauens eine "angemessene Empfangskultur" bieten und die Stadt mit ihren Pfunden wuchern, begab er sich zunächst auf sicheres Terrain. Denn fraktionsübergreifend besteht der Wunsch, die historischen Tage vor drei Jahrzehnten künftigen Generationen zu vermitteln - und dies auch mittels eines "angemessenen" Dokumentationszentrums. Doch genau hier scheiden sich die Geister - irgendwo zwischen den Visionen von CDU-Stadtrat Ingo Eckardt, der die Rolle Plauens bei der friedlichen Revolution als dritte Säule neben Spitze und e.o. plauen angesiedelt haben möchte und den Vorstellungen von einem eher kleinen Raum, den die Mitarbeiter der Tourist-Info "nebenbei" betreuen.
Doch zunächst oblag es GAV-Chef Peter vom Hagen, die Standort-Varianten hinsichtlich Größe und Kosten vorzustellen. Sein Fazit: Eine dauerhafte Nutzung des alten Brandschutzamtes - nach grundhafter Sanierung - sei ziemlich aufwändig. Allein die Gestaltung des Erdgeschosses auf einer Fläche von 180 Quadratmetern schlüge mit 520.000 Euro zu Buche. Das gesamte Gebäude mit einer Leerstandsfläche nach erfolgtem Ausbau von rund 250 Quadratmetern, würde nach seinen Schätzungen bis zu 1,6 Millionen Euro erfordern. Und: Hinsichtlich der Betreibung seien keine personellen Synergieeffekte zu erwarten.
Zeit für den OB, vor der Diskussion nochmals für die Melanchthonstraße zu werben, zumal sich dieses Terrain nicht nur in einem Fördergebiet befinde, sondern für das auch die Unterstützung des Stasiunterlagen-Chefs Roland Jahn bei seinem Plauen-Besuch im Vorjahr vorläge.
Schaffe man hier Dok-Zentrum und Tourist-Info auf rund 180 Quadratmetern unter einem Dach, müssten 2500 Euro pro Quadratmeter investiert werden, bei einem kommunalen Eigenanteil von maximal 30 Prozent. "Das können wir uns leisten", so Oberdorfer. Das Problem: Nicht wenige Stadträte wollen der Stadt quasi mehr gönnen.
Eine getrennte Variante - die Tourist-Info bleibt entsprechend aufgewertet an ihrem bisherigen Platz und das IDZ finde sein Domizil im Brandschutzamt, sei derzeit gar nicht mehr im Spiel, kritisierte CDU-Fraktionschef Jörg Schmidt der anfügte, dass auch diese Variante durchaus förderfähig sei. "Wir brauchen mehr Fläche, um das Gedenken wachzuhalten", sagt Schmidt, der die Intention des OB als "Schmalspurlösung" bezeichnet. Synergieeffekte seien durchaus denkbar, wenn sich Mitarbeiter des nahe gelegenen Vogtlandmuseums einbrächten. Wenig begeistert vom Vorgehen des OB zeigte sich auch die Fraktionschefin von SPD/Grüne/Initiative, Juliane Pfeil. Als sehr beliebte Immobilie spiele das demnächst leer stehende Spitzenmuseum überhaupt keine Rolle mehr in den Überlegungen. Weil man sich vom Stand der Dinge "überfahren" fühle, kündigte auch Linken-Fraktionschefin Claudia Hänsel Unterstützung für den CDU-Antrag an.
Ein Betreiberkonzept, die Klärung der Verkehrsanbindung, und die Folgekosten listete AfD-Fraktionsvorsitzender Gerald Schumann als Dinge auf, die unbedingt noch zu klären seien.
Obwohl er selbst zum Standort Melanchthonstraße tendiere, solle man sich Zeit für eine Analyse nehmen, gab sich FDP-Fraktionschef Sven Gerbeth gewohnt ausgleichend. Doch auch er plädiert für das eher "große Rad": Der Theaterplatz habe ein Stück weit Europa geprägt. "Wenn uns die Erinnerungskultur etwas wert ist, müssten wir etwas hierher stellen, worauf die Welt aufmerksam würde."
"Die Melanchthonstraße wäre die zweitbeste Lösung und dafür haben wir weder Zeit noch Geld" mahnte CDU-Stadtrat Ingo Eckardt, dem Grünen-Stadträtin Diana Zierold indirekt zustimmte. Man müsse etwas weiter denken, auch angesichts der zahlreichen noch gar nicht öffentlich gezeigten Exponate. Letztlich folgten die Stadträte dem CDU-Antrag, die Verwaltung möge die in der Diskussion angesprochenen Aspekte wie verkehrstechnische Anbindung, vor allem aber ein Betreiberkonzept gemeinsam mit dem Verein 89 bis zum II. Quartal erarbeiten. Auf dieser Grundlage soll dann eine Standortentscheidung getroffen werden.