Schloss wird angebaggert

Drei Jahre Großbaustelle "Altes Schloß" in Erlbach. Bis 2022 wird das mehrfach genutzte Haus für über 1,8 Millionen Euro umgebaut. Der Teilabbruch ist bereits in vollem Gange.

Von Marlies Dähn

Erlbach Die Tür im Dachgeschoss des Alten Schlosses in Erlbach führt am Mittwoch ins Nirgendwo. Ein ganzer Gebäudeteil ist verschwunden. Knirschend packen die Zähne einer mächtigen Baggerschaufel Ziegelwände, die dann in eine Staubwolke getaucht krachend zu Boden stürzen. Nicht nur für die Grundschüler, die sich eben auf den Weg zur frisch sanierten Turnhalle begeben, ein interessantes Schauspiel.
Diese kleinen Vogtländer können sich wohl kaum noch an die Zeiten erinnern, als genau in dem eben abgebrochenen Gebäudeteil fröhlicher Kinderlärm den ton angab. Mit großem persönlichen Einsatz hatten dort die Frauen rund um die Markneukirchnerin Kathrin Schmutzler sowie viele Helfer liebevoll Spielzimmer und Aufenthaltsraum für ein Familienzentrum errichtet. Schaukel und ein eingebautes Hochbett luden zum Toben und Klettern ein. Unzählige Kindergeburtstage wurden gefeiert und junge Muttis kamen mit ihrem Nachwuchs zum Frühstücksplausch. Auch der Herbst- und Frühjahrsbasar fand einst im Saal des Hauses statt. Das Familienzentrum "Altes Schloß" war wichtiger Baustein für den Titel als familienfreundlicher Ort. Wegen brandschutztechnischer Bedenken zog das Zentrum später nach Markneukirchen.


Trotzdem blieb das Gebäude im hübsch angelegten Park ein Zentrum geselliger Zusammenkünfte. Vereine nutzen Räume, die Schulküche im Untergeschoss dient auch als Werksküche. Legendär über den Ort hinaus sind die Ernst-Mosch-Gedenkkonzerte und Kirwe-Feierlichkeiten. Für Gitarrenkurse oder beim Internationalen Instrumentalwettbewerb erfüllt das Schloss eine wichtige Funktion. Der unbedingte Erhalt des Alten Schlosses war nicht zuletzt deshalb Teil der Eingemeindungsvereinbarung des Ortes mit Markneukirchen. Und so schauen die Erlbacher nun hoffnungsvoll auf den eben begonnenen umwälzenden Umbau, der mit einer Straßensperrung einher geht.
Bis Jahresende wird das Dachgeschoss des Anbaus verschwunden sein. Ein neues Dach kommt drauf. Noch unklar ist die Dachform. Ob halbrund oder Pultdach muss noch entschieden werden. Überhaupt verschwindet mit dem Umbau das gesamte Dachgeschoss über Saal und Anbau. Erhalten bleibt der Saal an sich. Das Parkett wird aufgearbeitet, neue Toilettenanlagen entstehen, behindertengerecht. Der Probenraum wird ertüchtigt. Komplett neu gestaltet wird der Eingangsbereich von der Kirchstraße. Neben einem Foyer entsteht Platz für die Touristinformation, die dann vom Erlbacher Markt ins schloss umsiedelt.


Jugendklub, Küche, Lager und Mehrzweckraum bleiben im Untergeschoss erhalten und werden saniert. Auch dort entsteht eine barrierefreie Toilette. Für den umbau wird das Haus im kommenden Jahr komplett leer gezogen. Geld fließt aus dem topf "Vitale Dorfkerne". Es gibt eine 75-prozentige Förderung. Nach erfolgreichem Umbau wird das Haus kaum wiederzuerkennen sein. Auch von der Parkseite gibt es dann einen Zugang in den großen Mehrzweckraum im Untergeschoss.