Schlemmer-Meile für Genießer

Plauen - Wer in diesen Tagen den Weg zum Europäischen Bauernmarkt in der Plauener Biller-Veranstaltungshalle einschlägt, der wird es spüren: Seine deutschlandweite Einmaligkeit hat sich herumgesprochen und lockt Besucher weit über das Vogtland hinaus an. Bereits zur Eröffnung hatte sich eine Neuseeländerin unter das Markt-Publikum gemischt. An den ersten vier Tagen wurden täglich mehr als die sonst üblichen 5000 Besucher gezählt, am Sonntag war es sogar zum Stau beim Rundgang gekommen. Und auch gestern war das Interesse groß. Die Händler freut es und wer kann, hat schon Nachschub geordert.  Überwältigt von der Nachfrage ist auch Annette Meißgeier von der Hofkäserei Langenbach, die in diesem Jahr zum ersten Mal mit ihren verschiedenen Ziegenkäsesorten beim Bauernmarkt dabei ist. Das Sortiment, das sie auf dem 1999 von ihren Eltern übernommen Hof selbst herstellt, umfasst derzeit etwa 20 verschiedene Käsevariationen. 60 Ziegen stehen derzeit in dem 2007 neu gebauten Stall mit integriertem Melkstand und Milchlager - bald auch wieder auf der Weide. Vier Jahre zuvor hatte die Langenbacherin mit der Käserei den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, nachdem sie zuvor 26 Jahre bei einem Naturkost-Produzenten als Lageristin gearbeitet hatte. Immer wieder probiert sie neue Geschmacksvariationen, um das Sortiment zu erweitern. Und auch während des Marktes wollen die Tiere versorgt und vor allem gemolken werden. Ihr Mann Hartmut hilft ihr nach seiner Arbeit, ebenso die gesamte Familie. Neben Käse bietet Annette Meißgeier auch Ziegenwurst am Stand an. "Und viele Leute fragen nach Zicklein. Alle Anfragen können wir gar nicht abdecken, obwohl wir jährlich bis zu 60 Tiere nachzüchten", verrät sie.  Wer Fisch mag, ist an dem Stand von Siegfried Schramm richtig. Der Magwitzer hatte ebenfalls 2003 mit einer Teichforellenanlage sein Hobby zum Beruf gemacht. Rund 10 000 Forellen und Saiblinge wachsen und gedeihen im Jahr, die er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Beate und Sohn Rico auf verschiedenen Wochenmärkten in der Region frisch und geräuchert verkauft. Auch auf dem Bauernmarkt, mittlerweile zum fünften Mal, sind seine Räucheröfen dicht umringt. Neu im Sortiment hat er in diesem Jahr Bach-Saiblinge. Durch eine Kooperation mit Fischspezialitäten Roland Zaumseil kann er auch verschiedene Seefisch-Variationen anbieten. "Was uns freut, ist unsere Stammkundschaft, die in den Jahren immer weiter angewachsen ist", sagt Fisch-Frau Beate. Ein Grund, weshalb in Magwitz das Schlachthaus vergrößert werden musste. Um den Komeranen und Fischreihern Herr zu werden, wurden 1500 Quadratmeter Wasserfläche mit Netzen überspannt.  Über einen großen Zuspruch freuen sich auch in diesem Jahr Kosta und Klaudia Koumadorakis, die mit ihren verschiedenen Oliven-Produkten zum fünften Mal wieder auf dem Markt ein Magnet für Besucher bis hin nach Berlin sind. Besonders beliebt ist ihr kaltgepresstes Öl aus der Tsounanten Olive. Diese Edelsorte wächst an 100 Jahre alten Bäumen und wird auf traditionelle Art geerntet. Dazu werden im Herbst Netze unter die Bäume gelegt und es wird gewartet, bis die Früchte allein abfallen. "Die Ernte kann noch bis Mai dauern - und nach dem Markt fahren wir gleich wieder nach Hause nach Kreta", erzählt Klaudia Koumadorakis, die aus Österreich stammt. "Das Öl übrigens ist nicht nur sehr wohlschmeckend und bekömmlich - es trägt auch das EU-Zertifikat."  Viele Besucher bleiben bei Eva Rezinkova stehen. Die 50-Jährige verziert mit viel Geduld und noch mehr Geschick Lebkuchen, die ihr Mann Pavel zuvor geformt hat. Seit 28 Jahren hat die gelernte Krankenschwester aus ihrem Hobby den Beruf gemacht. Die filigranen Kunstwerke auf den Lebkuchen, für die die böhmisch-mährische Volkskunst Pate steht, werden mit einer mit einem Puderzuckergemisch gefüllten kleinen Papiertüte aufgespritzt. Neben Herzen und Figuren haben die beiden Tschechen österliche Raffinessen im Angebot. Ihre liebevoll gestalteten Lebkuchen sind nicht nur in Plauen, sondern auch in Österreich, Bayern oder auch Amerika begehrt. Und es gab schon einige Messe-Diplome.  Ein kulinarischer Streifzug lohnt sich auf dem Bauernmarkt auch in den nächsten tagen. Bei dem traditionellen Treffen der Markt-Teilnehmer, dieses Mal im "Saustall" in Wernesgrün, wurde auch schon über die nächste, die 15. Auflage 2010 gefachsimpelt. Für den Auftakt wird dann Holland den Hut aufhaben, wie Michael Bretschneider, Vorsitzender des Vereins "Vogtländischer Bauernmarkt" und Mitorganisator verriet.