Schleichwege in die Stadt

Ines Damm zeigt seit 2012 Einheimischen und Gästen ihre Stadt Plauen. Am Samstag war Weltgästeführertag. In diesem Jahr stand er unter dem Motto "Lieblingsort". Sie habe viele in der Stadt, erzählte die Plauenerin, ihr Favorit aber sei die Alte Elsterbrücke.

Plauen Ines Damm möchte den Leuten Orte zeigen, die so nah liegen und doch kaum wahrgenommen werden, wie beispielsweise der Hamster an der alten Sparkasse. Nun also hatt die Gästeführerin an die Alte Elsterbrücke eingeladen.
Sie zog den geschichtlichen Bogen vom Schloss, über den Drachentöter, ging weiter zu den Gedenksteinen am Neustadtplatz, den Poetenweg bis hin zur Brücke. Ines Damm zeigte Bilder von der alten Mühle am Ufer des Mühlgrabens und konnte einige interessante Details berichten.
Insgesamt standen drei Mühlen auf Plauener Flur. Eine von ihnen befand sich auf dem Gelände des heutigen Stadtstrandes und war vom Deutschen Orden erbaut worden. Sie wurde später verpachtet und bis 1938 durch einen Herrn Klaus betrieben. Die Nähe zur Alten Elsterbrücke verschaffte ihm reichlich Kundschaft.
Bis 1836 war diese die einzige Steinbrücke über die Elster und als die Verkehrswege geändert werden sollten, war der Abriss der 1244 erstmals urkundlich erwähnten Brücke geplant. Die Müllerfamilie kämpfte erfolgreich um den Erhalt.
Zur damaligen Zeit befanden sich zwei Türme auf der Brücke, die mit der Abschaffung des Wegezolls abgerissen wurden.
Ein hölzerner Gang führte entlang der Brücke und der Ufermauer in die Stadt. Auf diesem "heimlichen Weg" konnten die Bürger in die Stadt kommen, auch wenn die Tore bereits geschlossen waren.
Die Stadtväter von Plauen beschlossen mehrfach, den Steg zu schließen. Das erste Mal 1738. Als Grund sei der Ausbruch einer Seuche in Siebenbürgen verzeichnet, ließ Ines Damm wissen. Man wollte so die Einwohner vor der Krankheit schützen.
Ein weiteres Mal wurde die Schließung 1817 beschlossen. Diesmal sollte verhindert werden, dass "unbeliebte Leute in die Stadt kommen". 1888 als der Umbau des Bauwerkes erfolgte, wurde die Brücke im Beisein des Königs, in "König-Albert-Brücke" umbenannt. Von 1945 bis 1949 war es die Neustädter Brücke und anschließend bis 1991 die "Wilhelm-Külz-Brücke". Seit 1991 trägt sie nun wieder ihren alten Namen "Alte Elsterbrücke".
Während des 2. Weltkrieges stellte die Brücke einen strategisch wichtigen Punkt dar. Rolf Ballhaus erzählte von Kämpfen rechts und links der Elster und von Panzerbeschüssen über diese hinweg. Die Brücke sollte gesprengt werden - die Amerikaner konnten dies in buchstäblich letzter Minute verhindern. Die Schützen lagen erschossen auf der Brücke und zwei Jungs, die die Brücke verteidigen sollten, hatten sich angstvoll versteckt. Die Amerikaner entschärften die Sprengladungen, fanden die Knaben und schickten sie mit Keksen und Schokolade nach Hause.
Nach den Reparaturarbeiten wurde der Verkehr über die Neustadtbrücke wieder aufgenommen. Bis 1973 fuhren Straßenbahn und Autoverkehr darüber. Im November 1973 wurde die neue Elsterbrücke übergeben und die Alte Brücke anschließend gesperrt.
Im Jahr 1984 erfolgte die Sanierung der Alten Elsterbrücke, die anschließend als Fußgängerbrücke wiedereröffnet wurde. Zahlreiche Plauener waren der Einladung von Ines Damm gefolgt und einige trugen zu umfangreichen Informationen bei.   G.Kertscher