Schlagabtausch beim Oelsnitzer Abwasser-Problem

Der Termin brennt den Anwohnern der Schönecker Straße in Oelsnitz unter den Nägeln. Ihr Wohngebiet weist schwierige geologische Verhältnisse auf, Wasser versickert kaum. Sie haben vor drei Jahren eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für die zentrale Abwasserentsorgung einsetzt.

Zur Bürgerversammlung brodelte es im voll besetzten Schützenheim. Der Einladung von BI-Sprecher Dietrich Wöllner waren OB Mario Horn und Rainer Todt, Sachgebietsleiter Tiefbau, gefolgt. Mit Spannung wurde die Stellungnahme von ZWAV-Geschäftsführer Henning Scharch erwartet, welche finanziellen Belastungen auf die Grundstückseigentümer zukommen.

Seit 2007 wurden zentrale Abwasseranschlüsse nicht mehr gefördert, erklärte Scharch. Mit einer nochmaligen Änderung 2009 wurde eine Fördermöglichkeit von zehn Prozent geschaffen. Der ZWAV habe deshalb beschlossen, weitere zentrale Erschließungen vorzunehmen. Erste Vorhaben seien auf den Weg gebracht. Der Zweckverband zahlt 3000 Euro pro angeschlossenem Einwohner.

Mehrkosten müssen die Anlieger zahlen. Je nach Entscheidung für eine der beiden Varianten des Kanalbaus, die Scharch vortrug, würden die Mehrkosten zwischen 180 bis 250 Euro pro laufendem Meter Grundstücksfront betragen. Zugrunde gelegt werden dabei 15 bis maximal 30 Meter Frontlänge. Hinzu komme der reguläre Baukostenzuschuss für Neuanschlüsse von rund 125 Euro pro Meter.

Zur Höhe der Kosten für die Bürger entwickelte sich zwischen Wöllner und Scharch ein Schlagabtausch: Bei der Bausumme von rund 600 000 Euro komme er auf einen niedrigeren Anteil für die Bürger, äußerte der BI-Sprecher. Wöllner ging von 135 Anwohnern der Schönecker Straße aus.

"Sie haben die Berechnung mit falschen Einwohnerzahlen ermittelt", entgegnete Scharch, der sich auf Angaben des Einwohnermeldeamts berief. Unruhe entstand im Saal. "Ich bin in wochenlanger Arbeit bei jedem Einwohner persönlich gewesen", ließ sich Wöllner nicht abbringen. Man sei bei dem entscheidenden Punkt angelangt: "Die Leute dürfen mit falschen Zahlen nicht irregeführt werden."

Anwohner Jürgen Geigenmüller riet, die Zahlen nochmals abzugleichen. OB Horn gab bekannt, dass die Einwohner bis Ende Juni Post vom ZWAV bekommen mit einer Aufrechnung, wie viel es kosten würde, ihr Grundstück an der Schönecker Straße an eine zentrale Abwasserleitung anzuschließen. "Heute hätte jeder Bürger diesen Nachweis schon in den Händen haben können", kritisierte Stadtrat Ulrich Lupart (DSU) die Vorbereitung durch Scharch. Dreieinhalb Jahre hätten die Bürger auf Auskunft gewartet. "Fadenscheinig" nannte er die Argumente des ZWAV-Chefs. Dieser konterte: "Erzählen Sie nicht solchen Mist."

Die Diskussion unter den Bürgern zeigte Unsicherheit bei der Entscheidung, einer vollbiologischen Kleinkläranlage oder der zentralen Abwasserentsorgung den Vorzug zu geben. "Man muss ja erst mal wissen, was es kostet", meinte Armin Hellinger. Für ihn als Grundstückseigner liegt die Kostengrenze für eine zentrale Anschlusslösung bei 5000 Euro. Zuschüsse von der Stadt seien - im Sinne der Gleichbehandlung der Bürger - nicht zu erwarten, machte Horn deutlich. Um den Kanalbau in der Schönecker Straße zu ermöglichen, müssen sich mindestens 90 Prozent der Anwohner anschließen.

Bei Maßnahmen der Infrastruktur fühlen sich die Bürger als "Stiefkind der Stadt", erklärte Wöllner. In einer Bildcollage hat die BI verdeutlicht, wie sie sich ihre Straße nicht vorstellt - verkabelt und zugestellt mit Freileitungen und Strommasten. Der Verlegung eines Elektro-Erdkabels gilt die Hoffnung beim Kanalbau. Dazu gebe es bereits Vorgespräche mit den Stadtwerken, erklärte Horn.