Schimmelpilz erregt Mieter-Zorn in Plauen

Schimmel in der Miet- Wohnung erregt den Zorn von Mario Seidenglanz aus Plauen. Er kündigte fristlos und klagt.

Plauen - "Ich muss hier raus", macht Mario Seidenglanz aus Plauen seinem Frust Luft. Seit 6. Dezember wohnt er in der Gottschaldstraße 5. Die Mietwohnung sei schlecht vorgerichtet gewesen bei Übergabe. "Ich hab selbst nochmal renoviert", sagt der Plauener. Nach sechs bis acht Wochen trat massiv Schimmel auf. Das meldete er dem Vermieter, der Gagfah Group, Zweigstelle Zwickau. Das komme von der Feuchtigkeit vom Malern. Abwarten und abtrocknen lassen, sei die Reaktion gewesen.

Während der Wintermonate sei der Schimmel aufgeblüht nahezu in allen Räumen, in der Küche, im Wohnzimmer, im Schlafzimmer und vor allem im Arbeitszimmer. Seiner Meinung nach dringe Feuchtigkeit von außen ein. Zudem wurden die Fenster falsch eingebaut und überhaupt nicht hinterlüftet, rügt der Mieter.

"Das sind eindeutig Baumängel. Das ist ein Kündigungsgrund", findet der Plauener. Die außerordentliche Kündigung reichte er dann auch ein, im Januar 2013. Wegen einer Mehrfacherkrankung ist Mario Seidenglanz arbeitsunfähig, erhält Hartz IV und leidet zudem stark unter Asthma. Das habe sich seit dem Einzug in die Schimmelwohnung verschlechtert. Auch deshalb hält der Plauener die fristlose Kündigung seines Mietverhältnisses für gerechtfertigt. Der Vermieter sah das jedoch anders und schickte nach Eingang der Kündigung einen Maler vorbei. Von dieser Art der Mängelbehebung hält Mario Seidenglanz jedoch wenig. "Das wird nur übertüncht. Der Schimmel kommt wegen der Baumängel wieder", ist er überzeugt.

Um atmen zu können, hat er mit teurem Spezialmittel zumindest im Schlafzimmer gegen den Schimmelbefall angekämpft. Doch auch da "blüht" es in den Ecken bereits wieder. Mario Seidenglanz holte sich Rechtsbeistand über die Beratungshilfe beim Amtsgericht. Auch die Vermittlerin von der Arbeitsagentur befürwortet den Umzug in eine neue Wohnung. Die ist inzwischen auch gefunden. "Am 12. März rollt der Möbelwagen an", erklärt Mario Seidenglanz. Das in seinen Augen dreiste Vorgehen seitens der Vermieter, der die Baumängel nicht anerkennt, gipfelt darin, dass man ihm die Schuld an der Schimmelbildung gibt. Er habe nicht genügend gelüftet. Zudem solle er ein toxisches Gutachten beibringen und nachweisen, dass sein Asthma durch den Schimmel in der Wohnung ausgelöst wurde.

"Das Gutachten kostet an die 500 Euro. Das und auch noch die doppelte Miete kann ich mir nicht leisten", macht der Plauener seinem Ärger Luft. Bei 306 Euro liegt die Monatsmiete. Bei ordentlicher Kündigung würde das Mietverhältnis am 30. April enden. Im Rechtsstreit geht es also um knapp 460 Euro Miete, die Mario Seidenglanz nicht bereit ist, zu zahlen. "Mir geht es aber vor allem auch um Gerechtigkeit. Die Nachmieter sollen erfahren, dass in der Wohnung Schimmel ist und genau hinsehen beim Einzug", so Seidenglanz.

"Gesund und schimmelfrei wohnen", damit wirbt übrigens die Gagfah- Group, die bundesweit mehr als 145 000 Mietwohnungen betreibt und weitere 13 000 Wohnungen für Dritte verwaltet. Damit sei man das führende börsennotierte Wohnungsunternehmen in Deutschland, heißt es. Auf der Internetseite des Unternehmens finden sich auch ausführliche Informationen zum Raumklima samt Tipps zum richtigen heizen und lüften, um schimmelfrei zu wohnen. Vor allem nach dem Kochen, Duschen und Baden solle man "Durchzug" herstellen. Kurz und intensiv seien auch morgens alle Räume zu lüften - vor allem Bad und Schlafzimmer. Viel Wert lege man auf einen sozialverträglichen Umgang mit den Mietern, wirbt die Gagfah auf ihrer Internetseite.

Zum konkreten Fall des frustrierten Plauener Mieters befragt, recherchierte Pressesprecherin Bettina Benner in Mülheim intern. Generell sei es so, dass man sich bei Beschwerde umgehend beim Mieter melde, sich bei Schimmelbefall die Wohnung anschaue und abkläre, meist auch mit eigenem Gutachter, ob bauliche Mängel vorliegen, oder der Mieter durch falsches Lüften die Mängel eventuell selbst verursacht habe.

Im Fall von Herrn Seidenglanz finde sich kein Hinweis in der Mieter- Akte auf Schimmel. Eventuell habe der Mieter den Befall direkt beim Hausmeister angezeigt. Man werde umgehend einen Gutachter schicken, um der Sache auf den Grund zu gehen und zu klären, wie der Mangel behoben werden kann, so die Unternehmens-Sprecherin.