Scheinangriffe und Schmusen

Plauen - Wenn es eine Wahl zum schönsten Löwen der Welt geben würde, wäre er wohl der Sieger. King Tonga, der weiße Löwe vom Circus Krone erstrahlt auf einer riesigen Glitzerkugel und zieht die Blicke auf sich. Beim Beobachten in der Manege oder seinem Außengehege wird klar: Sein Ruhm ist ihm bewusst. Majestätisch bewegt er sich, reckt seinen Kopf nach oben, schüttelt seine Mähne und zeigt - ich bin der Star hier. Doch was wäre er ohne seinen Dompteur Martin Lacey jr. - ohne ihn würde King Tonga vermutlich gar nicht bei Krone sein.

Ein Prinz aus Saudi-Arabien sah Laceys Löwenshow beim Internationalen Zirkus-Festival von Monte Carlo und besuchte daraufhin den Zirkus. Er war so begeistert, dass er Christel Sembach-Krone den kleinen weißen Löwen zum Geschenk machte.

Langsam wurde der Kleine an das Leben und die Arbeiten in und um der Manege gewöhnt. Mit viel Geduld und Aufmerksamkeit baute Martin Lacey jr. eine sehr enge Beziehung zu King Tonga auf. In einer aufwendigen Inszenierung hat er nun täglich seinen großen Auftritt.

Auf fünf Videoleinwänden wird in einer 360-Grad-Panorama-Show die Geschichte von Trainer und Tier erzählt. Ein einzigartiger "Löwentraum" und mittendrin die Krone-Stars. Um nicht so einsam zu sein, denn an den braunen Löwinnen zeigte Tonga kein Interesse, kamen von einer arabischen Farm zwei weiße Löwinnen zum Circus Krone. Diamond und Princess stehen dem King mit ihren bernsteinfarbenen Kulleraugen in nichts nach. Noch müssen sie fleißig trainieren, doch schon bald soll auch ihre große Karriere beginnen.

Ein Irrtum ist, dass die hellen Löwen Albinos sind. Wie bei Tigern gibt es auch bei Löwen Leuzismus, so wird das Auftreten von weißem Fell genannt. In der freien Natur haben sie kaum eine Überlebenschance. Nur 37 weiße Löwen sind weltweit bekannt. Sie alle leben in Menschenhand, nur einer in einem Zirkus. Deshalb ist Martin Lacey jr. auch besonders stolz auf King Tonga.

Der englische Dompteur stammt aus einer berühmten Tierlehrerfamilie. Seine Mutter Susan arbeitete mit vielen Tieren, zuletzt mit weißen Tigern, mit denen sie auch bei Krone auftrat. Sein Vater Martin trainierte ebenfalls Raubtiere und hat mittlerweile einen eigenen kleinen Zoo aufgebaut. Auch Bruder Alexander kennt Krone und gewann mit seiner gemischten Gruppe aus Tigern und Löwen den Silbernen Clown. Als ,,Shooting-Star unter Europas Tierlehrern" wird Lacey jr. bezeichnet. Mit 20 baute er sich eine eigene Löwennummer auf. Seither gewann er viele internationale Preise. Angst hat er nicht, nur Respekt. Bereits im Alter von vier Jahren war er mit Raubtieren auf Du und Du. Lacey präsentiert seine Schützlinge gewollt "wild" und stellt deren immense Kraft und Geschicklichkeit vor.

Jede Bewegung im Ring ist bedacht. Jedes Wort bekannt. Er redet mit den acht Löwinnen englisch. Come on! Und deutsch. Sitz! Sie drohen, fauchen und springen am Käfig entlang. Scheinangriffe wechseln mit Schmuseeinlagen.

"Keinen Augenblick darf man vergessen, dass Löwen immer Raubkatzen bleiben", warnt er. "Ihren Instinkt verlieren sie nie, nicht ihre spitzen Zähne, nicht ihre langen Krallen. Sie sind perfekte Killermaschinen." Mit einem Prankenhieb können sie einer Antilope das Genick brechen. Oder einen Menschen töten. Aber das gehört für ihn einfach mit dazu, "denn sonst könnte ich ja gleich Schweine und Ziegen dressieren". Jeder Angriff im Ring ist fest einstudiert. "Alles nur Show", verrät der Dompteur. Jeder Zentimeter Abstand wird im Training genau festgelegt. "Bei einer wirklichen Attacke hätte ich keine Chance. Wenn ein Tier zuschlägt, würden es alle tun - wie in der Natur."

 

Der Circus Krone gastiert noch bis morgen (Vorstellungen jeweils 15.30 und 20 Uhr) in Plauen.     Stephanie Rössel