Scharf gibt Chef-Posten in Oelsnitz freiwillig auf

Oelsnitz - Kurzfristig hatte Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius zu einem Pressegespräch ins Rathaus eingeladen -Thema Stadtmarketing - und Tourismus GmbH. Geschäftsführer Eckardt Scharf hat zum 31. Dezember "fristgemäß gekündigt".

 

 Bis dahin wird er seinem Dienst in vollem Umfang nachkommen. Hätte Scharf den Kündigungstermin vor dem 30. Juni nicht eingehalten, hätte sich sein Vertrag automatisch um weitere zwei Jahre verlängert, erklärte Frau Möbius. In Ruhe werde die Position nun im Frühherbst neu ausgeschrieben. Warum beendet Scharf, der 56 Jahre alt ist, von sich aus das Anstellungsverhältnis? Nach vier Jahren Aufbauarbeit sei der Zeitpunkt für ihn gekommen, um sich beruflich neu zu orientieren, sagte er. Ein Resümee wolle er Ende des Jahres ziehen und "sich mit der Situation ab 2011 neu beschäftigen. Ich brauche mehr Freiräume, um die Dinge anzugehen. Meine Arbeitstage sind bis in die Abendstunden voll ausgelastet. Ich habe eine Entscheidung getroffen, die mit meiner weiteren Lebensplanung zu tun hat", äußerte er.

Wie sieht die OB den Schritt? "Die Entscheidung ist zu akzeptieren. Ich bin Eckart Scharf dankbar, dass er die GmbH aufgebaut hat." Er habe mitunter andere Wege gewählt, als sie in anderen Kommunen gegangen wurden, nahm sie Bezug auf die Zusammenarbeit mit der Service-Firma Securitas. Die Stadtmarketing GmbH sei mit ihren Aufgaben vollständig ausgelastet, zu den Arbeitsfeldern zählen auch die Stadtbibliothek, die Touristinformation, der Historische Kostümverleih und der Museumsbereich auf Schloss Voigtsberg. Elf Leute sind beschäftigt, zum Teil stundenweise. Scharf habe den Bekanntheitsgrad von Oelsnitz gesteigert, indem er neue Veranstaltungsreihen eingeführt hat. "Der Sprung zurück in die Museumslandschaft ist gelungen", verwies der scheidende Geschäftsführer auf das neue Teppichmuseum. Besonders hob er den "Rekordbesuch aus der Stadt Plauen" hervor. Allein in diesem Jahr verzeichne Schloss Voigtsberg 5400 Besucher. Erstaunlich positiv sei die Resonanz aus den Schulen.

Das zweite Halbjahr will die GmbH nutzen, um im Gewölbe der Kernburg eine Bergbau- und Mineralien-Ausstellung einzurichten. Ein anonym bleibender Sammler habe dem Schloss eine Kollektion von rund 500 Exponaten als Dauerleihgabe überlassen. Die Eröffnung des Museums für Illustrationskunst werde aus Kostengründen um rund ein Jahr auf Anfang 2012 verschoben. Nach soviel günstigen Ergebnissen und Aussichten nimmt sich der Abgang des Geschäftsführers umso mehr als unverständlich aus. Mehr ins Detail gehen wollten er und die Oberbürgermeisterin aber nicht.

Eckardt Scharf war vom Stadtrat zum 1. Januar 2007 als Geschäftsführer berufen worden und legte dafür sein Abgeordnetenmandat der Liberalen nieder. Bis dahin war er beruflich Inhaber des Ingenieur- und Planunsgbüros Techno-Consult gewesen - Arbeitsgebiet Industriereinigung und Behandlung von Prozessabwässern - welches er dann abgab. Elf Leute hatten sich damals um den Geschäftsführer-Posten beworben. In der Endrunde unterlag ein junger Diplombetriebswirt des Veranstaltungs- und Marketingmanagements aus Plauen. Scharf galt als Wunschkandidat der OB.

Alles in Butter bei der Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit? Offenbar doch nicht. Man stelle sich das Stadtmarketing offensiver vor, sagte kürzlich ein CDU-Stadtrat hinter vorgehaltener Hand. Kritiker bemängelten organisatorische Schwächen in der Tagesarbeit. Kürzlich erfolgte eine Innenrevision in der Stadtmarketing GmbH. Ist Scharf über deren Ergebnisse gestürzt? Legte man ihm den Rücktritt nahe, um Schaden von der GmbH abzuwehren? Wie jemand, der freudig zu neuen Ufern aufbricht, wirkte der Oelsnitzer am Dienstag nicht.  Renate Wöllner