Schallplatte ganz groß im Mini-Museum

Rosenbach/Mehltheuer - Wer erinnert sich denn noch beim Abspielen eines Tonträgers an den Mann, der die ersten Schritte möglich machte - Emil Berliner? Er war es, der vor 125 Jahren die erste Schallplatte kreierte und am 8. November 1887 dafür das Reichspatent Nr. 12 631 erhielt.

Da ertönten Klänge, die heute zwar niemand mehr berauschen können, aber voller Neugier einige Enthusiasten in das kleinste Musikinstrumentenmuseum lockten, des Tages zu gedenken. Leider lässt es die Räumlichkeit bei Teuschlers in Mehltheuer nicht zu, so etwas im großen Rahmen würdiger zu begehen. Aber das Interesse des handverlesenen Dutzends Besucher zur Veranstaltung am Freitagabend sprach schon für sich.

Heinz Tonndorf führte seine Zuhörer in die Welt des Entstehens der Wiedergabe von Tönen jenseits der heutigen Kommunikationsmöglichkeiten. Erstmals war es möglich, mit dem "Kaffeemühlenmikrofon" (weil es ebenso wie diese per Hand bedient werden musste) Musik unabhängig von einem direkten Erlebnis zu hören. Auch wenn wir heute die Wiedergabe eher als Beleidigung für die Ohren empfinden mögen, war es ein riesiger Fortschritt. Anfangs nur einseitig bespielt und mit dem Mangel des Austauschs der tonerzeugenden Nadel nach jedem Abspiel behaftet, bildete Tonndorf die gesamte Ära der Schellackplatten ab, bevor Albrecht Lenk mit der Überleitung zur Vinylära die zweite Hälfte des Abends gestaltete.

Sowohl er, als auch Tonndorf, gelten als die zwei Besitzer der größten Plattensammlungen im Vogtland. Lenk gestaltete die Historie der flachen Scheiben in sehr anschaulicher Form vor allem während der DDR-Zeit: Gegenüber der millionenfachen Prägung der Scheiben im anderen Teil Deutschlands, erschienen in der Republik ganze 1980 Langspielplatten - teilweise in so kleinen Auflagen, dass heute Hunderte Euro für ein Exemplar geboten werden.

Aus dem nach dem Krieg unter Initiative von Ernst Busch geschaffenen "Lied der Zeit" entstand 1950 der VEB Deutsche Schallplatte, der Kunst und Kultur in diesem Bereich regelte. Den traurigen Abschluss fand die Produktion in Babelsberg zur Wendezeit mit der letzten Scheibe, die nie in den offiziellen Handel gelangte: "Lets make a better world" von James Booker.

Hans-Günther Fleischer aus Plauen, der mit seiner Frau den Abend besuchte, war begeistert: "Schade, dass nur ein so kleiner Raum für eine so bedeutsame Veranstaltung zur Verfügung steht. Die Geschichte der schwarzen Scheiben wurde unterhaltsam und informativ von zwei Fachleuten dokumentiert, die sicher ein viel größeres Publikum angesprochen hätte." jpk