"Schätze liegen im Inneren verborgen"

Wahre Schönheit liegt manchmal tatsächlich im Inneren verborgen. So scheint es auch mit der "Frohnveste" zu sein, die sich an der Johannisstraße in Adorf befindet. Unter dem Putz des 1966 umgebauten Hauses sind die äußeren Merkmale des einstigen Stadt- und Gerichtsgefängnisses längst verschwunden. Auch die kleinen Fenster, die mit Blechhauben verschlagen waren. Dadurch konnten die Gefangenen nur himmelwärts blicken. Das Gebäude erscheint nicht zufällig enorm stabil.

Es steht auch fest, wie ein Fels in der Brandung. Schließlich sorgten meterdicke Gefängnismauern für die sichere Verwahrung der Gefangenen. Gemauerte Torbögen, Schornsteine, die nicht sichtbar in den Wänden eingearbeitet sind, zeugen von einer eigenwilligen Architektur dieses Zweckbaus, wie er nur äußerst selten noch zu finden ist. Gut erhalten ist das Dachgebälk das wohl noch aus der Entstehungszeit des Hauses stammt, wie die Kennzeichnung an den Dachbindern verrät. Verbrieft ist in historischen Archiven, dass Malermeister Pinder im Jahre 1775 Fenster und Türen für das Haus lieferte. Hier atmet man Geschichte. Davon sind inzwischen auch die Denkmalschutzbehörden überzeugt, die sich mehrfach vor Ort umschauten und das Haus im November 2008 nachträglich auf die Denkmalschutzliste setzten. Ob es dort bleiben darf, ist derzeit ungewiss.

Denn inzwischen tobt ein Interessenskonflikt, da die Stadt Adorf das Haus auf ihrer Abrissliste hat, die im Oktober 2008 vom Adorfer Stadtrat in öffentlicher Sitzung beschlossen wurde. Das riesige Haus sei für den stadteigenen Betreiber Wohnungsgesellschaft uneffektiv mit lediglich zwei Mietparteien. Auch den Wohnungszuschnitt empfindet man als nicht mehr zeitgemäß. Viel zu viel müsste man investieren. Zudem stehe das Haus nicht in einer Häuserzeile, sondern allein. Auch an einen Ausbau der Kreisstraße werde gedacht mit der "Entschärfung" des anschließenden Kreuzungsbereiches samt einer besserer Zufahrt zur Innenstadt.

Der Abriss ist Bestandteil des Programms "Stadtumbau Ost". Das Umbauprogramm läuft in Adorf schon seit 2001. Für 2010 erhofft man sich Abriss-Fördermittel auch für die "Frohnveste". Schließlich habe man auch genug Wohnungsleerstand und damit keine Not, mit viel Geld nur wenig Wohnraum kostenintensiv zu unterhalten.

Um den Interessenskonflikt beizulegen fungiert Christian Meyer von der Landesdirektion Chemnitz (vormals Regierungspräsidium), verantwortlich für Stadtentwicklung, Baurecht und Denkmalschutz, quasi als Streitschlichter. Gemeinsam mit Dr. Nitsche von der Denkmalschutzbehörde in Dresden, weilte er gestern vor Ort, um in sachlicher Weise den historischen Wert der einstigen "Frohnveste" zu beurteilen. Da es sich de facto um ein laufendes Verfahren handelt, halten sich die verantwortlichen Stellen im Moment noch bedeckt. Man werde Fakten sprechen lassen und auf dem Behördenweg Entscheide verschicken.

Überrascht vom neuen Umstand des Denkmalschutzes wurde auch Adorfs Bürgermeisterin Mariechen Bang. "Der Fakt ist relativ neu. Nun warten wir ab, ob das Haus auf der Denkmalschutzliste bleibt. Es ist ein laufendes Verfahren", erklärt die Bürgermeisterin. Man sei schon bereit, sich auch den neuen Tatsachen zu öffnen, wenn sich das alte Gefängnis als historisch einmalig erweisen sollte, ließ sich die Bürgermeisterin auf Nachfrage unserer Zeitung noch entlocken.

Einen lässt das neuzeitliche Geplänkel wohl kalt. Das ist der "Spalken Fred", ein Rauner Original, das einstmals die Frohn-Gefangenen im Stadt- und Gerichtsgefängnis zu Adorf bekochte und Spalken waren sein Leibgericht. md