Sandmännchen kommt nach Plauen

Plauen - Er hat eine Einschaltquote, von der die meisten Stars aus Fleisch und Blut nur träumen können - und das seit nunmehr 50 Jahren. Die Rede ist vom Sandmännchen.

 

Noch immer schalten über 1,5 Millionen - vorwiegend kleine Zuschauer - ein wenn er den Gute-Nacht-Gruß verteilt und aus seinem kleinen Säckchen den Traumsand verstreut. Vorlage für den Sand streuenden Kobold war - wie zu DDR-Zeiten mancher hinter vorgehaltener Hand munkelte, nicht Walter Ulbricht - sondern eine Figur aus einem Märchen von Hans Christian Andersen. Dort heißt der Kobold "Ole Augenschließer" und vom Schlafsand ist im dänischen Original auch keine Rede. Vielmehr von "süßer Milch, die der emsige kleine Wicht den Kindern in die Augen sprüht. Als Puppe ins Fernsehen brachte ihn 1959 Gerhardt Behrendt. Exakt am 22. November hatte er seinen ersten Auftritt.

 

Seine Premiere kündigte die Fernsehansagerin Käthe Zille- so etwas gab es damals noch anstelle von Werbeblöcken - so an: "Um 18.55 Uhr kommt unser Sandmännchen und wird den kleinen Zuschauern Gute Nacht sagen." Aus den kleinen Fans der ersten Stunde sind inzwischen Eltern, ja sogar Großeltern geworden. Von seiner Faszination hat der Zipfelmützige nichts eingebüßt.

Ganz nebenbei sorgte Sandmann damals auch für politische Genugtuung, wie er sich in all den Jahren bis zur Wende auch immer sozialistisch korrekt zu verhalten hatte. Seine Väter hatten nämlich heraus bekommen, dass auch der SFB Ähnliches vorhatte. Fieberhaft gestaltete Behrendt die Puppe und komponierte Wolfgang Richter ein Lied dazu.

 

Stundenlang lässt sich die Geschichte des kleinen großen Mannes mittlerweile im Internet nachlesen, haben sich Fans seiner Episoden, aber auch seines immensen Fuhrparkes angenommen. Letzterer ist unterteilt in 21 Kategorien, penibel aufgelistet seine Fortbewegungsmittel zu Wasser, zu Lande und in der Luft, auf Zweirädern und Schienen. Eine Unterkategorie weist gar einen "politischen Fuhrpark" aus, beispielsweise seinen Sonderbus zu den Weltfestspielen. Doch dem Sandmann konnte seine "Vergangenheit" nichts anhaben.

 

Zwar stand er 1991, als der DFF seine Tätigkeit einstellte, ebenfalls auf der Entlassungsliste, doch der massive Widerstand der Zuschauer konnte die Abwicklung des Traumsandstreuers verhindern. Seit 1992 produziert die "Sandmann Trickfilm GmbH" die allabendlichen Folgen und zu seinem runden Geburtstag geht Sandmännchen gar als Musical auf Tour. Und weil der Kleine für seine Ausdauer bekannt ist, dauert diese bis ins Jahr 2011. Das Team Marcell Gödde, Karl-Heinz March und Andy Muhlack zaubern die Welt der Träume auf die Bühne, und nach dem Auftakt in Gera wird die zweite Station des Musicals die Plauener Festhalle sein. Pünktlich zum diesjährigen Nikolaustag. tp