Sand im Getriebe

Viele Brücken im Land müssen saniert oder erneuert werden: Das lässt die Plauen Stahl Technologie GmbH (PST) optimistisch in die Zukunft blicken. Wenn da nicht ein "Aber" wäre und noch eins und noch eins...

Plauen - Brücken und Straßen sind in schlechtem Zustand: "Wenn wir große Teile liefern, fahren wir mit der Kirche ums Dorf: Nach Heilbronn müssen wir manchmal sogar über Regensburg. Zudem ist die Bürokratie ein großer Bremsklotz", erklärt der kaufmännische Geschäftsführer Peter Völkner: "Früher haben Polizisten Schwertransporte eskortiert, jetzt ersetzt durch ,beliehene Personen‘, die das Recht haben, hoheitliche Aufgaben zu erfüllen. Allerdings haben diese ,Beliehenen‘ in den Bundesländern verschiedene Rechte - und im Zweifelsfall muss doch Polizei geholt werden, um den Verkehr umzuleiten."
Völkner sagte das am Dienstag, als der sächsische Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst das Unternehmen besuchte, der FDP-Obmann im Bundestagsausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur. Völkner erhofft sich politischen Druck, der Verbesserungen bewirkt.
Und diese Verbesserungen seien nötig, wie Völkner am Beispiel Schiersteiner Brücke über den Rhein verdeutlichte; dorthin liefert PST Stahlteile, die größten 80 Tonnen schwer. "Früher dauerte der Transport nach Wiesbaden zwei Tage - daraus sind bis zu sieben geworden, weil die Tragkraft von Brücken eingeschränkt ist und die Infrastruktur generell sanierungsbedürftig. Haben wir früher 1500 Euro für die Begleitung gezahlt ist es heute ein Vielfaches. Und wir machen viele Transporte, liefern für laufende Aufträge insgesamt mehr als 30.000 Tonnen."
Völkner beklagte die lange Zeit, ehe öffentliche Aufträge vergeben würden - und dann zu Bedingungen, die es mittelständischen Betrieben wie PST schwer machten. "Zudem wird ein Teil des wirtschaftlichen Risikos auf Unternehmen wie uns verlagert."
Das alles macht laut Völkner dem deutschen Stahlbau das Leben schwer. Die Situation sei auch auf Stahlerzeugerseite problematisch: "In Deutschland werden jährlich 42 Millionen Tonnen Stahl erzeugt, allein die chinesische Überkapazität beträgt 480 Millionen Tonnen."
FDP-Mann Herbst und der kaufmännische Geschäftsführer waren sich einig, dass die öffentlichen Verwaltungen, Planungsstellen und Genehmigungsbehörden personell nicht in der Lage seien, schnell zu handeln. "Hier muss etwas geschehen. Sonst nützen auch die Milliarden nichts, die die Bahn investieren will."
Und noch ein Problem nannte Völkner: "Wir haben 34 gesetzlich Beauftragte im Betrieb: einen für Laserschutz, einen für Datenschutz, einen Lagerregalbeauftragten, einen für Arbeitsschutz…"
Bonität ist das Ergebnis aus Rentabilität und Liquidität. "PST ist ein Betrieb mit hervorragender Bonität", sagte Völkner, nach dessen Worten das Unternehmen aus einem 1885 in Plauen gegründeten Handwerksbetrieb hervorgegangen ist, der in der DDR zum VEB Stahlbau Plauen wurde. Nach Ungewissheit in der Wendezeit sowie Höhen und Tiefen danach gehört das Unternehmen mit 150 eigenen Mitarbeitern, 20 Lehrlingen und etwa 100 Leuten mit Werk- sowie Leihverträgen zwei in der Schweiz ansässigen Holdings. "Wir haben stabile Eigentümerverhältnisse: Alle Gewinne wurden reinvestiert - in zehn Jahren 30 Millionen Euro", erklärte Völkner.
"Wir planen, bauen und montieren hauptsächlich Brücken, stellen auch Schleusentore her zum Beispiel für den Nord-Ostsee-Kanal, für das ,Eiserne Tor‘ in Rumänien oder den Donau-Schwarzmeer-Kanal", sagte Völkner, nach dessen Angaben auch die Fertigung von Komponenten für den Hoch- und Anlagenbau zum PST-Profil gehört.
Und noch ein Problem sprach der "Kaufmännische" an: Die Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern. "Wir arbeiten mit 20 Leiharbeitsfirmen zusammen - auch ausländischen, um die richtigen Kollegen zu finden. Um Lehrlinge zu gewinnen, schauen wir ebenfalls mehr und mehr ins Ausland - in Griechenland scheinen die Chancen am besten."
Völkner lobte das Betriebsklima bei PST. Das sei bei der Weihnachtsfeier zu spüren gewesen, wo sich alle - auch die Leiharbeiter und die mit Werksverträgen - wohl gefühlt hätten. "Unter unseren Kollegen werden mittlerweile 20 Sprachen gesprochen."  ufa