Saison für Muldenberger Flößer fällt erneut aus

Zu Pfingsten wird in Sachsen traditionell angeflößt. Das Spektakel lockt Tausende Schaulustige an. Doch dieses Jahr ist der Saisonstart ausgefallen. Corona ist dabei nicht die einzige Sorge, die die Muldenberger Flößer umtreibt. Trotzdem verfolgen sie große Pläne.

Von Katrin Mädler

Die künstlich angelegten Wassergräben gelten inzwischen als technisches Denkmal. Jahrhundertelang wurde hier Brennholz aus Wäldern im Vogtland weiter in Bäche und Flüsse geleitet. Das Ziel waren Städte wie Leipzig und Halle, wie Bernd Kramer vom Vogtländischen Flößerverein Muldenberg sagt.


Eigentlich sind die Flößer um Pfingsten in Aufbruchstimmung. Doch Flößerfeste, verschiedene Treffen und das Schauflößen, bei dem das traditionelle Handwerk der Öffentlichkeit präsentiert wird, fallen coronabedingt aus. Das zweite Jahr in Folge ist auch das Flößerfest mit 4000 Besuchern in Muldenberg als dem 1. Flößerdorf Deutschlands betroffen.


Dabei wollen die Flößer bald Immaterielles Kulturerbe der Menschheit werden. "Wir vermitteln ein Handwerk, das lebendig erhalten werden muss. Das Erbe muss in Aktion gezeigt werden", sagt Kramer.
2022 hoffen die Flößer aus Deutschland zusammen mit Tschechien, Österreich, Polen, Lettland und Spanien als Immaterielles Erbe der Menschheit durch die Unesco anerkannt zu werden, wie Martin Spreng als Vorsitzender der Deutschen Flößerei-Vereinigung in Altensteig (Baden-Württemberg) sagt. Das hat die Bundesrepublik kürzlich der Unesco vorgeschlagen.


Schon die Ernennung zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands 2014 habe Rückenwind gebracht, erzählt Spreng. "Örtliche und staatliche Stellen scheinen aufgeschlossener für unsere Probleme zu sein." Denn das Wissen um das alte Handwerk geriet in Vergessenheit. Erst als 1992 die Deutsche Flößerei-Vereinigung entstand, wurde laut Spreng das Bewusstsein der Öffentlichkeit für dieses Traditionshandwerk wieder geweckt.


"Die Pandemie hat unser Vereinsleben lahmgelegt. Aber danach soll es wieder Aktionen in Schulen und Flößertage geben", versichert er. "Wir wollen die Begeisterung für die Flößerei an die nächsten Generationen weitergeben." Aber schon zuvor habe es Probleme gegeben. Der Klimawandel mit niedrigen Wasserständen verhindere Floßfahrten und Vorführungen. Umgebaute Gewässer und zunehmende Vorschriften für deren Benutzung machten es den Flößern ebenfalls schwer.
Die Deutsche Flößerei-Vereinigung ist Dachverband von 35 Mitgliedsorganisationen. Darunter sind Spreng zufolge fünf Städte, die eine Flößertradition haben, und 30 Flößervereine. Die Flößer aus Muldenberg bilden den einzigen sächsischen Verein.


Auch in der Internationalen Flößerei-Vereinigung, in der Bernd Kramer neben seinem Muldenberger Verein die Präsidentschaft übernommen hat, gibt es Probleme. "Einige können den aktuellen Jahresbeitrag nicht bezahlen." Hauptgrund für die klammen Kassen seien die weggefallenen Flößerfeste vor Ort. 38 internationale Flößereivereine seien in der Vereinigung unter anderem aus Deutschland, Tschechien und Lettland.
Sein Muldenberger Verein sei der einzige, der die sogenannte Brennholzflößerei nachstelle. Dabei seien früher die kleinen Holzscheite durch die Wassersysteme in fern gelegene Orte gekommen.


Gezeigt wird das uralte Handwerk normalerweise mit originalem Werkzeug. Bäume fällen und zerkleinern inklusive. Der Untergang der Flößerei kam im 19. Jahrhundert. "Das Holz verlor seine Bedeutung als wichtigster Brennstoff", erläutert Kramer. Die Vereine würden alles tun, um ehrenamtlich dieses Erbe lebendig zu halten. "Im Moment liegen Freud und Leid bei unserer Arbeit eng beieinander", sagt Bernd Kramer.