Sagenhafte Schloss-Tour

Krachend rollt der Donner durch den Voigtsberger Schlosshof. In magischem blauen oder roten Licht ist der Bergfried zum Greifen nah.

Von Renate Wöllner

OelsnitzGespenstische Gestalten huschen durch die nächtliche Szene. Der Wassermann von Oelsnitz sitzt am Brunnen und kämmt sein grünes Haar. Doch so harmlos wie der Alte aussieht, ist er nicht. Jedes Jahr will der Nix einen Menschen, ob dieser sich in die Elster stürzt oder geopfet wird, ist ihm egal.
Zur 9. Voigtsberger Sagennacht hatten sich Samstagabend Alt und Jung vor dem gut bewachten Burgtor eingefunden. Einlass gab es nur für den Nachwuchs, den die Eltern auf den Schlossberg begleiten durften. Wie immer ist der Andrang groß, so dass der Nachtwächter dreimal seinen Rundgang mit den Mädchen und Jungen antreten muss. Mehr Sagen als jemals zuvor sind in die Rahmenhandlung eingebunden, sagt Museumschefin Tina Reitz, die bei der ersten Führung unterm weiten Nachtwächtermantel auszumachen ist. Vom Wassermann sollte man sich fernhalten, rät sie ihren jungen Besuchern. Dann geht es hinunter in den Schlosshof an der Bogenbrücke. Zechbrüder sitzen an Tisch. Doch der Wirt begeht einen fatalen Fehler. Er bewirtet den Pumphut - sonst ein Glücksbringer - mit Pfützenwasser und trockenem Brot. Schon steht das Mühlrad wie fest gemauert - und lässt sich erst wieder drehen, als der Wirt Wein und Braten herausrückt.
Schaurig wird's beim weiteren Marsch durch die Burganlage. Ein Gerippe im Mönchsgewand geistert den Weg entlang. Die Nachtwächterin hält die Kinder zum Zusammenbleiben an. Denn nun geht es enge Gänge in den Burgkeller hinab, wo sich der gute Berggeist versteckt. Sagengestalten und Geschichten wechseln bis hinauf zum Dachboden, wo eine Laterne zu entdecken ist. Doch Licht ist nicht gleich Licht. Die Voigtsberger Laterne schwebt nächtens durch Oelsnitz und leuchtet den Heimkehrenden - doch wehe, wenn sie das Licht um den versprochenen Lohn prellen. Mit der heimischen Sagenwelt entdecken die Kinder die mittelalterliche Burganlage, die in fast 800-jähriger Geschichte viele Wandlungen erlebte. Nur der Blick in den mächtigen Bergfried bleibt diesmal versperrt. Ein Bauzaun umgibt ihn, damit niemand in die Grube des freigelegten Fundaments fällt. Der Turm soll in zweijähriger Bauzeit ertüchtigt und begehbar gemacht werden bis hinauf zu einer Aussichtsplattform. Da eröffnen sich ganz neue Perspektiven für die anhaltend beliebte Voigtsberger Sagennacht, die von der Kultur GmbH und dem Förderverein Schloss Voigtsberg gestaltet wurde.