SAEK-Medienmacher suchen neue Wege

Mit Medien umzugehen wissen, das will gelernt sein. Als guter Kompass hierfür gilt seit vielen Jahre der Sächsische Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK). Ab Sommer soll es die neun sächsischen SAEK-Standorte nicht mehr geben. "Das möchte ich mir nicht vorstellen", sagt der Plauener SAEK-Chef André Zühlke.

Von Cornelia Henze

Plauen Die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) hat dem SAEK das Ende beschieden. Die staatliche Förderperiode läuft zum Sommer 2021 aus und wird nicht verlängert. Hintergrund ist, dass private Radioveranstalter, wie beispielsweise Hitradio RTL oder Radio PSR, die zu den Gesellschaftern des SAEK-Förderwerkes in Sachsen gehören, austreten und somit nicht mehr die Finanzierung der rein unkommerziell arbeitenden SAEK-Standorte gesichert ist. "Ich sehe die große Gefahr, dass in Sachsen ein Vakuum in Sachen Vermittlung von Medienkompetenzen entsteht", sagt Robert Helbig, Geschäftsführender Gesellschafter der den SAEK-Standorten übergeordnete Betreiberfirma edmedien GmbH.
An neun Standorten führen die beim SAEK angestellten Medienexperten medienpädagogische Arbeit durch - an Schulen mit Jugendlichen, mit Erwachsenen in Workshops. Ein fettes Lob gibt es von Robert Helbig für die Arbeit der drei Plauener SAEK-Mitstreiter André Zühlke, Kevin Meinel und Marie-Therese Stedry. An keinem der neun Standorte gehe Medienarbeit so territorial in die Breite wie dort. "Weiße Flecken", bis zu denen noch nie ein Kamerateam vorgedrungen ist, gebe es im Vogtland nicht. Auch in die abgelegenste Schulen auf dem Dorf kam das Medienteam bisher, um mit Kindern und Jugendlichen Filme zu drehen, Hörspiele und Podcasts zu produzieren sowie ihre Freude und Verständnis im Umgang mit Medien zu wecken.


Gerade in jetziger Zeit, in der junge Leute im Mediendschungel zwischen Instagram, Facebook und Co. Orientierung suchen, Nachrichten oft nicht zwischen Fakt und Fake zu unterscheiden vermögen, ist der SAEK dabei, als wichtiger Kompass wegzubrechen. Der Bedarf nach Orientierung sei groß, sagt André Zühlke und verweist auf die Top-Themen des Interesses, weshalb Pädagogen die Experten gerne an Schulen laden: Sie helfen, im Internet verbreitete Fakten auf Glaubwürdigkeit zu checken, zeigen, wie Fakes in Ton und Bild entstehen, indem man sie manipuliert, und sieentzaubern die Aura, die Influenzer und Youtuber umgibt.


Mehrmals haben in all den Jahren die Ausbildungs- und Erprobungskanäle ihren Fokus justiert, sich versucht, neu zu erfinden. Ursprünglich gegründet, um angehende Radiomacher fit für Studium und Beruf zu machen und einen medienkompetenten Nachwuchs heranzuziehen, begann man sich ab 2008 medienpädagogisch stark an Kitas und Schulen zu engagieren. Seit 2018 macht das SAEK verstärkt Erwachsene medienfit in Workshops, Infoveranstaltungen, Podiumsdiskussionen.
Steigen Radiosender als Geldgeber aus dem SAEK aus, weil dieser nicht mehr die ursprüngliche Zielgruppe der Radioleute bedient? Helbig und Zühlke sehen hier einen Grund. Aber könnte das Aus auch damit zusammenhängen, dass Medienkompetenz nicht mehr in der Breite vermittelt werden soll? André Zühlke hebt die Schultern, lächelt und hält sich bedeckt. In jetziger Situation sei es nicht angebracht, sich aus dem Fenster zu lehnen. Dennoch wird nach neuen Wegen, Partner gesucht. Es wird genetzwerkt, um Medienbildung auch nach dem 30. Juni erhalten zu können. Im Umlauf sind derzeit Positionspapiere mit Unterstützerunterschriften - eine Petition sei auf dem Weg, so Helbig. Eine Unterstützerin sieht André Zühlke in der Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas, die zwar nicht unmittelbar Einfluss nehmen kann auf diese landespolitische Entscheidung, jedoch im Bundesausschuss Kultur und Medien sitzt und das Geschehen aus dieser und regionaler Sicht betrachtet. "Das ist äußerst bedauerlich. Ich heiße die Entscheidung der SLM für nicht gut. Gerade in der jetzigen digitalen Zeit sind die Strukturen und Kompetenzen des SAEK gefragt. Bei uns im Vogtland ist der SAEK Plauen ein wichtiger und verlässlicher Partner bei der Vermittlung von Medienkompetenz für alle Altersbereiche. Ich selbst habe schon mit den Medienpädagogen des Plauener Standortes Veranstaltungen durchgeführt und schätze ihre Arbeit und Fachwissen sehr. Deshalb werde ich mich dafür einsetzen, dass die Medienkompetenzzentren erhalten und weiterentwickelt werden. Die Vermittlung von Medienkompetenz gilt es zu stärken und nicht zurückzufahren", so das Statement von Magwas.
Vordergründig gehe es wohl der Landesmedienanstalt nicht darum, Mittel zu kürzen, sondern Geld anders ausgeben zu wollen. Man wolle sich von festen Strukturen vedrabschieden, dafür mehr Einzelprojekte fördern, hat Robert Helbig erfahren. Helbig wie Zühlke hegen Zweifel, ob man mit Einzelprojekt-Förderung den richtige Weg einschlägt, um Medienkompetenz in der Breite zu vermitteln.