Sächsischer Kultusminister besucht Plauen

 

Plauen - "Produktives Lernen" ist ein fünfjähriges Pilotprojekt, zu dem sich das Land Sachsen als eines der letzten Bundesländer entschlossen hat.

 

Im Sommer startete dieser alternative Lernweg vor allem für abschlussgefährdete Schüler. Am 18. Januar wird sich der Sächsische Kultusminister Prof. Dr. Roland Wöller in Plauen ein Bild vom Verlauf des ersten Trimesters machen.

Er wird Praktikumsbetriebe besuchen und in Gesprächen die Schüler nach ihren eigenen Erfahrungen befragen. Außerdem steht ein Besuch der Dr.-Chr.-Hufeland-Mittelschule, in den Räumen der ehemaligen Schule in der Friedrich-Engels-Straße an, um den Teilnehmern direkt beim Lernen über die Schulter zu schauen. "Ich bin nach wie vor absolut überzeugt von den Projekt", sagt Lehrerin Bärbel Schönknecht. Es sei eine Möglichkeit, den richtigen Weg mit Interesse zu finden und den nötigen Ehrgeiz zu entwickeln. An zwei Tagen in der Woche findet der Unterricht statt, bei dem gemeinsam mit drei Lehrkräften Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften aber auch Gesellschaftswissenschaften und Kommunikation behandelt werden. An den drei anderen Wochentagen findet das Praktikum in den jeweiligen Betrieben statt.

Für die Klassenstufen acht und neun gilt dieses Bildungsangebot und soll einen Beitrag zu einer Schulreform leisten, die wichtige pädagogische Ziele verfolgt. Das Lernen soll in Inhalten und Methoden individualisiert werden, es soll lebensverbunden sein, erkennbar sinnvoll werden und sich mit selbstgewählten Themen befassen, die zur Entwicklung konkreter Anschlussperspektiven beitragen sollen. Für die Entwicklung der Wirtschaft in der Region, aber auch die einzelnen Lebenswege sei dies von großer Bedeutung.

"Praktikumsplätze müssen sich die Schüler selbst suchen, Dabei ist auch manchmal die Unterstützung der Eltern gefragt", weiß Schulleiterin Simone Heilmann. Vom Kindergarten über Autowerkstatt bis zum CVJM sei eine bunte Mischung der Unternehmen vertreten, die sich beteiligen. In manchen Firmen werde sich auch ganz besonders um die Praktikanten gekümmert, so sei auch der Lerneffekt ein erheblich höherer und der Bezug zu theoretisch erlerntem Wissen. Wichtig sei jedoch ein Ansprechpartner und auch etwas Zeit, um Fragen zu beantworten und Abläufe zu erklären. Einen besonderen Verwaltungsaufwand bedeute dies allerdings für keine der Firmen.

Diesen habe eher die Schulleiterin und legt einen prall gefüllten Ordner auf den Schreibtisch. "Das ist aus etwa einem Jahr und kommt ja zusätzlich zu dem Geschehen hier in der Hufelandschule. Aber es läuft so positiv, auch das Feedback der Eltern ist ganz toll, deshalb ist das schon in Ordnung. Die 14- bis 18-jährigen Schüler haben sich zu einer netten Truppe zusammen gefunden und haben ein gutes Verhältnis. Die Eltern sind teilweise ganz erstaunt über die positive Veränderung ihrer Kinder.

 

Die teilweise angespannte Lage zu Hause habe sich gelöst, weil die Kommunikation wieder besser funktioniere und die Mädchen und Jungen oft ganz von selbst das Gespräch suchen und über den Tag berichten möchten", so Heilmann. Auch die Resonanz zum Elternabend sei groß gewesen. Alle seien gekommen, viele haben sich sogar bedankt. Ein häufiger Streitpunkt seien früher die Noten gewesen. Durch die Trimesterberichte - nach jedem viertel Jahr gibt es eine zweiseitige schriftliche Bewertung - und die schülerfreundliche Punkteverteilung, habe sich auch dieser Leistungsdruck gelegt. 20 Jugendliche starteten im Sommer ihren neuen Weg, nur drei sind ihn bisher nicht mitgegangen. Die restlichen 17 kämpfen und wollen sich nicht unterkriegen lassen. Zu Beginn des nächsten Schuljahres wird eine zweite Klasse eröffnet.  S. Rössel