Sachsen stellt Fördermittel in Aussicht

Plauen - Für sein Engagement in Sachen Arbeitsplatz-Sicherung in Plauener Unternehmen zollt Gewerkschafter Stefan Kademann Ministerpräsident Stanislaw Tillich Respekt.

 

Fast schon lobend äußert sich der Bevollmächtigte der IG Metall Südwestsachsen, Stefan Kademann, über "seinen" Ministerpräsidenten. Tillich habe sich "gut und mutig" über die soziale Verantwortung großer Konzerne geäußert, die bei mittelständischen und kleineren Unternehmen, die in ihren Regionen verwurzelt sind, wesentlich ausgeprägter sei.

 

Sowohl während des Podiumsgespräches im Malzhaus, als auch am Rande der Einweihung des Wende-Denkmales am Donnerstag, hatte Tillich aus seiner Verärgerung kein Hehl gemacht, dass die Konzernspitze von Philips im niederländischen Eindhoven bisher nicht auf die Gesprächsangebote der sächsischen Regierung und ihm selbst reagiert habe. Beschäftigte von Narva und Manroland in Plauen hatten die breite Öffentlichkeit bei der Denkmal-Einweihung genutzt, um mit Transparenten und Spruchbändern auf den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen in ihren Unternehmen aufmerksam zu machen.

Er glaube durchaus, dass es Tillich wichtig sei, den Standort Plauen für beide Unternehmen perspektivisch zu erhalten, sagt Kademann. Schließlich habe er Fördermittel in Aussicht gestellt, wenn in der Region in Spitzentechnologie investiert werde. Und: Erstmals habe der Ministerpräsident in der Öffentlichkeit das Engagement der Gewerkschaften erwähnt. "Ehrlich gesagt hätte ich gar nicht damit gerechnet, dass er sich an diesem Tag zu diesem Thema äußert", zollt der Gewerkschafter Respekt. Damit habe sich Tillich ziemlich weit hinaus gelehnt.

Kademann fügt hinzu, dass auch die Gewerkschaft einen weiteren Brief an die Eindhovener Konzernleitung gerichtet habe. "Wenn die sich nicht zucken, werden wir Möglichkeiten finden, dass sie herkommen." Selbst die Frage, wer denn die konkreten Ansprechpartner, also letztlichen Entscheidungsträger sind, werde ausweichend beantwortet, ärgert sich Kademann. Von Generalmanager Gerhard Kwade fehle derzeit jede Spur und Narva-Betriebschef Gerhard Liebscher in Plauen sei lediglich der ausführende Arm. "Dass der sich in seiner Rolle wohlfühlt, kann ich mir nicht vorstellen", so Kademann.

Die Stimmung bei Narva beschreibt er als eine Mischung aus Frust und Resignation mit einer Spur Maschinenstürmerei. Dass bereits Wagenladungen mit Anlagen das Plauener Unternehmen verlassen hätten, kann er nicht bestätigen. Dabei handelte es sich um eine alte Fließreihe, die im Gewerbegebiet Neuensalz eingelagert war und nach Polen geschafft wurde. Hinsichtlich des für die Demonstration gewählten Hintergrundes - die Denkmaleinweihung - sagt Kademann, man habe ein wenig Bedenken gehabt, als Störenfriede abgestempelt zu werden. Deswegen habe man bewusst auch nur den Fußweg benutzt. "Wir alle sind stolz auf das Denkmal". Damals haben ganz viele Menschen für die Freiheit gekämpft, jetzt müssen wir darum kämpfen, uns die Freiheit finanziell leisten zu können".