Sabine Zimmermann attackiert Enka-Werkleiter Bartsch

Jetzt gibt es zwei getrennte, ja konkurrierende Wachen für die Spinndüsen in der Elsterberger Enka - und die Wachen passen außerdem aufeinander auf:

Bartsch will nach eigenen Worten die 45 000 Platin-Düsen sichern, die einen Materialwert haben von vier Millionen Euro. Deshalb habe er auch das Schloss am Freitag ausgewechselt - unter den Augen der schadenfrohen Mahnwache, die sich über jede Schwierigkeit bei der Schloss-Montage gefreut hat.

Die Enka-Mitarbeiter hatten am Donnerstag verhindert, dass Bartsch die Düsen abtransportieren lässt - angeblich an einen sicheren Ort. Doch für die Mitarbeiter und den Betriebsrat sind die Düsen unverzichtbar, die Viskose-Produktion wieder anzufahren: Das ist ihr Ziel, obwohl (oder gerade weil) die Enka-Führung in Wuppertal beschlossen hat, den Standort Elsterberg zum 30. Juni zu schließen: Damit würden 380 Leute arbeitslos.

Die Schließung des Elsterberger Werkes, das nach offiziellen Angaben Gewinne macht, würde zugunsten eines Schwesternwerkes im bayerischen Obernburg erfolgen. Sabine Zimmermann, DGB-Regionsvorsitzende und für die Linke im Bundestag, besuchte am Freitag die Mahnwache der Enka-Leute. Nach ihrer Einschätzung will Werkleiter Bartsch weder den Standort erhalten noch setzt er sich für die Beschäftigten ein. "Er will die Belegschaft spalten - aber die Leute lassen sich nicht spalten", sagt sie auf Anfrage des Vogtland-Anzeigers.

Was entgegnet der attackierte Bartsch? "Ich vertrete als Geschäftsführer die Interessen unserer Gesellschaft und arbeite an einem alternativen Konzept für den Standort, bei dem es um 120 Arbeitsplätze geht. Allerdings kann ich im Augenblick nichts weiter dazu sagen. Aber mit diesen Fakten sind beide Vorwürfe widerlegt", sagt Bartsch auf Anfrage unserer Zeitung.

Frau Zimmermann lobte bei ihrem Besuch die Mahnwache der Beschäftigten: Man müsse wachsam sein. "Ich habe schon mal erlebt, wie ein Betrieb in Solingen über Nacht nach Treuen verlagert wurde. Hier hat man Fördermittel abgefasst und die Einweihung mit viel Brimborium gefeiert - und Pläne geschmiedet, nach Tschechien abzuwandern."

Die DGB-Chefin bezeichnete es als einzige Chance, den Standort zu retten, wenn die Viskoseproduktion bleibt. "Eine neue Linie aufzubauen ist unmöglich in der Kürze der Zeit. Deswegen müssen die Beschäftigten zusammenstehen. Der Werkleiter hält die Leute nur hin."

Was sagt Werkleiter Bartsch? "Ich hoffe auf Dienstag, wenn der Betriebsrat der Geschäftsführung sein Konzept zur Fortführung der Produktion vorstellt. Dann wird man die Situation klarer sehen." ufa