Russo kennt Täter als "Reichsbürger"

Der Mann, der die Grünenpolitikerin Agnes Russo mit einer Waffe bedrohte, sitzt seit Montag in der Psychiatrie. Ein Haftbefehl wurde gegen ihn nicht erlassen.

Plauen - Laut Polizei sei die Tat nicht politisch motiviert gewesen, der 31-Jährige habe persönliche Differenzen mit Agnes Russo als Grund angegeben und die Tat gestanden, heißt es von der Polizei. Die Bundestagskandidatin vermutet aber weiter einen rechtsradikalen Hintergrund und verweist auf die so genannten Reichsbürger. Diese erkennen Staat und Verfassung der Bundesrepublik Deutschland nicht an, behaupten, das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 bestehe fort, leugnen den Holocaust und verbreiten rechtes und völkisches Gedankengut, gründen Fantasiekönigreiche und das so genannte "Deutsche Polizei Hilfswerk".

Nach Recherchen unserer Zeitung gebe es auch im Vogtland Reichsbürger-Strukturen. Mitunter machen sie mit gesprühten Grafittis "BRD Lüge" auf sich aufmerksam. Mit einem der führenden Köpfe aus Plauen hat Agnes Russo etwa ein Jahr lang eine Villa in Mehltheuer bewohnt. Dort habe es Zusammenkünfte der Reichsbürger und deren Sympathisanten gegeben, weswegen sie, als Politikerin einer demokratischen Partei, als Störfaktor im Haus empfunden und schikaniert worden sei. Der Mann, der sie am Sonntag mit einer Waffe bedrohte, sei ein Freund dieses Mitbewohners. Auch er gehöre wohl den Reichsbürgern an.

Laut Polizei ist der 31-jährige Plauener auch verantwortlich für zwei Verwüstungen in Plauen: In der vorigen Woche schlug er mit dem Hammer Parkscheinautomaten und Schaukästen ein (Schaden: 9000 Euro), kurz zuvor warf er wie von Sinnen Hausrat aus einer Wohnung in der Beethovenstraße. Seine Taten gipfelten in der Bedrohung von Bundestagskandidatin Agnes Russo: Er führte zwei Schreckschusspistolen und ein Softair-Gewehr mit sich. cze