Russische Seele wird ertränkt

Katrin Weber, Tom Pauls und Detlef Roche sind Teil der Elite des sächsischen Kabaretts und des unbekümmert heiteren Show-Business im Dreieck Leipzig, Dresden und ihrer vogtländischen Fanhochburg Plauen. Die Bude, diesmal die Festhalle (die war bis auf den letzten Stuhl besetzt), funktionierten die Stars des Abends kurzerhand in ein florierendes Etablissement russischer Prägung mit russischem Personal und russischem Akzent um. Sofas, Plüsch, Rotlicht, Parfümduft, Wodka satt, Musik, schöne Frauen im Angebot. Das spezielle Wort dafür wagte der Chef des Hauses gar nicht recht auszusprechen. Das übernahmen dann ein paar Leute im Publikum: Puff.

Ach, wurde das schön im Puff und weil das Wort so schön kurz und knapp und verboten über die Lippen kam, benutzte es Pauls alias Semjon Alexandrowitsch, der Besitzer des Clubs inflationär und immer wieder mal und er begrüßte die zahlreichen deutschen Gäste, das Publikum also, während er seinem Kollegen Detlef Rothe alias Kusma, einem müde und abwesend wirkendem Mann mit Pistole und mit so was von geschmeidigen Händen auf dem Klavier, die "Germanski" schmackhaft machte: "Die kjommen diesmal in guter Absicht", wurstete er in perfektem Gebrochenrussischdeutsch.

Wortspiele satt gab es zu hören, Drehungen, Verwicklungen und Sätze wie "die Frauen sind den Männern gleich und manchmal auch berechtigt. Dass man beim Wodka trinken nicht nur ein Mal auf das Wohl anstoße, weil der Mann eben nicht auf einem Bein stehen solle, entlockte Kusma den ehrlichen Wunsch: "Ich wäre gern ein Tausendfüßler." Die russische Seele wurde ein ums andere Mal ertränkt mit dem edlen hochprozentigen Gesöff, die Zungen lösten sich und die Gesänge mit Klavier und Balalaika wurden, je länger der Abend, schöner und sanfter.

Aber da. Aus dem Hintergrund traten immer wieder schöne, geheimnisvolle, naive, gerissene, erfahrene Frauen mit Figuren, die in herrlichen Kleidern und Kostümen wie gemalt erschienen, auf. Es geschah dies Dank der Katrin Weber, die als Claudet ebenso wunderbar Männeraugen und deren Fantasie anregte wie als Olga (mit einem Gesäß so groß und schön wie die Wolga, so ihr Herr und Gebieter Semjon).

Die Weber lief auf zu Hochform und großer Lust am Spielen, mit dem Publikum kokketierend, singend mit einer warmen vollen Stimme und Klaviermann Kusma ersetzte dazu für sie zur Unterstützung glatt ein ganzes Orchester mit Leichtigkeit, Klang und Fülle. Mit der gesungenen Geschichte von Omsk, die Stadt nah bei Imsk, nicht weit von Emsk und dann auch noch Umsk baute die Kabarettistin einen Klassiker ein. Und sie erzählte tief und seelisch russisch klingend über die Entstehung von Stroganoff, dem zerteilten Fleischfilet im einstigen Zarenreich.

Die unaufgeregte Stimmung, die feinen bis derben Witze, die das eingespielte Team den Zuschauern zum Vergnügen schenkten, nahm das Publikum vollends mit. "Das ist einfach eine Freude, dem Trio zusehen und zuzuhören", meinte auch Besucherin Helke-Maria Rosenthal.

Die Plauenerin war, kein Zufall, wieder sehr gespannt besonders auf Katrin Weber. Rosenthal ist Schulleiterin der Grundschule Kuntzehöhe, die früher Juri Gagarin Schule hieß und die erste Lehreinrichtung der gebürtigen Plauenerin Katrin Weber war. "Das ist schon schön, sie so wieder zusehen. Man merkt gleich, sie hat bei uns im Musikunterricht ihre ersten Fortschritte beim Singen gemacht und was daraus geworden ist - wunderbar", lobte die Pädagogin lächelnd.

Das Heimspiel der Weber mit ihren Kollegen gewannen die, klar, haushoch, sie lebten im Russenpuff mit den Leuten einen entspannten, locker leichten Abend aus und tranken noch einen Wodka. Na strowje (auf die Gesundheit)!