Rückzug: SVV Plauen geht in die zweite Liga

Paukenschlag beim SVV Plauen - die neue Bundesliga-Saison wird ohne Plauener Beteiligung ausgetragen. Die Wasserballer gehen in der kommenden Spielzeit in der Zweiten Liga an den Start. Der Rückzug hat mehrere Gründe.

Plauen - Das Präsidium des Schwimm-Vereins "Vogtland" Plauen lud am Sonntagabend seine Sponsoren und Unterstützer zu einem außerordentlichen Treffen ein. In der aktuellen Bundesliga-Saison läuft es für die Vogtländer zwar wie am Schnürchen, dennoch informierte die Vereinsführung über die bevorstehenden Herausforderungen - und den Rückzug in die zweite Liga. 
Mit Tabellenplatz sechs in der DWL-Gruppe A haben sich die Plauener im bundesweiten Wasserball mittlerweile einen festen Namen gemacht und den Klassenerhalt souverän gesichert. Weiterhin besteht immer noch die Möglichkeit auf Tabellenplatz fünf, schließlich werden die Platzierungsspiele gegen den SSV Esslingen erst Ende April/Anfang Mai ausgetragen.
Trotz der schon jetzt besten Saison der Vereinsgeschichte und dem Rückhalt durch Umfeld, Stadt und Sponsoren verkündete SVV-Präsident Ralf Bräunel eine Entscheidung, die keinem im SVV-Vorstand leicht gefallen ist: "Trotz unserer guten sportlichen Leistungen sind wir zum Entschluss gekommen, für die kommende Saison keine Erstliga-Mannschaft zu melden."
Die Gründe dafür sind vielfältig. Seit sechs Jahren spielen die Vogtländer im deutschen Wasserball-Oberhaus mit einer Mannschaft, die neben erfahrenen Plauener Wasserballern, talentierten SVV-Eigengewächsen und Verstärkung aus In- und Ausland eine Leistung abgerufen hat, die bundesweit ihres Gleichen sucht. SVV-Präsident Ralf Bräunel fährt fort: "Wir, mit unserem 500 Mitgliedern, haben es geschafft gegen Vereine beispielsweise aus den Ballungsgebieten, zu bestehen, die an die 10 000 Mitglieder haben. Im Bundesdurchschnitt sind bei Erstliga-Begegnungen 200-300 Zuschauer im Bad, bei uns waren durchschnittlich über 400. Es gibt viele Beispiele, in den letzten sechs Jahren, auf die wir mit großem Stolz zurückblicken. Dies war aber nur möglich, weil alles zusammengepasst hat. Nun stehen wir vor diversen Herausforderungen, die wir nicht ohne Weiteres stemmen können, sodass wir uns frühzeitig zurückziehen, keine unabsehbaren Risiken eingehen und in einigen Jahren gestärkt aus dieser Phase zurückkommen wollen." 
Die größte Herausforderung, die der Präsident sieht, besteht darin eine konkurrenzfähige Mannschaft an den Start zu bringen. Bräunel: "Wir hatten ohnehin eine recht dünne Spielerdecke und haben weitere Abgänge zu verzeichnen. Leider gibt es die Situation in unseren Jugend-Teams nicht her, mit eigenen Spielern aufzufüllen, wodurch wir in einer Elite-Liga wie der Gruppe A keine Chance hätten. Weitere Verstärkung einzukaufen ist für uns keine Option, da wir nicht mit einer reinen Legionärstruppe antreten wollen. Wir erachten es für wichtiger, uns nun vollkommen auf die Jugendarbeit zu konzentrieren und streben in einigen Jahren wieder den Aufstieg ins Wasserball-Oberhaus an." 
Hinzu kommen wirtschaftliche Risiken, die der SVV-Vorstand nicht abschätzen kann: "Wir im Präsidium haben nicht nur die Verantwortung für den Bundesliga-Wasserball, sondern auch für alle anderen Sparten des SVV. Wir werden mit dem Etat der ersten Mannschaft keine Risiken eingehen, die den gesamten Verein in Schieflage bringen könnten."
Sichtlich bewegt ergänzte Cheftrainer und Macher des Erfolgs, Jörg Neubauer: "Seit 2007 leitete ich die Mannschaft und wir haben grandiose Erfolge gefeiert. Dass das nun im kommenden Jahr nicht mehr so sein wird, fällt nicht nur den Jungs schwer zu glauben, sondern auch mir. Doch diese Entscheidung ist die richtige, denn für uns ist es am wichtigsten, dass wir uns im Guten trennen und uns nicht aufgrund sportlicher Misserfolge im Verein menschlich entzweien. Nun heißt es für uns, nicht mit Trauer in die Zukunft zu schauen, sondern mit Stolz auf die Vergangenheit." 
Neubauer selbst wird nicht mehr als Trainer der Zweitliga-Mannschaft am Beckenrand stehen - "aber im Hintergrund weiter für den Verein tätig sein". Offen sei die Nachfolger-Frage: "Über diese Details reden wir  in den kommenden Wochen", so Neubauer. 
Unter den Zuhörern war auch Plauens Sport-Bürgermeister Steffen Zenner: "Die Entscheidung macht mich nicht nur als Sport-Bürgermeister, sondern auch als Fan traurig. Dennoch habe ich großen Respekt vor der Entscheidung des Vorstands. Die Stadt wird den Wasserball-Sport in Plauen unabhängig von der Spielklasse fördern und es werden keine Einschränkungen bei Trainingszeiten zu befürchten sein." 
Bis zum Sommer erarbeiten die SVV-Verantwortlichen ein Konzept, wie der Spielbetrieb, die Jugendarbeit und die wirtschaftliche Sicherung in den kommenden Saisons aufgestellt werden. Der Kern des neuen Teams wird aus den jetzigen Zweitliga-Spielern bestehen, aus Akteuren des U 18-Teams und aus dem einen oder anderen Spieler der (noch-)Erstliga-Formation. 
Als Abgänge standen bereits vor der Entscheidung Torhüter Gianmarco Serio und Akos Parkanyi fest. Die Mannschaft habe erst am Sonntag unmittelbar vor Sitzungsbeginn von der Entscheidung der SVV-Verantwortlichen erfahren. "Dementsprechend ist bei allen derzeit noch der Findungsprozess angesagt", so Neubauer. 
Bei aller Trauer erinnerten sich am Sonntagabend viele Anwesende daran zurück, als das "kleine Plauen" den Sprung in die höchste Spielklasse Deutschlands geschafft hatte und langfristig soll sich diese Konstellation auf einer wirtschaftlich, soliden Basis, mit engagierter Jugend-Arbeit und vielleicht auch mit einer verbesserten Sportstätten-Situation wiederholen.  Felix Winkler / M. W.