Rudy Rotta hasst Italopop

Plauen - Rudy Rotta sagt, er ist ein Künstler, einer im Leben und einer im Ausleben in der und im Ausdrücken von Kunst. Im Malzhauskeller lebte der Musiker auf mit seinem Können, seiner Hingabe an der Gitarre und in kraftvollen Liedern Marke Rhythm and Blues. Wenn nur die Plauener ein bissel eher und etwas mehr aus der Hüfte kommen würden. Da reist ein Musiker aus dem fernen Italien an, steckt seine Gitarre an den Verstärker, zählt den Takt ein und die Combo, drei junge Burschen an Bass, Keyboard und Schlagzeug, legen los, als ob sie direkt aus einem der legendären Rockschuppen der Welt ins verträumte Plauen eingeflogen worden seien. Und? Mit einem Sicherheitsabstand von drei, vier Metern vor der Bühne schauen die Besucher zu, lauschen. Schüchtern fast. Gut, der Beifall ist wohlwollend und mit jeder Nummer besser werdend. Aber Rudy Rotta muss sich strecken, um den Blues und den Soul seinen Vogtländern zu entlocken. Wobei er sich gar nicht streckt, leicht, leger, entspannt spielen er und seine Männer auf und zaubern soulige, feine und energie-volle Nummern aus ihren Instrumenten - vollendet mit einer rauen bis sanften Rotta-Stimme. Er ist halt selbst ein Kraftwerk. 60 Jahre alt. Mit einer Band unterwegs, deren Mitglieder seine Söhne sein könnten. "Sie sind es irgendwie auch", gesteht der Mann aus Norditalien mit lässiger Stimme und feinem Deutsch - er ist unter anderem in der Schweiz aufgewachsen. "Ich will ja in der Welt unterwegs sein, auf Tour gehen, diese Atmosphäre aufsaugen, mit gleichaltrigen Musikern geht das nicht, die wollen daheim spielen", erzählt Rudy im Backstage-Raum. Daheim ist Verona, die schöne Stadt in Venetien, dort, wo Romeo seine Julia doch nicht bekommen konnte, wegen des Standes und der Politik und der Ungerechtigkeit. Rotta will gar nicht weiter philosophieren über Politik und so. Obschon Musik auch politisch ist und er ein Vertreter aus Italien, dem Land, wo der Staatschef gern "Bunga Bunga macht". "Ach ja, der Berlusconi, das ist schon ein Schlimmer, aber er macht es nicht anders als andere große. Schau den Kennedy an... und in Italien ist es echt nicht sehr gut, schau nur in den Süden." Dafür wird Rudy bestimmter, als er über italienische Klänge spricht. "Ich hasse den Italopop, dieses Gedudel, den langweiligen Mainstream. Mit meinem Rock, meinem Blues kann ich mich nicht als Vertreter Italiens bezeichnen." Mit 13 Jahren begann Rottas Künstlerlaufbahn und nach ein paar Jahren des Kopierens von Mayall bis Otis Reding, seiner liebsten Musik, spürte er, wie die eigene Kraft und Fantasie sich Bahn freilegte, Lieder, Texte, Riffs, Abläufe schaffend. Es folgten Platten, viele Auftritte, oft im Ausland bis in die USA. "Es war und es ist so viel da in mir." Gerade hat er eine neue Platte gemacht, eine, in die so viel Kraft und vor allem Liebe gespeichert ist. "Ich gebe zu, ich hatte in meinem Leben eineinhalb Lieben, die halbe Liebe habe ich in meinen neuen Liedern verewigt." Letztere sei unerfüllt geblieben, Rottas Augen schauen traurig. Umso froher und größer wirken sie dann bei der Show. Rudy Rotta und seine Mannen legen los und leben auf: Enrico Cecconi trommelt so was von gut gelaunt, Peewee Durante streichelt seine Tasten und Renato Marciano zupft den Bass geschmeidig weich wie eine Schaummilchkappe auf einem Espresso. Bella Ialia, bella Soul! fb