Rotstift angesetzt bei Oelsnitzer Musikschule

Oelsnitz - "Die jahrzehntelange musikalische Nachwuchsarbeit des Vogtlandkonservatoriums "Clara Wieck" in Oelsnitz soll dem Geld zum Opfer fallen", befürchtet Ulrike Persing, die Leiterin der Außenstelle in der Oelsnitzer Lutherstraße.

Oberbürgermeister Mario Horn will dem Stadtrat vorschlagen, die Vereinbarung mit Plauen über die Betreibung der Musikschule Oelsnitz zu kündigen. Darüber habe Horn die Direktorin des Plauener Kulturbetriebs, Kerstin Fischer, und den Leiter des Vogtlandkonservatoriums, Jörg Leitz, am Dienstag informiert. Hintergrund: Oelsnitz muss sparen - betroffen wären 237 Schüler.

In Oelsnitz profitieren die Oberschule und das Mosen-Gymnasium mit ihren Bläserklassen, Mosen's Brass Band und die Stadtkapelle vom Unterricht an der Musikschule. Für Furore sorgte jüngst der 1. Bundespreis bei "Jugend musiziert" von Julia Fischer - einer Oelsnitzer Posaunistin. "Diese Arbeit soll nun einem Geldbetrag geopfert werden, der in einem städtischen Haushalt eher unbedeutend ist", ärgert sich Frau Persing.

Die Nachricht, dass der Stadtrat am 17. Juni über die Zukunft der Oelsnitzer Musikschule abstimmen soll, habe die Leitung des Vogtlandkonservatoriums völlig unvorbereitet getroffen. OB Mario Horn war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er ist zwei Tage dienstlich unterwegs, hieß es im Rathaus. Innerhalb der Haushalt-Konsolidierung müssen alle Ausgaben und Einnahmen auf den Prüfstand, erklärte Hauptamtsleiter Kai Peter. Beim jährlichen Eigenanteil der Stadt für die Musikschule handle es sich ab 2016 um einen Betrag von 90.000 Euro. Die Beträge klettern laut Peter kontinuierlich - auf Grund steigender Personalkosten.

"Herr Peter verwechselt Planzahl und tatsächliche Abrechnungssumme, die lag 2014 bei 65.000 Euro", hält Kerstin Fischer, die Chefin des Plauener Kulturbetriebs, dagegen. Die Differenz ergibt sich aus Mehreinnahmen und Minderausgaben. Das Konservatorium habe der Stadt Oelsnitz dargelegt, wie künftig mit steigenden Kosten umgegangen werden soll. "Wir schließen eine geringfügige Gebührenerhöhung nicht aus", sagt Frau Fischer.

Das Ende der Zusammenarbeit - worüber die Oelsnitzer Stadträte befinden müssen - hätte weit reichende Folgen. "Der Unterricht in Plauen und Oelsnitz, Ensemblearbeit und Veranstaltungen sind eng verflochten. Vieles wäre nicht mehr durchführbar, ein umfangreiches Angebot in hoher Qualität nicht mehr vorhanden", gibt Frau Fischer zu bedenken, Lehrkräften würden Änderungskündigungen bevorstehen, den Schülern Lehrerwechsel. R.W.