Rosamundes Traummann ist der König

Der Name Sebastian scheint irgendwie das Schicksal von Stefan König zu sein. Der gebürtige Plauener wurde einer ganzen GZSZ-Fangemeinde als Sebastian Winter bekannt. Diesen Sonntag spielt er im ZDF-Herzkino in Rosamunde Pilchers "Wie verhext" die Jugendliebe von Grace (Jördis Richter): Sebastian Brody.

Plauen "Du bist aber auch so ein Sebastian!" Den scherzhaft gemeinten Satz hat Stefan König (35) schon oft von Schauspielerkollegen und Freunden hören müssen. Und in der Tat: Schon drei Mal schlüpfte der Serien-Darsteller in die Rolle eines Mannes dieses Namens. Und immer waren das romantische Typen. Die Filmszene spricht vom "Love interest", wenn es um den gut aussehenden Lover, den sympathischen, zärtlichen, liebevollen Typen geht. "Ich spiele gern den romantischen Typen, das Rollenfach liegt mir", sagt der Mittdreißiger, der in Plauen aufwuchs, aber seit dem Abi, das er in Berlin ablegte, in der Hauptstadt lebt. Dennoch bezeichnet sich Stefan König als Vogtländer, Ostdeutscher, ja am liebsten als Europäer. Denn als Seriendarsteller und Werbegesicht verschiedener Marken, das dafür herzuzeigen sich König nicht zu schade ist, hat er zu Drehs die ganze Welt gesehen. Im vorigen November konkret das englische Cornwall, das mit seinen grünen Hügeln und Castles puritanischen Landadels die Kulisse sämtlicher Pilcher-Verfilmungen stellt. Eine Szene aus der ARD-Serie "Ranger" auf dem Demoband und seiner Filmografie im romantischen Rollenfach werden den Ausschlag dafür gegeben haben, dass die Figur des Sebastian Brody mit ihm besetzt wurde, vermutet der Darsteller. Denn wie die Charaktere im "Ranger" ist auch der Sebastian im Herzkino ein Machertyp: Tischler, bodenständig, ehrlich, zuverlässig. "Da steckt einiges von mir drin. Plingpling liegt mir nicht." Für Plingpling zuständig ist Sebastians Gegenspieler Dr. Robert Hayford: Arzt, Traummann. Grundsolider Handwerker trifft auf Frauenheld. Und wie es sich für das Genre Herzschmerz gehört buhlen beide mit ordentlicher Portion Adrenalin und Männlichkeit um die Herzdame. Grace, die sich nach der Prophezeiung einer Wahrsagerin auf die Suche nach dem Traummann namens Robert in der Fremde macht, kehrt in ihre Heimat Cornwall zurück und trifft auf ihre Jugendliebe Sebastian. Und schließlich taucht der vorhergesagte Robert auf, der die Gefühle durcheinanderwirbelt.


Zwei Frauen, zwei Männer, starke Gefühle, eine Prophezeiung und ein Blick in die geheimnisvolle Vergangenheit sind die Zutaten, mit denen Rosamunde Pilcher ihre nun verfilmte Kurzgeschichte "Tea with a witch" würzte - und so recht in die Novemberstimmung Cornwalls, dem Monat der Dreharbeiten, passen, meint Stefan König.
Tags wurde gedreht. Freilich coronabedingt ohne übergroßen Stab am Set. Abends kam man sich näher, beim gemeinsamen Muscheln-Kochen, Wein trinken. Dabei Jördis Richter, Helmut Zierl, Marion Mitterhammer, Oliver Franck. Übernachtet wurde in Cottages, gedreht an rund 25 Tagen in und an einem alten Landhaus. Für Tischler Sebastian wurde eine echte Schreinerei angemietet. Die Infrastruktur für die Filmaufnahmen in Cornwall sei optimal, eben weil alle Pilcher-Filme dort entstehen. König: "Die Landschaft ist atemberaubend, die Steilküste toll, die Herrenhäuser sehr pittoresk."


Einmal in einer Pilcher-Verfilmung mitzuspielen, sei für ihn schon eine große Sache. Von dieser Position aus könnte er sich auch eine Besetzung in einem Inga-Lindström-Liebesfilm vorstellen - oder mal Krimikommissar in einer Serie sein. "Das würde mir total gefallen. Eine Serie gibt Zeit und Raum, eine Rolle langfristig zu gestalten und ich liebe es länger mit dem gleichen Team und Kollegen zusammen zu arbeiten. Mir ist Vertrauen sehr wichtig, gegenüber der Regie und den Kollegen. Dann kann ich mich entfalten", wünscht sich König.


Eine Serie verhilft aber auch zu regelmäßigen Einnahmen. Die fehle manchem Schauspieler, vor allem jenen, die ohne Rollenangebot sich durch Lesungen und Shows on Tour finanziell über Wasser zu halten versuchen. In Coronazeiten ist vieles weggebrochen. Manche haben ihren Rettungsanker als Synchronsprecher gefunden, König in der Werbung - und zum Glück in einigen TV-Produktionen wie "Die blutigen Anfänger", in der der Ex-Plauener einen ehrgeizigen Schwimmtrainer spielt (Ausstrahlung ZDF). Bei allem Verständnis für die finanzielle Situation vieler seiner Kollegen fand Stefan König die Aktion #allesdichtmachen völlig daneben. Die Idee sei in der Theorie gut, in der Ausführung aber destruktiv gewesen. Er hätte sich gewünscht, dass die Kollegen den Menschen und vor allem den in der Pflegebranche Tätigen Mut zum Durchhalten zugesprochen hätten. Was Mediziner und Pflegekräfte leisten, weiß Stefan König nur zu gut aus der eigenen Familie, betreiben doch seine Eltern den Pflegedienst König in Plauen.
Stefan König kann also auch kritisch - und, kaum zu glauben, auch böse. In der Soap "Hashtag Daily" mimt er auf Instagram und Tik Tok den intriganten Hektor für die neuen, jungen Streaming-Konsumenten.

2. Mai, 20.15 Uhr, ZDF: "Rosamunde Pilcher: Wie verhext". Und bereits in der ZDF-Mediathek.
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