Rodewisch: Dr. Grunewald verabschiedet

Nach 40 Jahren verabschiedete das Sächsische Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Rodewisch seinen langjährigen Ärztlichen Direktor Dr. Uwe Grunewald. Sein Nachfolger ist Dr. Dr. Niels Bergemann.

Rodewisch - "Der Herausforderung, nicht mehr gefordert zu werden, hoffe ich, gewachsen zu sein", bekannte Dr. Uwe Grunewald in seiner Abschiedsrede. Mit einem Festakt wurde der Ärztliche Direktor am Dienstag in den Ruhestand verabschiedet und seine Nachfolger ins Amt eingeführt. Dr. Uwe Grunewald lenkte seit 2004 als Chefarzt und Ärztlicher Direktor die Rodewischer Einrichtung. Dort begann für den gebürtigen Glauchauer 1973 sein Wirken. Schon als Schüler stand für Grunewald fest, auf dem Gebiet der Psychiatrie arbeiten zu wollen. "Bei meinen Freunden hat das nur ungläubiges Staunen hervorgerufen", blickte der 66-Jährige zurück.

Nach dem Studium in Jena wollte Grunewald unbedingt in Rodewisch arbeiten. "Die Einrichtung galt schon damals als besonders aufbruchfreudig, reformorientiert und modern in seinen Behandlungskonzepten. Zellen und Zwangsjacken waren hier schon längst abgeschafft", sagte der Psychiater. Sein ganzes Berufsleben lang habe sich Grunewald für die Umsetzung neuer Behandlungskonzepte und Therapien eingesetzt und so zum Beispiel mit der Einführung von geschlechtsgemischten Stationen die Rodewischer Klinik zu einem Vorbild für ganz Deutschland entwickelt, dankte Alf-Rüdiger König, Abteilungsleiter im Sozialministerium, dem scheidenden Arzt, den er als "Teil deutscher Psychiatriegeschichte" bezeichnete.

Aber auch um den Nachwuchs erwarb sich Grunewald hohe Verdienste. 31 junge Ärzte führte er erfolgreich zur Facharztprüfung. "Es ist ein Abschied auf Raten", sagte Verwaltungsdirektor Lothar Bischof. Noch ein Mal pro Woche steht Grunewald auch nach seiner Pensionierung der Klinik im ambulanten Dienst zur Verfügung. Als Nachfolger stellte sich der aus Hessen stammende Privatdozent Dr. Dr. Niels Bergemann dem Klinikpersonal vor. Der 53-jährige, zweifache Familienvater praktizierte bisher als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Bad Arolsen und beschäftigte sich außerdem mit Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Psychosomatrik. "Ich freue mich in Rodewisch auf eine interessante und abwechslungsreiche Tätigkeit", sagte Bergemann. Dabei sei er "auf die Unterstützung des gesamten Personals der Klinik angewiesen". Bergemann beginnt seine Tätigkeit nach dem Umzug seiner Familie Mitte August.

Im Anschluss der Verabschiedung Grunewalds gedachte man in einer Fortbildungsveranstaltung des 50. Jubiläums der "Rodewischer Thesen". Im Mai 1963 fand in Rodewisch das "Internationale Symposium über psychiatrische Rehabilitation" statt, auf dem die "Rodewischer Thesen" als "erstes sozialpsychiatrische Dokument auf deutschem Boden", wie es Psychiater Klaus Dörner nannte, verabschiedet wurden. Es wurden dabei erstmals Forderungen nach einer auf berufliche und soziale Wiedereingliederung ausgerichteten psychiatrischen Praxis formuliert. Auf diesem Dokument basiert die Entwicklung der Psychiatrie.