RNJ-Auflösung eher symbolisch

Ein vogtlandweites Bündnis aller demokratischen Kräfte will den Trauermarsch der Neonazis zu einem Trauerspiel der Rechten werden lassen.

Plauen - Für diesen wahrhaften Zungenbrecher wird es sich wohl eine griffige Abkürzung einfallen lassen müssen - das Team von der Kontakt- und Koordinierungsstelle des Runden Tisches für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage im Vogtland. Bis vor kurzem auch als "Kontaktstelle Move gegen Rechts" bekannt, mit Sitz in der Dobenaustraße. Was aber eben so nicht ganz stimmt.

"Das Bild von Move hat sich gewandelt, wir haben uns verbreitert", sagt der Vorsitzende Jörg Menke und schiebt die Begründung für den sperrigen Namen nach. Am Runden Tisch sind alle Organisationen und Parteien vertreten und man sei ja auch bestrebt, "alle mitzunehmen". Und nein, es gibt keine Befindlichkeiten zwischen Rundem Tisch und Aktionsbündnis, beteuert Menke. Es gäbe natürlicherweise verschiedene Interessen und Ansichten und wer "aktionsbetont" gegen die Neonazis protestieren möchte, der werde sich am Bündnis orientieren.

Menke erinnert an den Protest der Demokraten gegen den Trauermarsch im Vorjahr. Die zentrale Kundgebung unter Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters fand auf dem Altmarkt statt, danach riefen verschiedene Gruppierungen zu eigenen Protesten auf - ebenso laut wie bunt und ideenreich fanden sich über 2000 Menschen auf dem Theaterplatz ein, um die in Sicht- und Hörweite marschierenden Neonazis gebührend zu empfangen. Wichtig, und darin sieht Menke auch die neue Qualität der Arbeit, sei, dass man sich als vogtlandweites Bündnis verstehe.

Wohl wissend, dass die Neonazis gerade im ländlichen Raum auf Stimmen- und Köpfejagd sind. Auf den für 13. April geplanten so genannten Trauermarsch der Rechten angesprochen, avisiert Menke ein Treffen des Aktionsbündnisses am Freitag und eine Zusammenkunft des Runden Tisches unter Regie von Superintendent Matthias Bartsch am 1. März.

Dass hinter dem privaten Anmelder des Neonazi-Marsches die Revolutionäre Nationale Jugend (RNJ) stecke, davon sei auszugehen, sagt auch Projektkoordinatorin Katrin Siegel. Zwar habe sich die RNJ im Sommer vorigen Jahres selbst aufgelöst, nachdem es Hausdurchsuchungen gegeben habe, aber das sei wohl nur ein symbolischer Akt gewesen.

Die RNJ war sowohl bei jüngsten Aktionen in Wunsiedel dabei als auch bei den Vorfällen am Totensonntag in einem Auerbacher Ortsteil. Und auch die Kundgebung am Dittrichplatz gehe wohl auf das Konto der RNJ. Deren harten Kern beziffert sie auf 20 bis 30 Leute, die wiederum Verbindungen halten zum "Freundeskreis Udo Voigt" in Reichenbach und dem "Freien Netz Süd" - letzteres vor allem aktiv im Raum Hof und Wunsiedel, aber auch mit Kontakten ins Erzgebirge. Dem "Freien Netz Süd" wiederum ist auch der derzeit noch in Haft befindliche Toni Gensch zuzurechnen, der über Mittelsmänner eine Immobilie in Oberplex kaufen ließ, die inzwischen zur Rechten-Hochburg mutierte und auch von vogtländischen "Kameraden" gern genutzt wird.

Besagter "Freundeskreis Udo Voigt" macht bereits mit der Namensgebung klar, wohin die ideologische Reise geht. Hardliner Voigt war Vorgänger des derzeitigen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel, der unter den Anhängern Voigts als zu "gemäßigt" gilt. Unterdessen haben die Rechten nie ein Hehl daraus gemacht, den Trauermarsch in Plauen zu einer "Tradition" werden zu lassen.

Das mag regionale Aspekte haben - die Nähe zu anderen Gruppierungen im Erzgebirge und Oberfranken, wohl aber auch die Hoffnung, dass das Vogtland Nährboden für rechte Parolen bieten könnte. Denn die Region sei ländlich geprägt, gerade in den Dörfern sitzen in den Gemeinderäten relativ wenige Parteienvertreter, die Arbeitslosigkeit sei vergleichsweise hoch und der Weggang junger Leute sei noch lange nicht gebremst, sagt Matthias Eulitz vom DGB Südwestsachsen. T. Piontkowski