Ritterschlag für Brücke

Die Göltzschtalbrücke ist das Wahrzeichen des Vogtlands. Nun soll die weltgrößte Ziegelsteinbrücke höchste Weihen erhalten: Reichenbach stellt Antrag für die Liste der Weltkulturerbestätten der UNESCO.

Von Uwe Faerber

Reichenbach/NetzschkauEin Ingenieurbüro für Industriearchitektur aus Darmstadt erarbeitet bis Ende November einen Antrag, mit dem die Stadt Reichenbach bis 31. März 2021 in Dresden vorstellig wird. Das hat der Reichenbacher Stadtrat am Montag beschlossen.
Mit diesem mehr als 50.000 Euro teuren Auftrag ist die Hoffnung verbunden, das Sächsische Ministerium für Regionalentwicklung unter Thomas Schmidt möge die Brücke - nach Prüfung durch Experten - der Kultusministerkonferenz vorschlagen. Dieser obliegt Ende des kommenden Jahres die Entscheidung über die Vorlage bei der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit Sitz in Paris.
Allerdings sind hohe Hürden auf dem Weg zur Anerkennung als Weltkulturerbe zu meistern - der "Papierkrieg" dauert Jahre. Möglich, dass zum Beispiel empfohlen wird, bei der Bewerbung die Elstertalbrücke bei Jocketa als "Schwesternbauwerk" mit ins Boot zu holen.
Jedes Bundesland hat das Recht, zwei Welterbe-Kandidaten vorzuschlagen. Aus den 32 Vorschlägen werden zwei deutsche Bewerber gekürt, die sich schließlich gegen internationale Bewerber durchsetzen müssen. Ein UNESCO-Gremium entscheidet am Ende - wie zu hören ist, frühestens 2026.
Gestern stellte Oberbürgermeister Raphael Kürzinger die Pläne an der Göltzschtalbrücke vor: Das 78 Meter hohe Viadukt mit 98 Bögen überspannt das Tal der Göltzsch zwischen dem Reichenbacher Ortsteil Mylau und der Stadt Netzschkau als Teil der Bahnstrecke Leipzig-Hof.
Netzschkaus Bürgermeister Mike Purfürst lässt keinen Zweifel, dass er die Bewerbung unterstützt. Er macht mit bei einen Zweckverband für die Brücke: Es geht um die Verschönerung des seit Jahren kritisierten Umfelds, um den Bau von Toiletten und die Organisation von Veranstaltungen.
Die von 1846 bis 1851 errichtete Göltzschtalbrücke gehört zu den ältesten Zeugen der Eisenbahngeschichte in Deutschland. Dieses überregional bedeutende Denkmal der Verkehrsgeschichte entfaltet eine besondere landschaftsprägende Wirkung.
Auch mehr als 150 Jahre nach Fertigstellung ist sie als Eisenbahnviadukt in Betrieb. 2009 wurde die denkmalgeschützte Brücke von der Bundesingenieurkammer zum Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst erklärt. Der frühere Mylauer Stadtrat Manfred Merlack hatte in den 1990er vergeblich geworben, um die Eintragung der Brücke in die UNESCO-Welterbeliste zu kämpfen.
Welterbe ist eine Bezeichnung für Denkmäler, Ensembles und Stätten (Weltkulturerbe) von außergewöhnlichem Wert. In Sachsen gibt es zwei Welterbestätten: Den Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau, die Montanregion Erzgebirge. Das Elbtal hat den Status verloren.