Ritter Rayer leuchtet über der Stadt

24 Kalendertürchen, 24 Geschichten, 24 Gewinne: Jeden Tag fliegt eine Eule aus der Drechslerei Kuhnert Rothenkirchen zu einem unserer Leser. Heute flattert sie in die zwei künstlerischen Welten von Mike Schaller und macht zunächst auf dem Elsterberger Rathausbalkon Halt.

Von Cornelia Henze

Elsterberg In zwei Welten ist der 56-jährige Elsterberger Bauhofmitarbeiter Mike Schaller zu Hause. Die eine ist seine Arbeitswelt und die tägliche Sorge um eine schicke, saubere Stadt. Er räumt Silvester die Böller und Flaschen weg, baut und stellt Bänke auf, trimmt das Stadtgrün auf akurate Länge - und er "schenkt" der Stadt durch sein künstlerisches Geschick einen neuen Schwibbogen. Kurz vor dem ersten Advent gingen auf dem Rathausbalkon die n die LED-Lampen des neuen Lichterbogens an. Und ein jedermann konnte staunen, dass sich in dem Bogen statt der vertrauten erzgebirgischen Bergmänner all das wiederfindet, was den Elsterbergern lieb und teuer ist: Das Stadtwappen samt vorwitziger Elster, Rathaus, Schule, Kirche, Burgruine und natürlich Ritter Rayer. Mit Helm und Rüstung hat Mike Schaller den ritterlichen Adligen, der anno 1198 als erster auf der alten Burg hoch oben am Weßnitzfelsen siedelte und dem Ort an der Weißen Elster zu Ersterwähnung und Urkunde verhalf, dargestellt. "Ich war begeistert, dass unser neuer Schwibbogen Elsterberger Motive trägt", freut sich Bürgermeister Sandro Bauroth. Dem Trend, regionale Motive für den Schwibbogen zu entwerfen, ist Mike Schaller nur zu gern gefolgt. "Das Erzgebirge passt gar nicht zu uns, denn wir sind ja Vogtländer", sagt der gebürtige Greizer, der einst bei Zeiss in Jena als Feinoptiker gearbeitet und den es später nach Elsterberg verschlagen hatte.
Ein neuer Schwibbogen musste her, das war spätestens seit letzter Weihnacht klar. Denn die Gummidichtungen an der Elektrik des alten Bogens wurden undicht und sorgten für dreimaligen Kurzschluss und Düsternis rund um den Lichterbogen. Nun ist er da, der neue Bogen, der in 60 Stunden Arbeit entstanden und dessen Motive aus einer leichter Alu-Kunststoff-Platte herausgeschnitten und -gestanzt wurden. Bis zum 6. Januar wird der Bogen den Elsterbergern hell nach Hause leuchten - auch in das Zuhause von Mike Schaller.
In seinem kleinem Atelier mit Dachschräge wohnt Schallers zweite Welt. Seine Anderswelt. An den Abenden und Nächten sitzt Schaller dort und zeichnet und sprüht die Wesen, die seiner Phantasie entspringen. "Ich hab halt so eine kranke Phantasie", sagt er mit feinem Lächeln und öffnet seine Künstlermappen. Surreal anmutende Figuren mit ausdrucksstarken Gesichtern und Körperteilen, in die Schaller Zahnräder und andere Teile von Maschinen einbaut, sind genau sein Ding. Biomechanik nennt der Elsterberger den Stil, der der Steampunk-Bewegung zuzuordnen ist. Die surreale Metamorphose zwischen Mensch und Maschine sind Mike Schallers Thema, eine Bewegung, die manchen Fan gefunden hat. Begehrt sind Schallers Zeichnungen in der Gothic- und Steampunkszene. Mit einer futuristisch ausgestattetem Stahlhelm auf dem Kopf und der Zeichenmappe unterm Arm ist Mike Schaller zum Leipziger Gothic-Treffen und der Steampunk-Szene unterwegs. Bevorzugte Motive sind Frauen in erotischen Posen, Totenköpfe und Symbole aus der Gothic-, Metal- und Tattoo-Welt. "Meine 17-jährige Tochter begleitet mich gern dorthin, aber ansonsten bin ich in der Familie mit dieser Leidenschaft allen", sagt der Künstler, in dessen Anderswelten noch Motorradfahren, das Metallschmieden und Body-Stählen im Fitness-Center gehören.

Kalenderblatt 20

Wie heißt die zweite Welt von Mike Schaller? Wer das weiß, schreibt die Antwort auf eine Postkarte und sendet sie an: Vogtland-Anzeiger, Postplatz 12, 08523 Plauen, sendet sie per Mail an redaktion@vogtland-anzeiger.de oder antwortet auf Facebook. Einsendeschluss: 23 Dezember. Kennwort: Kalenderblatt 20.
Kalenderblatt 17 hat gewonnen: Nadine Mühlbrant. Das Kennwort lautete: Kürbitzer Oldies