Ringelpietz mit Drehleiter

Die Stadt Pausa-Mühltroff hat eine Drehleiter - aber die ist (zu) teuer. Jetzt will die Stadt eine neue Leiter anschaffen. Die kostet zwar 600 000 Euro - aber das käme die Kommune billiger.

Von Jochen Pohlink
und Uwe Faerber

Pausa-Mühltroff - Eine Probeabstimmung zeigte, dass die große Mehrheit des Stadtrates die Pläne von Bürgermeister Jonny Ansorge befürwortet: Die Stadt sollte sich einer Sammelbestellung des Vogtlandkreises anschließen, bei der die Stadt Freiberg mitmacht. "Dann würden fünf Drehleitern gekauft werden - und jede würde 600 000 Euro kosten. Bei 90-prozentiger Förderung muss die Kommune nur 60 000 Euro zahlen", sagt Ansorge.
Das Geld würde sich nach seinen Worten schnell amortisieren. Die neue Drehleiter würde die ersten Jahre keine Kosten verursachen - im Gegensatz zur alten: Die jetzige Drehleiter erfordere pro Jahr 10 000 Euro Reparaturkosten und alle fünf Jahre zusätzlich 30 000 Euro TÜV - in Frankreich.
In Frankreich? "Wir haben 2008 eine Drehleiter ausgeschrieben und ein französischer Bieter hatte das billigste Angebot gemacht. Laut Gesetz mussten wir das Angebot annehmen. Leider hat das französische Unternehmen seine deutsche Niederlassung mittlerweile geschlossen. Das heißt: Zu jeder Durchsicht und Reparatur muss das Fahrzeug nach Frankreich", sagt der Bürgermeister, sich auch unzufrieden über die Qualität des Fahrzeugs äußert. Laut Ansorge werden die tagelangen Fehlzeiten glücklicherweise durch die Drehleiter aus Zeulenroda abgedeckt: "Wir haben eine gute Kooperation."
Der Haken an der Sache: Für die vorhandene Drehleiter besteht 15-jährige Bindefrist für die Fördermittel, die noch nicht herum ist. Unklar ist, ob die damals ausgereichten Fördermittel zurückgezahlt werden müssen, wenn vorher eine neue Drehleiter bestellt wird? Ortsvorsteher Gert Dreyhaupt: "Es ist grundsätzlich falsch, Fördermittel nur dann auszureichen, wenn das billigste Angebot den Zuschlag erhält. Hier wäre es richtig, die voraussichtlichen Lebenszykluskosten einer Investition zum Maßstab zu nehmen." 
Als zusätzlich belastend betrachteten die Stadträte den Zeitdruck, da eine Entscheidung unverhältnismäßig schnell getroffen werden müsse. Wie der Bürgermeister erklärt, soll in der Ratssitzung Ende des Monats, der Kauf der neuen Drehleiter beschlossen werden. 
Bereits beschlossen ist nach seinen Angaben der Kauf eines 350 000 Euro teuren Tanklöschfahrzeugs. "Die 90-prozentige Förderung dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Nach der Landtagswahl im September dürfte es nicht mehr so leicht sein, ein neues Feuerwehrauto zu bekommen", vermutet Ansorge.