Riesiger Quader-Turm am Albertplatz?

Plauen ist für den Künstler Thomas Thiele vieles - Ort seiner Kindheit, Ort des Wandels, Ort seines Schaffens. Eines aber stellt er in den Mittelpunkt: Er liebt "seine Stadt" Plauen. Deshalb will er mit eigenen Projekten seiner Heimatstadt zu Wahrnehmung verhelfen. Jetzt hat er die Idee, ein einzigartiges technisches Wunderwerk im Stadtbild prominent zu präsentieren - den TCT, den Turn-Cube-Tower.

Von Ingo Eckardt

Plauen Das fast zwei Meter hohe Modell ist bereits recht beeindruckend - eine Seite schaut aus wie ein gigantischer Monolith, auf einer steht in blauen Buchstaben TCT drauf, die dritte Seite ist mit dem Schriftzug Plauen und Bildern der Spitzenstadt versehen und die vierte zieren bekannte Kunstwerke - von Albrecht Dürer und Botticelli bis Roy Lichtenstein.
Thomas Thiele hat schon mal gebastelt und sich Gedanken gemacht. Geht es nach ihm, würde er am liebsten am Albertplatz sein rund 18 Meter hohes künstlerisches, architektonisches, multimediales und multifunktionales Gesamtkunstwerk errichten.
18 Meter hohes
Multifunktions-Kunstwerk

Er geht aber davon aus, dass die Umsetzung nicht von heute auf morgen erfolgen kann - vor allem auch, weil die Kosten hoch sein werden - er spricht von zirka einer Million Euro. "Aber es geht ja nicht nur um das Kunstwerk an sich. Es geht vor allem darum, dass Plauen mit einem solchen Kunstwerk weltweit für Aufsehen sorgen kann. Und es geht um die Philosophie hinter dem Kunstwerk", erklärt Thiele und man erkennt sogleich, dass "Ohn-Mächtig", so sein Künstlername, für dieses Projekt absolut brennt.
Dieses Projekt habe das Potenzial, eine gewisse Strahlkraft von Plauen aus in die Welt zu senden - Plauen könnte so eine moderne Wahrnehmung erfahren, wie es sie vielleicht Anfang des letzten Jahrhunderts letztmals tun konnte. "Man kann mit solch einem Kunstwerk einen starken Ruf erarbeiten, damit verkauft man Ideen und Emotionen, das ist ja kein Produkt wie jedes andere", so Thiele, der Wert darauf legt, dass hinter dieser Welt-Einmaligkeit die Philosophie steht, ein Wahrzeichen des 21. Jahrhunderts zu schaffen. Stets helfe es ja niemandem, permanent in den Rückspiegel zu schauen. Er sei ein Freund der Altvorderen Plauens, habe von ihnen Weitblick und Größe gelernt. Derzeit seien die städtischen Verantwortungsträger jedoch oft rückwärtsgewandt und geschichtsverliebt.
Den Turn-Cube-Tower würde Thiele gern so groß bauen, wie es statisch möglich ist. Insgesamt sollen in die Würfel 44 riesige QLED- Screens verbaut werden, auf denen 24 Stunden am Tag Kunstwerke, Installationen, Kunstpräsentationen aus aller Welt laufen sollen. "Ich möchte, dass wir weltweit angesagte Künstler einladen, sich hier zu präsentieren und Plauen so zu einem Nabel der Kunstwelt zu machen", spricht Thomas Thiele seine geheimen Gedanken aus. Dazu sei es notwendig, ein umfangreiches Netzwerk entstehen zu lassen, das man noch knüpfen müsse.
Er will ein positives Zeichen aus Plauen in die Welt bringen, zeigen, dass Plauen und das Vogtland eine kreative, kulturvolle, kluge Landschaft seien.
Weltweit angesagte Künstler
nach Plauen holen

In die Errichtung seines riesigen beweglichen Quader-Turms möchte er vor allem regionale Firmen einbinden, die den innovativen Weg mitgehen. "Soweit wie möglich sollten heimische Firmen beim Bau und in der Betreibung eingebunden sein und so auch eine großartige Referenz erhalten. Das Kunstprojekt soll aber auch für klar von der Kunst abgegrenzte Werbung offen sein. Beteiligte Firmen können sich zeigen, man kann für wichtige Veranstaltungen der Stadt werben, aber ansonsten geht es darum, eine gewaltig große, moderne Projektionsfläche für verschiedenste Kunstformen zu errichten", hofft Thiele darauf, dass seine Idee Wurzeln in möglichst vielen Plauenern schlägt. Und er denkt groß dabei - verweist in der Projektbeschreibung auf das "London Eye", das vor gut zwei Jahrzehnten entstandene spezielle Riesenrad, das heute wie die Towerbridge und die Downing Street Nr.10 für Englands Hauptstadt London stehe.
Seit über vier Jahren sei die Idee eines beweglichen Würfelturmes im Kopf, vor einem Jahr habe er das Thema dann ernsthaft angegangen, berichtet der Künstler in seiner Werkstatt an der Eugen-Fritsch-Straße, in der gleich mehrere Würfeltürme verschiedenster Ausprägung den bisherigen Denk- und Schaffensprozess dokumentieren. "Am Anfang hatte ich die Idee einer Mittelachse, die durch verschiedene elektronische Kupplungen zum beweglichen Bestandteil wird. Aber Elektronik ist immer auch sehr anfällig, deshalb habe ich mir Gedanken über die Bewegung der Würfel gemacht und ein System diagonal beweglicher Schlitten entwickelt. Ich bin ja aus meiner Ausbildung heraus Maschinen- und Anlagenmonteur und habe neben der künstlerischen Ader auch ein technisches Faible", erklärt sich der Künstler, der im Stadtbild vor allem durch seine Holzgalerie am Malzhaus in den Fokus rückte.
An technische Grenzen stößt er, wenn es an Statik und Lastenthemen geht. Man müsse schauen, den TCT-Turm so leicht wie möglich und so schwer wie nötig zu bauen. Er sei nach vielen Gesprächen zu der Auffassung gekommen, dass der Tower wohl aus speziellem leichtem Acrylglas bestehen müsse. Windsensoren seien nötig, um die Statik zu sichern. "Wenn es stürmt, dann dreht der ausladende Turm sich ein und wird automatisiert festgestellt.
Spannende Optik,
unendlich vielfältig

Zudem sollte TCT ein eigenes Audiosystem haben, um auch Klanginstallationen präsentieren zu können. LED-Leisten könnten eine spannende Optik bieten. Dieser Turm ist einfach unendlich vielfältig, dreht sich immer um sich selbst und bietet hunderte verschiedene Ansichten und Ausrichtungen", versucht Thiele seine eigene Leidenschaft auf andere zu übertragen. Dazu hat er mit der IHK, der Handwerkskammer, dem Dachverband Stadtmarketing und der Stadt Plauen erste Kontakte aufgenommen. Gerade touristisch kann er sich eine große Sogwirkung vorstellen.