Riesenbohrer frisst sich durch Plauen

Ein Riesenbohrer quält sich derzeit durch die Plauener Innenstadt. Der Stromnetzbetreiber envia Netz verlegt erstmals ein 110-Kilovolt-Kabel. Mit der Millioneninvestition soll die Versorgungssicherheit erhöht werden.

Plauen - Der Stromnetzbetreiber envia Netz investiert in das Plauener Stromnetz und verlegt unterirdisch ein neues Hochspannungs-Erdkabel durch die Innenstadt. Es soll das Umspannwerk Plauen A an der Hammerstraße mit dem Umspannwerk Plauen B an der Uferstraße verbinden. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben insgesamt rund 6,3 Millionen Euro in das Vorhaben.

20 Meter in der Stunde

Der Bau der über zwei Kilometer langen Kabeltrasse für drei 110-Kilovoltleitungen verlangt den Einsatz von schwerer Technik. Ein Hochleistungsbohrer einer holländischen Spezialfirma frisst sich im Spülbohrverfahren langsam durch das Erdreich. In der Stunde legt die Maschine je nach Bodenverhältnissen etwa 20 Meter zurück. Derzeit gräbt sich der massive Bohrer für ein gut 800 Meter langes Teilstück durch die Unterwelt beim Komturhof in der Nähe der St. Johanniskirche. Der Startpunkt befindet sich direkt auf der Auenstraße beim Neustadtplatz. Ziel ist die Dürerstraße. Da soll der Bohrer wieder auftauchen. Für den Ausbau der gesamten Strecke sind acht Bohrungen nötig, sagt envia-Netz-Projektmanager Michael Barnitzki.

19 Meter unter der Erde

Das Loch für das Stromkabel entsteht in mehreren Arbeitsschritten. Bei einer ersten so genannten Pilot-Bohrung wird sich bis zum Zielpunkt vorgearbeitet. Ein breiterer Bohrer vergrößert die Grube, die sich etwa 19 Meter unter der Oberfläche befindet und etwa sieben Meter unter den Flussbetten der Syra und des Mühlgrabens, im Rückwärtsgang dann auf 60 Zentimeter. So wird auch das Kabel anschließend durch die Öffnung gezogen. Der Bohrarm selbst besteht je nach Strecke aus mehreren neun Meter langen zusammengesetzten Teilstücken. Überwacht wird die gesamte Bohrung digital über einen Bildschirm. Hier kann ganz genau durch einen Kreiselkompass kontrolliert, verfolgt und gesteuert werden, wo sich der Bohrer befindet und wohin er bohrt. Die Bohrstrecke ist über Koordinaten zuvor exakt programmiert worden.

Kaum Straßensperrungen

Wo der Bohrer nicht zum Einsatz kommen kann, wird das Kabel herkömmlich durch Ausschachten des Erdreiches verlegt. Es müssen nur wenige Straßen aufgebrochen werden, heißt es von der Firma SAG. Die Montage-Gesellschaft mit einem Standort in Plauen ist von der envia Netz beauftragt worden, die Projektrealisierung zu übernehmen. Das Unternehmen ist auch Ansprechpartner für die enviaM bei Störungsfällen.

Bevor der Bohrer sich zum ersten Mal in die Erde drehte, ist der Bereich auf eventuelle Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht worden. Kommende Woche sollen Sonden noch entlang der Dürerstraße nach möglichen Störquellen suchen. Bei der ersten Untersuchung habe es einen Verdachtsfall gegeben, der sich aber als Fehlalarm herausstellte.

Erdkabel wirtschaftlicher

Mit der Verbindung der beiden Umspannwerke soll die Versorgungssicherheit erhöht werden, so Barnitzki. Damit könne das Unternehmen auch dem steigenden Leistungsbedarf gerecht werden, zukünftige Industrieansiedlungen ermöglichen und die weitere Einspeisung von erneuerbaren Energien sicherstellen. "Im dicht besiedelten Raum stellt die Erdkabelvariante die wirtschaftlichste Option dar", sagt der Projektmanager. Würden die beiden Umspannwerke mit einer Freileitung verbunden werden, müsste das Kabel um das Stadtgebiet herum gezogen werden und wäre dann fast fünf Mal so lang wie die gewählte Variante, erklärt Barnitzki.

Für den enviaM-Netzbetreiber ist die Verlegung eines Starkstromkabels in der Stadt Neuland. "Das ist eine Technologie, die wir bisher noch nicht so umgesetzt haben."