Richter lässt Milde walten gegen fünf Hooligans

Fünf prügelnde Fußball-Fans kommen mit einer Geldstrafe und eingestelltem Verfahren davon. Gegen einen sechsten Hooligan wird am Dienstag weiter verhandelt.

Plauen - Eine über anderthalb Jahre zurückliegende Prügelei im Vogtlandstadion findet ein juristisches Nachspiel. Sechs Männer zwischen 21 bis 33 Jahren mussten sich wegen gefährlicher Körperverletzung vorm Jugendschöffengericht verantworten. Gegen fünf von ihnen wurde das Verfahren nach fast sechsstündigem Prozess vorläufig eingestellt. Sie müssen zwischen 300 und 800 Euro an gemeinnützige Vereine zahlen.

Die Angeklagten sind allesamt bekennende Fans des FC Carl Zeiss Jena. Drei von ihnen kommen direkt aus der Saalestadt. Zwei weitere wohnen in Weimar. Jan, der sechste, älteste und brutalste Schläger, ist seit kurzer Zeit in Weischlitz zu Hause. Am 28. April 2013 verprügelte das Sextett nach dem Abpfiff der Partie VFC Plauen gegen den FC Carl Zeiss Jena im Gästefanblock einen anderen Jenaer Fan dermaßen, dass dieser schwere Verletzungen davontrug.

"Mein Nasenbein ist kaputt. Und ich darf im Gesicht nicht abnehmen. Ich weiß, das klingt blöd, aber sonst krieg ich Silberplatten rein", schilderte der 50-jährige Paul (Namen aller Betroffenen geändert) aus Gera, die Folgen der Schläge und Tritte, die er verabreicht bekam. Die Angeklagten und der Geschädigte gehörten unterschiedlichen Fan-Gruppierungen des Traditionsklubs aus Thüringen an. Mehrere Zeugen gaben an, dass dabei auch verschiedene politischen Ausrichtungen eine Rolle spielten.

Fünf Angeklagte sind der eher im politisch linken Spektrum angesiedelten Fangruppe "Horda Azura" zuzurechnen. Schon seit längerem schwelten Konflikte zwischen dieser Vereinigung und einem Verbund Geraer Jena-Fans, denen eine rechte Orientierung nachgesagt wird. Seinen Ausgang nahm die Auseinandersetzung nach Spielschluss bei der Gästetoilette.

Dort gab es eine Rempelei zwischen einem Jenaer Fan mit dunkler Hautfarbe und dem später Geschädigten Paul. Der fühlte sich angegriffen und folgte seinem Widersacher zum Stellplatz der "Horda Azura", deren Mitglieder gerade auf dem Weg zum Bahnhof waren. Paul sei betrunken gewesen und habe sie fast zehn Minuten lang "vollgequatscht", sagten mehrere Angeklagte. "Und dann hat er so eine dumme Bewegung gemacht und ich dachte, der holt zum Schlag aus. Da habe ich ihm vorher eine versetzt", schilderte der 23-jährige Tom.

Elf Zeugen wurden am Dienstag gehört. Mit Ausnahme von zwei Polizisten konnte man sie im Wesentlichen den zwei Lagern zuordnen: Hier jene, die dem Geraer Kreis um den Geschädigten Paul nahestehen, dort die, welche, mit den Angeklagten in Verbindung stehen. "Wir werden als Nazis dargestellt. Das sind wir aber gar nicht. Früher hatten wir mal so einen Deppen dabei. Aber den haben wir selbst entfernt", erklärte der 27-jährige Zeuge Mario aus Gera.

"In Gera wohnen nur Feiglinge", soll der Angeklagte Jan (33) im Vogtlandstadion gesagt haben. Der Beschuldigte war an jenem Tag als Ordner im Gästeblock tätig. Ihn wollen mehrere Zeugen dabei beobachtet haben, wie er auf den bereits am Boden liegenden Paul eintrat.

Jan ist der einzige Angeklagte, der am Dienstag noch einmal bei Gericht erscheinen muss. "Bei Ihnen müssen wir das bis zum Ende verhandeln. Da steht zu viel auf dem Spiel", erklärte Richter Wilhelm Gerhards unter Hinweis auf einen möglicherweise anstehenden Bewährungswiderruf aus einer früheren Verurteilung.

Gegen die fünf anderen konnte das Verfahren angesichts der geringeren Tatbeteiligung gegen Geldauflagen eingestellt werden. In den Genuss der Zahlungen kommen mehrere gemeinnützige Verein, so der Spiel-Spaß-Kindertreff, der Karo e.V., die Elterninitiative für Behinderte und ihre Familien Vogtland, der Verein für Jugendgerichtshilfe und das Fanprojekt Plauen-Vogtland.

Das Spiel endete übrigens mit einem 2:1-Sieg für Jena, einem Resultat, das einmal mehr belegt, dass es manchem Fan nicht um den Sport, sondern vor allem um Randale geht.