Reusaer Schule vor Herbstferien fertig

Plauen Überplanmäßige Mittel in Höhe von 270 000 Euro für die Fertigstellung der Reusaer Grundschule hatten die Stadträte zu beschließen. Professor Wolfgang Kühn begründete den Mehraufwand.

 

Die ganz raue See hatte er schon hinter sich, als Prof. Wolfgang Kühn vor dem Verwaltungsausschuss die erneut gestiegenen Kosten für die Sanierung der Grundschule Reusa begründen musste und einige Ausschussmitglieder den Chef der Delta Plan-GmbH persönlich haftbar machen wollten. Nun stand er am Donnerstag den Plauener Stadträten erneut Rede und Antwort, mit der von ihm bekannten Selbstkritik und Sachlichkeit.

 

Zuvor hatte auch Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer eine Lanze für Kühn gebrochen, der als sehr erfahrener Mann gelte und mit dem Bau mehrerer Plauener Schulen auch über die nötige Praxis verfüge. Immerhin gehe es um den Ruf eines soliden Unternehmens und dessen Aufträge. Kühn verwies eingangs auf die Tatsache, dass die Schule mit 80 Prozent Fördermitteln generalsaniert werde, was der Kommune angesichts bis dato üblicher 50prozentiger Förderung eine Einsparung von Eigenmitteln in Höhe von 600 000 Euro brachte. Ursprünglich sei man davon ausgegangen, dass nicht nur die Schule, sondern auch eine Turnhalle, die Verbindung zu dieser und die Außenanlagen gebaut werden könnten.

 

Die im Vorjahr geflossenen Fördermittel bezogen sich allerdings nur auf die Schule selbst, für den "Rest" wurden die Fördermittel in diesem Jahr abgelehnt. Grundlage für den Fördermittelantrag seien die von seinem Büro als Gesamtkosten errechneten 2,4 Millionen Euro gewesen, erinnerte ühn. Genehmigt wurden aber letztlich nur reichlich zwei Millionen, was zu einem nicht abgedeckten Finanzanteil von 342 000 Euro führte. Die, stellte der Fachmann klar, seien also nicht aufgrund zu hoher Kosten, sondern eben nicht geförderter Leistungen entstanden. Man könne also keineswegs die in einer ersten Vorlage zur Verfügung gestellten 375 000 Euro und die jetzt erforderlichen 270 000 Euro Mehrkosten addieren.

 

Vielmehr habe man Leistungen aus dem Bau der Sporthalle vorziehen müssen, allein der Verbinder zwischen Schule und Halle schlage mit 40 000 Euro zu Buche. Die nun von den Stadträten zu genehmigende Summe von 270 000 Euro resultiere aus Mehrkosten infolge des vorgefundenen Bauzustandes (255 000 Euro) und Mehrkosten bei den Auschreibungen (45 000 Euro). Daher, so Kühn, weichen die tatsächlichen Kosten von den geplanten um zwölf Prozent ab. "Das ist nicht schön, aber auch nicht abnormal", so der Architekt.

Ob der Bauzustand im Vorhinein ungenügend untersucht worden sei, versuchte Kühn an zahlreichen Einzelbeispielen deutlich zu machen. Allein der Teergehalt der Bodenflächen sei um ein Vielfaches höher gewesen als angenommen. Zudem habe man Gutachter mit der Untersuchung beauftragt, denen zu misstrauen es keine Ursache gab. Die Mehrkosten bei den Ausschreibungen begründete Kühn mit der Tatsache, dass Ende Mai erst 40 Prozent der Leistungen abgerechnet waren, ein endgültiger Kostenumfang also noch nicht abschätzbar gewesen sei. Und: Niemand habe mit der Nichtgenehmigung der Fördermittel für die Turnhalle gerechnet, zog Kühn ein Fazit.

Ein Plädoyer für die beschränkte Ausschreibung, bei der einheimische Firmen bevorteilt werden, hielt auch der OB. "Sind deren Auftragsbücher voll, steigen automatisch die Preise", beschrieb er die Realität. Auch Kühns schärfster Kritiker, Stadtrat Thomas Fiedler (CDU), schlug in der Diskussion versöhnliche Töne an. Er appellierte an mehr Sorgfalt bei der Kostenberechnung und an Kühn direkt gewandt: "Sie haben schon mehrfach gezeigt, dass Sie es können und gut können."

 

Oberdorfer avisierte, dass Projektstudien für vorbereitende Untersuchungen künftig erweitert werden, denn wenn die Kosten realistischer sind, habe das auch Einfluss auf die Fördermittelhöhe. Fördermittel auf Nachfolgekosten zu erhalten, sei immer schwierig. Letztlich stimmten die Stadträte den überplanmäßigen Mitteln zu und Kühn legte sich darauf fest, dass die Reusaer Grundschüler ihre Schule nach den Herbstferien wieder in Besitz nehmen können.  tp