Rettung für Ohsers Werke

Für die aufwendige Restaurierung alter Zeichnungen von Erich Ohser sammelt Kunsthistorikerin Dr. Elke Schulze seit März Spenden. Jetzt hat die Leiterin des Erich-Ohser-Hauses ein erstes erfolgreiches Zwischenfazit gezogen. Mehr als 10 000 Euro sind bereits zusammengekommen.

Plauen - "Heute ist ein besonderer Tag", sagt Dr. Elke Schulze im Erich-Ohser-Haus. Papierrestaurator Christian Maul hat zehn aufbereitete Zeichnungen aus der Sammlung wiedergebracht. Sie alle konnten dank Spenden in der Werkstatt des Restaurators von ihren Schäden befreit werden. "Bild-Patient" und "Bild-Pate" heißen die beiden Spendenaktionen dafür, die zum 100. Geburtstag Ohsers im März gestartet worden sind. "Es ist viel mehr Geld als erwartet gespendet worden. Wir sind sehr glücklich darüber", sagt Schulze. Über 10 000 Euro sind bereits zusammengekommen. Die Spendensummen der insgesamt 30 Spender aus ganz Deutschland liege zwischen fünf und 5000 Euro.

Auf der Restaurierungs-Liste stehen rund 100 Zeichnungen von Erich Ohser. Im Gesamtbestand hat das Erich-Ohser-Haus in der Altstadt etwa 1400 Werke des Künstlers. Die Schäden sind keineswegs im Museum entstanden. Die wertvollen Arbeiten zogen schon mit ihren Blessuren ein. "Viele Zeichnungen haben bereits ein langes Leben oder sind auf billigem Papier entstanden", sagt die Kunsthistorikerin. Die Problem-Blätter können auch nicht ausgestellt werden. Zu groß sei die Gefahr, dass die Werke weitere Schäden bekommen könnten. Bei vielen fehlen Stellen am Rand und es sind Knicke im Papier oder Farbveränderungen zu sehen. Wenn Ohsers "Patienten" bei Christian Maul auf dem Tisch liegen, erfasst der Restaurator die Schäden erst einmal. Die "Stabilisierung" des Bildes sei ein Prozess und immer auch eine Frage: "Was kann man dem Blatt zumuten?"

Unter den schadhaften Arbeiten befinden sich auch viele Tierzeichnungen. Diese sind unter den Paten und Spendern besonders beliebt. So meldete sich eine Familie, deren Anfangsbuchstaben zusammen das Wort Kamel ergeben. Sie haben die Patenschaft für eine Kamel-Zeichnung übernommen. Auch für Katzen, Löwen oder Warzenschweine aus Ohsers Hand haben sich "Retter" gefunden. Das Interesse an den Aktionen entstand allgemein bei vielen aus einer persönlichen Beziehung heraus, so Schulze. Viele irre Geschichten erreichten die Museumschefin in diesem Zusammenhang, erzählt sie. So bleibt ein älterer Mann in Erinnerung, dessen Kindheit von zwei Kinderbüchern des e.o.plauen-Künstlers geprägt war. "Nun will er Erich Ohser etwas zurück geben", sagt Schulze erfreut.

Unter den Problem-Werken ist auch eine besondere Akt-Zeichnung, die die Kunsthistorikerin als einmalig einstuft. Ohser drehte beim Zeichnen das Blatt immer wieder. "Es gibt keine richtige Ansicht. Es hat eine expressive Dynamik und einen gewissen Witz. Es gibt kein weiteres Blatt dieser Art." Der Malzhaus-Verein will die Zeichnung nun retten und hat die Patenschaft dafür übernommen. "Wir wollen das Projekt unterstützen", sagt Malzhaus-Galerist Peter Hochel. Das Geld für die Restauration werde aus den Eintrittsgeldern der diesjährigen Veranstaltungsserie "40 Jahre Malzhaus" genommen. Alle bisher aufbereiteten Arbeiten werden in der nächsten Ausstellung ab 25. Oktober zu sehen sein.